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Rogers: Augen auf

Drittes Album bringt weitere Steigerung
Wertung: 7,5/10
Genre: Rock
Spielzeit: 42:37
Release: 08.09.2017
Label: People Like You Records

Zwei Jahre ist es nun her, dass Rogers ihr Album „Nichts zu verlieren“ veröffentlichten und damit erste Erfolge einheimsten. Mit „Augen auf“ steht nun ihr drittes Album bereit, bei dem die berechtigte Frage besteht, ob sie nahtlos an das letzte Werk anknüpfen können.

Und um es gleich vorweg zu nehmen, auch bei dieser Scheibe bleibt sich der Vierer musikalisch treu. Geboten wird schnörkelloser Punk-Rock, der selten vom Gaspedal geht und über reichlich Melodik verfügt, was das Ganze den Ohren recht zuträglich macht. Dabei kann man den dreizehn Songs ebenfalls anhören, dass die Herren etwas reifer geworden sind, sei es nun auf kompositorischer Ebene oder bei den Texten, in beiden Fällen macht sich doch eine Steigerung gegenüber dem Vorgänger bemerkbar. Glücklicherweise bleibt ihnen ihre bisher an den Tag gelegte Rotzigkeit und Unbekümmertheit weiterhin erhalten, so haut „Einen Scheiss muss ich“ nicht nur ordentlich rein, sondern stellt sich ebenso als Komplettverweigerer gegen alle Richtlinien und Normen dar.

Die größten Unterschiede zu den vorangegangenen Alben bieten sicher die Thematiken der Songs. Haben sich Rogers textlich bisher eher im Alltag und in zwischenmenschlichen Beziehungen heimisch gefühlt, gehen sie nun mit deutlich offeneren Augen durch ihre Umwelt, insofern erscheint der CD-Titel mehr als passend. Nicht, dass man sie nun direkt zur Polit-Punk-Band erheben will, es bleibt auch weiterhin viel Raum für die alltäglichen Dinge, dennoch finden sich vermehrt Stücke wieder, in denen sie einen skeptischen Blick riskieren und diesen recht deutlich artikulieren. Schon beim Start mit „Nie euer Land“ zeigen die Düsseldorfer Flagge und rechten Parolen den Mittelfinger, wohingegen „Mensch“, welches mit Sicherheit eines der stärksten Stücke ihrer bisherigen Diskografie ist, dem allgegenwärtigen Leistungsdruck und Streben nach „Höher, Schneller, Weiter“ ordentlich zu Leibe rückt. Etwas eigenwillig stellt sich hingegen „Sie hören zu“ dar, bei dem man sich nicht wirklich mit sich selbst einig wird, ob es sich hier um eine wohlgemeinte Warnung bezüglich digitaler Überwachung oder um eine Verschwörungstheorie handelt. Irgendwie hört sich das Ganze doch etwas zu drüber an, um es sich zu verinnerlichen.

Doch wie bereits geschrieben, Rogers verzichten auf der neuen Scheibe nicht auf Zwischenmenschliches und bringen in „Früher“ das Auseinanderleben zweier Menschen auf den Tisch. Hier wird glücklicherweise auf Pathos und Kitsch verzichtet, stattdessen gibt es einen ruhigen, einfach gehaltenen Song zu hören, der gerade durch die Reduzierung sehr eindringlich wirkt.

Mit „Augen auf“ legen Rogers eine Scheibe hin, die ungemein kurzweilig daherkommt, zumal sich die musikalische Bandbreite der Düsseldorfer hier stark verbreitert hat und damit eine größere Vielfalt geboten wird. Von druckvollen Punk-Songs über Balladen bis hin zu Mitgrölhymnen wird eigentlich alles geboten und dies in einer erfreulichen Qualität. Leider flacht das Album im Mittelteil etwas ab, zudem fühlt man sich doch hin und wieder an andere Genre-Kollegen erinnert. Sei es drum, insgesamt ein sehr unterhaltsames Album und wer die Limited Edition ergattern kann, wird zusätzlich noch mit einem Bonus von Die Roberts belohnt.

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„Weil wir einfach wissen, dass wir als Band nur funktionieren, wenn wir uns nicht verbiegen“