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Rival Sons: Pressure & Time

Wenn nur Recycling immer so aussähe
Wertung: 9/10
Genre: Blues Rock/Hard Rock
Spielzeit: 30:54
Release: 20.06.2011
Label: Earache Records

Ja sicher, das war doch klar, da ist man der Senior in den The-Pit.de-Redaktionskatakomben, da bekommt man eben den Stoff zugeschoben, der so jede moderne Zeitströmung einfach ignoriert, besser noch negiert. Mit einem „nützt ja nix“ wird der Hintergedanke, dass doch die Scheibe besser beim Pit-David N. aufgehoben wäre, beiseite geschoben, der Rundling landet im Player, das Booklet aus dem Kunststoffgehäuse gefriemelt und für die ersten Notizen an den Schreibtisch gesetzt.

Das wird ja zumindest von der Laufzeit her ein kurzes Vergnügen, schießt da durch die Hirnwindungen, denn keine 31 Minuten bei zehn Tracks hören sich doch übersichtlich an. Ein zartes Schmunzeln macht sich beim Studium des Booklets breit - welches auch komplett alle Texte enthält, was ja auch nicht immer als Standard eingehalten wird (zumal sie hier auch noch leserlich in weiß auf dunklem Hintergrund gedruckt sind) – denn als sich Hören und Lesen vermischen, zeigt ersteres den fetten Led Zeppelin-Trip und zweiteres, dass die Scheibe in einem Studio namens „1974“ aufgenommen wurde. Da wird doch schnell einiges klar, zumal wenn es stimmen sollte, dass Rival Sons die Scheibe in nur zwei Wochen komponierten und aufnahmen – übliche Praxis in der damaligen Zeit, wenn die Aufnahmeprozedur nicht durch Alkaufnahme und/oder Tüten rauchen bzw. LSD-Trips schmeißen nach hinten hin ausgebaut wurden.

Langsam vermengt sich der Siebziger-Bluesrock mit dem sanften Brummen des Rasenmähers des Nachbarn, der unvermittelt seinen Kopf zum Fenster hereinstreckt und brüllt: „Ey, hörste jetzt Slade?“ Mmmh, Slade jetzt nicht gerade, aber auf die Doors und vor allem Led Zeppelin konnten wir uns dann doch einigen. „Young Love“ scheppert schon arg gewaltig nach den Doors, dass man sich auch ein paar Guestvocals vom seligen James Morrison († 3. Juli 1971 – R.I.P.) wünschen würde. Vielleicht hätte ja auch Mick Jagger seine Kauleiste über das Studiomikrofon stülpen und ein paar Vibes beisteuern können. „Save Me“ ist Led Zeppelin pur, genauso wie der Titeltrack „Pressure And Time“ und kurz vor Schluss „Gypsy Road“.

Nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass Rival Sons erst seit 2008 bestehen (komisch, die Myspace-Seite ist schon von 2005!) und mit „Before The Fire“ ihr Plattendebut labellos lediglich auf Konzerten vertickten. Da dürften dann natürlich Shows im Vorprogramm von Alice Cooper oder auch Kid Rock mehr als hilfreich gewesen sein. Dazu kommt ja auch noch, dass man ein Zuhause bei Earache gefunden hat, ein Label, welches eher mit deftigerem Stoff der Welt auf die Sprünge hilft.

Fazit: Aus dem kurzweiligen, halbstündigen Paket wurde dann ein dreiviertel-gefüllter Tag, die CD bluest sich zum gefühlten 20. Male durch die Boxen, für gleich drei Nachbarn musste die „Pressure & Time“ bestellt werden, der Promo-Silberling wird ein einsames Dasein in der Lade unter dem Bett fristen und durch eine amtliche Vinylscheibe abgelöst (in der Hoffnung, dass sich durch die knisternde Atmosphäre einfach noch ein Quäntchen Authentizität mehr herauskitzeln lässt) und der Rasen blieb ungeschnitten. Fans von Led Zeppelin, den Doors, den Stones oder auch anderen Sechziger-/Siebziger-Vertretern sollten auf jeden Fall hereinhören, könnten aber auch blind zugreifen. Wer eher durch The White Stripes auf die psychedelische Vergangenheitsreise geschickt wurde, dürfte die Schatulle genauso schnell öffnen. Zu guter Letzt musste dann nur noch das für Notizen benutzte Blatt von der Schultütenform entrollt werden – ein Schelm, wer Rauchiges dabei denkt. Vieles kommt einem immer wieder bekannt vor - wenn nur Recycling immer so aussähe.

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