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Rikard Sjöblom: The Unbendable Sleep

Sollte jeder Beardfish-Fan gehört haben
Wertung: 7.5/10
Genre: Progressive Rock
Spielzeit: 49:21
Release: 19.02.2016
Label: Gungfly Productions

Prog-Kennern ist der Name Rikard Sjöblom natürlich ein Begriff. Der talentierte Schwede mischt mit seiner Band Beardfish schon seit einigen Jahren die Szene auf, ist dort für Gesang, Keyboards und Gitarren zuständig. Mit seiner Hauptcombo liefert er regelmäßig interessante Alben ab, die sich durch Abwechslungsreichtum sowie jede Menge Kreativität und Verspieltheit auszeichnen. Auch mit ihrem Humor und ihrer eigentümlichen Kauzigkeit, die schon mal Zappaesk erscheint oder zumindest in Jethro Tull-Gewässern schippert, sorgen die Skandinavier stets für frischen Wind in den Sphären des zeitgenössischen Progressive Rock.

Nach insgesamt acht Studioalbum mit den Bartfischen (das letzte, „+4626 Comfortzone“, im Januar 2015 erschienen) hat sich Sjöblom nun also dazu entschlossen, eine Soloplatte zu veröffentlichen. Dabei ist er nicht nur alleiniger Komponist und Produzent sämtlicher sich auf der Scheibe befindlicher Tracks, sondern hat zudem noch – teilweise inklusive Schlagzeug – den Löwenanteil der Instrumente im Alleingang eingespielt, lediglich bei ein paar Nummern kommen Gastmusiker zum Einsatz, darunter auch seine Beardfish-Kollegen Robert Hansen (Bass) und David Zackrisson (Gitarre).

Im Prinzip macht Sjöblom nicht so sehr viel anders als bei seiner Hauptband. Der warme, old-schoolige, an die Siebziger angelehnte, aber nicht altbackene Sound findet sich auch bei Beardfish wieder und auch sonst orientiert sich der Schwede an der schier unerschöpflichen Inspirationsquelle namens Siebziger-Prog. Eben da es sich um Prog handelt und dort ja quasi alles erlaubt ist, läuft er trotz offenkundiger Parallelen auch nicht direkt Gefahr, nur das Schaffen seiner Hauptband wiederzukäuen.

In erster Linie fallen natürlich die beiden jeweils rund elfminütigen Longtracks „Rhyme And Reason“ sowie das finale „Love And War Part Two: Lucky Star“ auf, deren Länge allein suggeriert, in welche Richtung das Ganze geht. Hier lässt der gute Rikard seiner Kreativität freien Lauf und proggt frisch von der Leber weg drauflos. Dabei findet sich in erstgenanntem in der Mitte auch eine jener liebenswert kauzigen Passagen, wie man sie auch gerne mal bei Beardfish antrifft, die einen ausgiebigen, spritzigen Instrumentalpart einleitet, mit welchem der Song richtig Fahrt aufnimmt. Die Abschlussnummer hingegen startet mit ordentlicher Funk-Schlagseite, bevor es auch hier abgefahrener und die Prog-Schiene gefahren wird.

Von den kürzeren Stücken stechen insbesondere „Under Northern Skies (Villemo’s Song)“ (das allerdings auch immerhin über sieben Minuten lang ist), welches mit einem wunderschönen Gitarrensolo glänzen kann, und das balladeske „Will We Cry?“ hervor. Die Balladen waren auch bei Beardfish immer sehr stark und völlig kitschfrei, und dass er es in dieser Disziplin immer noch kann, beweist der Protagonist hier einmal mehr. Erwähnenswert ist auch das effektiv eingesetzte Akkordeon im kurzen Instrumental-Interlude „Building A Tent For Astor“.

Das eröffnende Doppelpack „I Am Who You Are“/„Realm Of You And Me“ bildet einen ordentlichen und erfrischenden Einstieg, dennoch hat man das Gefühl, erst beim erwähnten ersten Longtrack „Rhyme And Reason“ ginge es so richtig los. „Anna-Lee“ ist sicherlich ebenfalls ganz nett und witzig, dennoch wohl der schwächste Song des Albums. Stellt sich überhaupt die Frage, was so viele Musiker mit diesem Namen haben – auch Dream Theater beispielsweise haben auf „Falling Into Infinity“ (ebenfalls an vorletzter Stelle) einen Track mit diesem Titel. Ob es damit zu tun hat, dass der Name gut als schmuddeliges Wortspiel herhalten kann, sei jetzt mal dahingestellt.

Insgesamt ist bei Beardfish die Hookline-Dichte größer, deswegen kommt „The Unbendable Sleep“ nicht ganz an das Gros der Veröffentlichungen von Sjöbloms hauptsächlicher Formation heran, aber gehört haben sollte dieses Album jeder Fan der Bärte unbedingt. Bemerkenswert vor allem, dass trotz der Tatsache, dass der Multiinstrumentalist fast alles alleine eingespielt hat, nicht das Gefühl aufkommt, man hätte es hier mit einem Ein-Mann-Projekt zu tun. Die Scheibe wurde hörbar mit Herz und Leidenschaft angegangen, man nimmt Rikard definitiv jede Note und jede Textzeile ab. Überhaupt darf man sich einmal mehr über die Natürlichkeit seiner Stimme (rein technisch gibt es selbstverständlich bessere Sänger) und die immer wieder mitschwingende Ironie in den Lyrics freuen.

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