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Rhapsody Of Fire: The Frozen Tears Of Angels

Mit neuem Label starten die Italiener überraschend gut durch
Wertung: 8/10
Genre: Epic Power Metal
Spielzeit: 54:05
Release: 30.04.2010
Label: Nuclear Blast

Tja, ich muss ehrlich sagen, dass sich meine Freude über diese Promo doch sehr in Grenzen hielt, als sie mir zugeteilt wurde. Aber dass dies unbegründet war, zeigte sich dann recht schnell. Die Italiener, die ursprünglich unter dem Namen Rhapsody angetreten waren, um die Musikwelt zu erobern, verlängerten ihren Namen nach einem diesbezüglichen Rechtstreit im Jahre 2006. Vom Unglück verfolgt, gab es dann auch Ärger mit ihrem Plattenlabel. Dies legte die Band über ein Jahr auf Eis, bevor man nun 2010 mit Nuclear Blast ein neues gefunden hatte und der Ärger mit Magic Circle Music minimiert werden konnte.

Also, mal den Silberling in die Anlage geschoben und dem Gebotenen gelauscht. Natürlich beginnt das Ganze mit einem Sprachintro und einem opulenten orchestralen Intro. Die Spannung wird langsam nach oben getrieben; Christopher Lee kündigt die Band im Hintergrund an und dann folgen auch schon die ersten Gitarrensalven. Unwillkürlich beginnt der Kopf mitzunicken. „Dark Frozen World / Sea Of Fate“ sorgt für erste Freude beim geneigten Hörer, auch wenn hier und da durch die Vocalline vergangene Tage aus der Michael Kiske-Zeit von Helloween ins Gedächtnis gerufen werden. Tolle Gitarrenattacken von Luca Turilli werden vom kräftigen Schlagzeug, gespielt von Alex Holzwarth, begleitet, auch wenn ich mir hier gerade bei der Bassdrum doch etwas mehr Tieftonwumms gewünscht hätte. Starker Auftakt, der, was die Keyboards angeht, an der Grenze des für mich gerechtfertigten Einsatzes liegt.

„Crystal Moonlight“ kommt mit etwas abgehackten Stellen daher und sorgt fast für ein klein bisschen progressives Feeling. Der Power Metal-typische Refrain kaschiert das aber, damit neben der hohen, nicht unkomplizierten Gitarrenarbeit nicht alles zu technisch wirkt. Coole Nummer mit Flair. So darf es gerne weiter gehen.

Tut es aber nicht, denn mit „Reign Of Terror“ stoßen die fünf Italiener härtemäßig deutlich neue Türen (auf die Band bezogen) auf. Screaming Growls werden von knallharten Gitarren flankiert und mit heftig arrangierten Klassikparts weiter aufgewertet. Die immer wiederkehrenden Christopher Lee-Lobpreisungen im Hintergrund werden wohl aber nur Voiceovers vom Plattenlabel sein, denn sonst wird es inzwischen peinlich und nervend. Wegen des veranschlagten Tempos wirkt hier allerdings einiges ein wenig hektisch, gerade in den Paarungen mit den klassischen Parts.

„Danza Di Fuoco E Ghiaccio“ ist das krasse Gegenteil. Halbakustisch wird hier ein wenig Folklore betrieben. Durch die Flötentöne sieht man sich auch ein wenig in der Zeit zurücktransformiert. Eine für mich wirklich überraschende, aber sehr gute Nummer, die richtig Spaß macht. Ob sie das auch mal live in ihren Set integrieren? Kann ich nicht beurteilen, dafür habe ich die Band bisher zu sehr mit Missachtung gestraft, was sich aber mit diesem Album ändern wird. Trotz aller gitarresken Spielchen vom Saitenhexer können hier natürlich auch Bassist Patriece Guerce und speziell Fabio Lione am Mikro Pluspunkte sammeln. Der Höhepunkt des Albums für meine Wenigkeit. 

„Raging Starfire“ zieht dann unbarmherzig das Tempo an. Ein wiederum teilweise hektisch wirkendes Intermezzo zwischen Gitarre und Klassik. Vielleicht wäre es manchmal doch besser, das Ego ein wenig herunter zu schrauben, denn das scheint hier mal wieder deutlich über der Erde zu schweben. Trotz mangelnder Bodenhaftung und doch recht lang wirkenden Soloeskapaden, zu denen nun auch noch Tastenakrobat Alex Staropoli beiträgt, ist die handwerkliche Leistung natürlich absolut tadellos. Nur mag da in diesem Falle kein wirklich gefallender Song bei heraus zu kommen.

„Lost In Cold Creams“ ist dann eine leicht süße Ballade. Nicht schlecht, aber dennoch ohne den benötigten Ohrwurmcharakter. Der Song schmeichelt zwar der Gehörmuschel, vermag es aber nicht, sich im Gedächtniszentrum einzuschleimen. Schade, genau hier hätte man den Klassikanteil ein wenig höher treiben sollen, zumindest für meinen Geschmack.

„On The Way To Ainor“ schraubt dann aber wieder sehr hoch. Wechselndes Tempo, passendes Gemisch aus Power, Speed, Ballade und Klassik. Das macht Spaß und wird auch im zehnten Anlauf nicht langweilig. Schade nur, dass der Tieftonbereich bei der Produktion etwas vernachlässigt wurde, sonst würde der Song noch deutlich mehr in den Allerwertesten treten. Aber auch so, mit seinen clever integrierten klassischen, ja teilweise schon ein wenig operettenhaften Teilfragmenten. So steht er im direkten Zweikampf mit „Danza Di Fuoco E Ghiaccio“ um den Kampf des Highlights dieses Albums.

Den Abschluss bildet dann das über elfminütige „The Frozen Tears Of Angels“: Ein Epos, das noch einmal die größten Teile des Albums gekonnt zusammenfasst. Ein gelungener Abschluss für ein wirklich gutes Album. Eine gute Nummer, die auch nicht langweilig wird, trotz ihrer Länge.

Fazit: Warum ich die Band bisher mit Missachtung gestraft habe; ich weiß es irgendwie nicht mehr. An manchen Stellen des Albums würde man sich wünschen, dass Luca weniger ego-orientiert und dafür vielmehr songdienlich zu Werke gehen würde. Ich werde es mir nicht nehmen lassen und die Band im Auge behalten, trotz aller Vorbehalte, die ich noch vor dieser Scheibe hatte.

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