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Riverside: Anno Domini High Definition

Ein Album voller Symbole
Wertung: 7.5/10
Genre: Moderner Progressive Metal
Spielzeit: 44:44
Release: 19.06.2009
Label: Inside Out, SPV

Zwei Jahre nach der Veröffentlichung von „Rapid Eye Movement“, dem Teil drei der großen Konzept-Trilogie bringt die polnische Modern-Progressive Metal-Band Riverside nun mit „Anno Domini High Definition“ ihr viertes Studiowerk auf den Markt.

Mariuz Duda, seines Zeichens Sänger und Bassist des Quartetts bezeichnet das neueste Werk als „ein Album über Menschen, die wissen, dass sie den Anschluss verlieren, wenn sie nicht das Tempo erhöhen. Es ist ein Album über Chaos, ständigen Wettkampf, Unsicherheit, Stress und den Versuch zu überleben.“ Kurz, es geht thematisch um die rasante Entwicklung der Gesellschaft und ihre Auswirkungen.

Der Opener „Hyperactive“ startet erst einmal ruhig und besinnlich mit Klavier und Akustikgitarre. Die Idylle wird erst gestört, wenn Drums und Percussion einsetzen und sich zum Einsatz der E-Gitarre hin tempomäßig und dynamisch steigern. Trotz allem herrschen noch schöne, klare Melodien vor. Doch nun soll sich beweisen, dass dieses Stück seinen Titel zu Recht trägt. Es wird fast schlagartig rockiger und schneller, die Drums wirken teils stampfend, die Rhythmik variiert und der Sound im Allgemeinen hat eine leicht experimentelle Note, was einen interessanten Kontrast zu den an die 70er Jahre angelehnten Synthies bildet. Es wirkt alles sehr hektisch und chaotisch, was wiederum zum anfänglichen Zitat Dudas passt.

In einem ähnlichen Stil geht es weiter. „Driven To Destruction“ setzt stark auf den Bass als eigenständiges Instrument, nur im Mittelteil wird der Song kurzweilig vom Piano in den Hintergrund gedrängt, welches dann mit leicht mystischen, melancholischen Klängen eine kleine Verschnaufpause in dem recht flotten und harten Song bietet. Grund für diese neue Härte sind zum einen der hervorgehobene Bass, aber auch die sehr aggressiven Gitarren. Die Melodie ist eindeutig zweitrangig. Diesen etwas schrägen, aggressiven Touch besitzt ebenfalls der Rausschmeißer „Hybrid Times“, welcher mit knapp 12 Minuten Spielzeit die längste Komposition darstellt.

Wechselhaft geht es auch auf „Egoist Hedonist“ zu. Hier wird fast eine kleine Geschichte mit integriertem Spannungsbogen erzählt, was vor allem durch ständiges Loslassen und Zurückziehen des Tempos gefördert wird. Nach einem ruhigen, fast mystischen Intro, bei dem die etwas dunklere Stimme des Herrn Duda im Vordergrund steht, wird es erst rockiger, bevor es ins Elektronische abzurutschen droht. Einen kleinen Höhepunkt erreicht man dann in dem von Trompeten und ähnlichen Bläsern gestalteten Mittelteil, bevor es mit einem Wechselspiel aus Rhythmus und angenehmen Klangflächen Richtung Ende strebt.

„Left Out“ sollt man auf diesem Werk nicht auslassen, den hier kann der Hörer elf Minuten lang seine Ohren etwas durchatmen lassen. Diese Halbballade bildet ein angenehmes Gegenstück zum restlichen Longplayer. So findet man instrumental hier vor allem Akustikgitarren, Piano und eine Orgel.

Setzt man zu dem anfangs zitierten Thema von "Anno Domini High Definition" noch die drei Wörter Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft hinzu, so ist man thematisch immer noch am richtigen Ort. Zum einen kann man diese drei Begriffe im allgemeinen Sound wieder entdecken. Man muss nur die 70er-Jahre Einflüsse als Vergangenheit setzen, den eigentlichen Klang als Gegenwart und die experimentellen Passagen als Zukunft und man hat eine neue Deutung des Werkes. Weiterhin geht dies auch mit der Komposition des Klaviers. Dieses kann man aufteilen in klassische Elemente - 70er Jahre Orgel – Synthies- Versuch Nummer zwei, dem Album einen tieferen Sinn abzugewinnen, geht über den Titel „Anno Domini High Definition“, abgekürzt "ADHD".

Denkt man nun einmal nicht an diverse andere Alben, die möglicherweise dieselbe Abkürzung haben, kommt man vor allem auf Attention-Deficit Hyperactivity Disorder (deutsch: Aufmerksamkeits-Defizit/ Hyperaktivitäts-Syndrom). Dies passt einerseits zu der schnelllebigen Gesellschaft und dem Chaos und Stress, welcher durch die Tracks thematisiert wird. Aber das Gefühl der Hyperaktivität ist auch durchgängig in dein einzelnen Stücken zu hören, vor allem in den sehr hektischen und komplexen Parts. Wie man sieht, man kann in diesen Longplayer viel hineininterpretieren, spielt man doch scheinbar gerne mit verschiedenen Symbolen. Wer jetzt noch den Zusammenhang zu den passgenauen 44:44 Minuten Spielzeit, dem aus vier Wörtern bestehenden Albumtitel und dem vierten Album der Polen herstellen kann, ist hier auf jeden Fall richtig.

Aber nun zurück zur Musik. Man kombiniert hier klassische und moderne Arrangements zu einem sehr energetischen Gesamtgefüge. Der Gesang ist recht eindringlich, die Basslinien immer wieder etwas in den Vordergrund gestellt. Als Gegensatz dazu nimmt man dann etwas Musik der 70er, ein paar Orgeln, helle Synthies und Bläser und kombiniert so heftige Riffs, treibende Drums mit ruhigen, ausschweifenden Parts und großen Keyboardflächen. Vergleicht man den jetzigen Klang mit dem auf der Vorgänger-Trilogie, so sind Riverside mehr in die Extreme gegangen. Man wurde in vielen Richtungen härter und hat weiterhin mehr Emotionen eingebaut und diese noch schärfer dargestellt.

Fazit: „Anno Domini High Definition“ ist definitiv ein Album, mit dem man sich eingehender beschäftigen sollte. Es bietet abwechslungsreichen, innovativen und modernen Prog-Metal, der sich seine eigenen Wege fernab jeder Regel und Norm sucht. Jedoch bekommt man als Hörer stellenweise das Gefühl, etwas erschlagen zu werden. Die Songs sind sehr komplex aufgebaut, sodass sie teilweise länger brauchen, um Sinn zu ergeben, da sie ebenfalls nicht immer vollständig zu überzeugen wissen. Weiterhin mag es für manche zu hektisch, zu überdreht und zu extrem klingen. Ein Album, das man nicht so schnell vergisst.


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