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Rise From Above: Phoenix

Ein schöner Tritt in den Allerwertesten
Wertung: 7.5/10
Genre: Hardcore
Spielzeit: 30:03
Release: 01.12.2010
Label: District 763 Records

Mit jedem Hardcore-Release, das auf den Markt kommt, steigt die Anzahl der Bands, die das Feuer unterm Arsch, das das Genre ursprünglich ausgemacht hat, gegen eine Tasse Tee und eine Heizdecke eingetauscht zu haben scheinen. Zahnlos ist da noch ein milder Ausdruck und dabei sind die meistens Combos noch keine fünf Jahre dabei. Aber ab und an, wenn man wirklich Glück hat und zur rechten Zeit am rechten Ort ist, schnappt man einen Song auf, der einem die Eingeweide auf links dreht vor Begeisterung. Die wirklich wütenden Platten kann man zwar inzwischen an einer Hand abzählen – Agnostic Fronts neuester Streich „My Life My Way“ gehört dazu, ebenso „Empire“ von Madball und „Dead Lights“ von den großartigen But We Try It – aber trotzdem tauchen immer mal wieder Bands aus dem Sumpf auf, die einem den Glauben an die Szene zurückgeben.

Mit „Phoenix“ der Rostocker Rise From Above, gesellt sich ein weiteres Album auf den Stapel unter dem Titel „Hardcore-Bands, die noch richtig schön angepisst klingen“. An und für sich präsentiert das Quartett auf ihrem Erstling nichts wirklich Neues, aber es ist einfach immer wieder schön, eine Band zu hören, der man ihre Wut noch richtig anhört, ohne dass stumpf dahergeballert wird. Neben dem bekannten wummernden Drumming und den für eine Hardcore-Band erstaunlich variablen Gitarren trägt dazu natürlich vor allem Sänger Frithjof „Fiete“ Sinnig bei – der Mann klingt, als hätte sich alles und jeder gegen ihn verschworen, ihn verarscht, ihm ein Messer in den Rücken gerammt; angepisst bis zum Gehtnichtmehr.

Und dabei schaffen es die Herren dennoch, einen Haufen Ohrwürmer zu produzieren. Obwohl sich die Musik der Jungs beim besten Willen nicht gerade in den Gehörgang schmeichelt, kann man nach zwei oder drei Durchläufen zumindest fast alle Refrains mitgrölen. Das fängt schon bei „Best Of Times“ an, das in bester Hardcore-Manier mit ordentlich Drive die Startbahn verlässt und nur nach dem Refrain ganz kurz mit einem fast melodischen Zwischenstück für einen Moment auf die Bremse tritt. „New Era“ wird mit einem brutal guten Schrei eingeleitet – das heisere Organ des Sängers passt perfekt zu dem insgesamt leicht apokalyptisch anmutenden Sound der Combo. Und statt einfach nur drauflos zu holzen wie viele andere Bands aus dem Hardcore-Genre, springen Rise From Above zwischen hektischem Geschredder und breakdownlastigen Moshpassagen. So macht dann auch Musik Spaß, die eigentlich so nichts wirklich Neues beinhaltet – man muss nur wissen wie.

„We Are The Underdogs“ dürfte zu einer neuen Hardcore-Hymne werden – hier stimmt wirklich alles: das Tempo, die Vocals – nicht mehr ganz so heiser wie vorher, dafür aber nicht minder aggressiv – und Zeilen wie „We’re the kids who still believe/This is our song“, die natürlich in Gangshouts vorgetragen werden, tun ihr Übriges. Ein bisschen Gänsehaut kann man sich da kaum verkneifen beim Gedanken daran, wie der Track live zünden wird. Wer noch nicht genug hat, kriegt mit „On A Warpath 2K10“ noch mal einen richtigen Hassbrocken hingeworfen – hier wird schneller Hardcore gezockt, der dann langsam gedrosselt wird, ohne in unsinnigen Breakdowns zu versumpfen. Richtig großartig ist der starke Nachhall zwischendurch beim Gesang – da geht einem richtig das Herz auf, erst recht, wenn direkt danach ein Hammertrack wie „D.I.T.“ folgt, der eigentlich der perfekte Hardcore-Song sein könnte. Im Geiste sieht man die Mosher weite Kreise ziehen und die Headbanger in der ersten Reihe abgehen. Feine Sache.

Rise From Above sind auf jeden Fall eine Empfehlung für alle Hardcore-Fans, die spürbare Wut vermisst haben. Fiete klingt durchweg, als würde er sich selbst auskotzen, die Produktion drückt und die Tracks behalten trotz der relativen Anlehnung an Old Schooler wie Agnostic Front ihre modernen Einflüsse. Wer sich mal wieder akustisch in den Arsch treten lassen will, kann „Phoenix“ guten Gewissens auf Dauerrotation stellen.

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