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Riverside: Rapid Eye Movement

Tiefgründige Metaphorik verpackt in progressive Klänge
Wertung: 8.5/10
Genre: Art, Progressive Rock
Spielzeit: 55:50
Release: 28.09.2007
Label: InsideOut Music GmbH

...und der Kreis beginnt sich langsam zu schließen:

Was in 2003 mit “Out Of Myself“ vielversprechend begann, dann zwei Jahre später mit dem “Second Life Syndrome“ noch erfolgreicher fortschritt, endet nunmehr hier und heute mit “Rapid Eye Movement“, dem fulminanten und würdevollen Abschluß der von Frontmann Mariusz Duda initiierten Trilogie um die menschliche Einsamkeit...

Veröffentlichten die polnischen Art- und Progressive Rocker anno 2006 noch die “Voices In My Head“ - EP als kleine „Fingerübung“, holen sie mit ihrem aktuellen Longplayer wieder zum Frontalangriff aus. Denn auch mit “REM“ untermauern die vier Polen erneut ihren begründeten Sonderstatus in der modernen Prog-Rock-Kultur.

Selbst ich als jemand, der nur sehr bedingt etwas mit progressiver Musik anfangen kann, fand damals sehr schnellen und großen Gefallen an der “Voices In My Head“ - Veröffentlichung. Aber auch “REM“ macht hier qualitativ keine Abstriche!

Doch woran liegt das? Zum einen sicherlich an der ungemein intensiven und Gänsehaut fördernden Atmosphäre, die von den Kompositionen Riverside´s ausgehen, die ihre beste Stimmung definitiv dann zur vollen Entfaltung bringt, wenn es draußen am Fenster leise anfängt zu regnen und der Himmel sich sanft zu verdunkeln beginnt...

Gerne werden Riverside als die „neue Generation progressiver Musik“ bezeichnet. Dies stimmt auch vollkommen, da bei ihnen Gefühle nicht nur in den Songtexten eine große Rolle spielen, sondern insbesondere auch im Spiel und der Beherrschung der Instrumente. Des weiteren verzichtet das Quartett auch auf dem aktuellen Album glücklicherweise auf quälend-schmierige Keyboardpassagen, wie es in dieser Szene ja leider nur allzu beliebt ist... Für mich ist dies ein Mut, der letztendlich durch eine deutliche Erhöhung der musikalischen Meßlatte belohnt wird.

Eingeteilt ist “REM“ in zwei Kapitel:

In “Part One - Fearless“ geht es um einen namens- und gesichtslosen Mann im Kampf, mit sich selbst. Er verzweifelt an seiner orientierungslosen Existenz und an der sich selbst auferlegten Isolation. Doch er allein findet keinen Weg heraus aus diesem seelischen Tief... Darauf hin beginnt er, sich noch mehr der Realität um sich herum zu entziehen. Und genau hier beginnt “Part Two - Fearland“ - eine Flucht (seine Flucht) in eine Traumwelt, die für ihn immer mehr zur „wahren Wirklichkeit“ wird.

Untermalt wird dieser emotional fordernde Seelentanz in passende Stimmungsmomente, dichte Spannungsbögen und atmosphärische Spielereien aus Dynamik, Resignation und kurzen Momenten der seelischen Entspannung - dem sogenannten „loslassen können“.

Während “Part One - Fearless“ musikalisch noch relativ „ausgewogen“ (bzw. vielschichtig) seine Reise beginnt, wird es im zweiten Teil “Fearland“ dann doch deutlich vertrackter und fiebriger... Ganz langsam (und fast schon liebevoll) spinnen sich Elemente aus Traum und Realität zu einem großen, dunklen Flickenteppich der Agonie zusammen. Mehr und mehr gleitet nicht nur der namenlose Protagonist, sondern auch der aufmerksame Zuhörer ab in einen Sog aus Halluzination und Wunschdenken.

Während Akustikgitarren in “Fearless“ nicht zu vernehmen waren, bestimmen sie hingegen in “Fearland“ stark den Verlauf des Albums. Allerdings aber auch nur so lange, bis der psychologische Abstieg des Mannes nicht mehr aufzuhalten ist... Denn dann bestimmen wieder elektronisch emotional-druckvolle Bass- und Gitarrenwände das Bild des Geschehens, die sensibel von gefühlvollen Keyboardsounds untermalt werden.

Fazit: Auch mit “REM“ haben Riverside abermals ein Gesamtkunstwerk geschaffen, das schnell eine gefühlsintensive Bindung mit seinem Publikum eingeht. Erstaunlich problemlos kann man sich auch dieses Mal wieder in jener Welt der Gefühlsregung eines einsamen Menschen wiederfinden.

“REM“ ist kompositorisch nicht überladen - aber dennoch fordernd und mannigfaltig. Ein Album, das den nahezu perfekten Abschluß gesucht und mit Bravour gefunden hat. Einfach erstklassig!

Erscheinen wird “REM“ neben der regulären Verkaufsvariante auch als limitierte Special Edition mit Bonus-CD im optisch-ansehlichen Digipak.

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