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Rockpalast: John Cale & Band

Der schmale Grat zwischen Genie und Wahnsinn
keine Wertung
Genre: Art Rock
Spielzeit: 161:00
Release: 30.04.2010
Label: MIG

John Cale (nicht zu verwechseln mit J.J. Cale) gab sich 1983 und 1984 die Ehre, im Rahmen der Rockpalast-Veranstaltungen in Deutschland zu spielen. Diese Doppel-DVD ist der Beweis dafür. Und unterschiedlicher hätten die Konzerte kaum ausfallen können. Das zweite Konzert ist John Cale himself als Alleininterpret mit Gitarre beziehungsweise Piano.

Die erste zeigt einen kuriosen Auftritt beim Rockpalast Festival, als die Band gegen drei Uhr morgens nach Huey Lewis & The News, Level 42 und Chalice die Bühne entern durfte. Ich muss zugeben, dass ich nicht wirklich etwas mit der Mucke von ihm oder auch seiner bekannten Vorgängerband The Velvet Underground anfangen kann. Aber was es da zu sehen gibt, ist schon etwas sehr Spezielles. Extrem minimalistisch umgesetzt zockt die Band ihre Songs. Rau und sparsam werden die gespielten Interpretationen oft betitelt und irgendwie stimmt das auch.

Trotzdem kann er mich nicht begeistern, ich habe stellenweise eher das Gefühl, dass da nicht alles auf natürliche Art und Weise passiert. Wenn er unter dem Klavier liegt und wie von allen Geistern verlassen die damals modernen Teppichfliesen abreißt und sich dann ein Holländerhütchen aufsetzt, dann frage ich mich nur, ob das nun genial ist oder einfach nur Bullshit. Aber dass Genie und Wahnsinn sehr eng bei einander liegen, ist ja bekannt. Will man nun hineininterpretieren, dass er extremst die Songs darstellen will, dann muss man das halt einfach mal so glauben. Für die Fans ein absolut fantastisches Dokument.

Die zweite DVD ist etwas verdaulicher, denn sie zeigt den Soloauftritt vom 6. März 1983 in der Bochumer Zeche. Dort wirkt John deutlich normaler und irgendwie souveräner. Die Bildqualität ist bei beiden Discs dem frühen achtziger Jahre Standard gerecht. Der Ton ist ebenso in Ordnung und man darf sich freuen, dass diese Konzerte im Doppelpack erschienen sind, denn so gibt es ein gutes Preis-Leistungsverhältnis. Aber nochmals zurück zur ersten DVD, die am 14. Oktober 1984 in der Grugahalle zu Essen aufgenommen wurde. John liefert hier als weiteren „Höhepunkt“ eine recht krank anmutende Version des Elvis Presley-Klassikers „Heartbreak Hotel“ ab. Das Original ist absolut nicht mehr erkennbar, aber er legt hier den Schmerz hinein, den der Songtext eigentlich zu vermitteln versucht. Ob man das dann zwar noch als Musik bezeichnen kann, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Die absolute Krönung für mich ist aber das knapp dreiminütige Interview. Der Rockpalast-Reporter geht in den Aufenthaltsraum und macht mit Drummer Dave Lichtenstein ein Interview, das er eigentlich mit John Cale führen wollte. Er bemerkt nicht, dass der Drummer mit seinen Drumsticks hantiert. Auch der mehrmalige klare Hinweis von Dave, dass er die Frage doch besser direkt an John stellen solle, wird kategorisch ignoriert. Man hat irgendwie das Gefühl, dass der Reporter eigentlich kein Wort Englisch spricht und deshalb nichts versteht. Ein Glück, dass er sich die Fragen aufgeschrieben hatte. Seltsam dann nur, dass zum Ende hin John Cale aus dem Schrank zu fallen scheint. Ob da was abgesprochen war?

Fazit: Zwei tolle Dokumente alter Konzerte. Da die Musik doch sehr speziell ist, eher was für Fans von John. Aber die werden das Ding feiern. Als musikübergreifenden Höhepunkt gibt es ein Interview zum Kaputtlachen. Stark, dass sich die Rockpalast-Leute nicht davor gescheut haben, dieses mit auf die DVD zu nehmen. Daumen hoch.

Bildformat: 4:3

Tonformat: Dolby Digital

Regioncode: 0 (No Region)

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