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Rhapsody: Ascending To Infinity

Ganz großes Kino
Wertung: 8.5/10
Genre: Symphonic Power Metal, Cinematic Metal
Spielzeit: 57:30
Release: 22.06.2012
Label: Nuclear Blast

Wer die Geschehnisse um die Symphonic-Metal-Fraktion Rhapsody Of Fire verfolgt hat, weiß, dass die fünf Italiener, die sich seit den Neunzigern dem Film Score Metal verschrieben haben, nun getrennte Wege gehen. Nach rund 20 Jahren Zusammenarbeit, zehn grandiosen Alben und dem Abschluss zweier kompletter Fantasy-Sagen haben sich die beiden Masterminds Luca Turilli und Alex Staropoli zu einer freundschaftlichen Trennung entschieden, um zukünftig unabhängig voneinander ihren künstlerischen Karrieren nachzugehen. Während Alex Staropoli folglich als "Rhapsody Of Fire" mit Fabio Lione, Alex Holzwarth, Tom Hess, Oliver Holzwarth, Roberto De Micheli weitermacht und in dieser Besetzung bereits auf großer Welt-Tournee unterwegs gewesen ist, hat sich Luca Turilli dazu entschlossen, den ehemaligen Bandnamen "Rhapsody" wieder aufzugreifen und zusammen mit Patrice Guers, Dominique Leurquin und ebenfalls Alex Holzwarth sein Glück zu versuchen. Als Sänger wurde Ende des Jahres Alessandro Conti an Bord geholt und als sich kurz darauf Alex Holzwarth auskoppelte, da zwei Bands dem guten Drummer verständlicherweise zu viel wurden und er sich so mehr auf eine der beiden konzentrieren kann, hat Alex Landenburg seinen Platz hinter den Kesseln bei Luca Turilli's Rhapsody übernommen. Die neue Platte hat Herr Holzwarth allerdings noch vor seinem Ausstieg eingetrommelt.

"Ascending To Infinity" stellt für Luca das elfte Rhapsody-Album dar und nicht etwa das vierte Soloalbum des Künstlers, wie es manche im Zuge der Trennung irrtümlich gedacht hatten. Und so gibt es hier ganz traditionsgemäßen Stoff auf die Ohren, ganz unter dem Bandmotto "Born to sound cinematic". Wie auf ausnahmslos jedem bisherigen Rhapsody-Platte muss auch hier ein einleitendes Intro auf die kommenden Power-Metal-Stunde einzustimmen, das den Hörer in Form von "Quantum X" erwartet. Das Ganze beginnt mit ein paar orientalischen Klängen und Gesängen, die dann von einer Reihe Synthesizern abgelöst werden, die einem um die Ohren gällen wie auf einem Hardstyle-Konzert. Darauf setzen aber glücklicherweise die Rhapsody-typischen orchestralen und sich zuspitzenden Arrangements mit epischen Chören ein, die in den ersten Song überleiten. Hier wird auch gleich eines deutig, nämlich der gehörige Soundtrack-Charakter, der erstaunlicherweise stärker denn je bei der Band ist. Man fühlt sich an so einigen Stellen direkt wie in einem Spielfilm und kann die in den Liedern besungenen Geschichten musikalisch voll nachvollziehen, die Film-Atmosphäre ist also so gegenwärtig wie noch nie auf "Ascending To Infinity". Das passt super, denn die Band hat immerhin zu Beginn ihrer Karriere den Begriff Hollywood Metal kreiert, der sich später in Film Score Metal wandelte.

Der Titeltrack beginnt so klassisch und nach guter alter Rhapsody-Marnier wie kein anderes Lied der letzten Alben, man fühlt sich direkt erinnert an Tage aus "Legendary Tales" oder "Symphony Of The Enchanted Lands". Allerdings muss der Song sich auch einem der zentralen Kritikpunkte gegenüberstellen, nämlich dem Sänger Alessandro Conti. Viele Fans hatten ja im Voraus darauf gehofft, dass Luca sich Olaf Hayer an Bord holen würde, der ihm ja schon vorher zu seinen Soloprojekten zur Seite gestanden hatte. Mit Olaf hätte Luca auch die perfekte Auswahl getroffen, denn er ist einer der wenigen, die sich mit Rhapsody Of Fire-Fronter Fabio Lione messen können. Letztendlich ist die Wahl aber nicht auf ihn gefallen. Luca Turilli hat selbst ausgesagt, dass es ihm bei der Auswahl vor allem darum ging, jemanden zu finden, der in der Lage ist, seine musikalisch vielseitigen Kompostionen mit einem ebenso wandelbaren Gesangsorgan zu unterstützen. Und das kann der neue Sänger, keine Frage. Seien es gehauchte Basstönen oder auch Sprünge zwischen aggressiven bis hin zu operettenhaften Passagen, Alessandro Conti ist dazu in der Lage und er erreicht sogar die kristallenen Tonhöhen, die auf dem allerersten Rhapsody-Album "Legendary Tales" gegenwärtig waren. Allerdings klingt der gute Alessandro leider in jeder seiner Gesangsvarianten ein wenig belanglos und ganz und gar nicht so energisch, überragend und markant wie Fabio Leone. Es fehlt das gewisse Etwas, das Feeling hinter dem Ganzen, welches einen beim Hören alter Rhapsody-Pletten überkommt, und das lässt Alessandro auf "Ascending To Infinity" leider ein missen. Dennoch muss man ihm lassen, dass er einiges auf dem Kasten hat und vielleicht wird sich diese Meinung in ein paar Jahren schon geändert haben.

Mit "Dante's Inferno" steht zugleich einer der stärksten Songs des Albums auf dem Plan. Erneut wird die omnipräsente Soundtrack-Atmosphäre deutlich, denn der Track könnte so problemlos aus einem Film stammen und nimmt den Hörer mit auf eine spannende Reise durch donnernde Drums, wilde Gitarrensoli, epische Chöre und ein perfekt eingesetztes Orchester. Auch "Excalibur" erweist sich als herrvoragender Track und genauso wie seine Vorgänger als ein Paradebeispiel für den selbstbetitelten Film Score Metal. Melancholische Passagen wechseln sich ab mit prächtigen Refrains und münden in einem mitreißenden Finale, dramaturgisch perfekt durchstrukturiert. Mit dem fünften Lied gibt es erstmals einen Kontrastpunkt, denn "Tormento E Passione" ist ein sehr gefühlsbetontes und eindrucksvolles Stück mit einer sehr opernhaften Stimmung, was nicht zuletzt durch das eingesetze Piano als auch die tiefe und kräftige Stimme von Alessandro Conti, die von einem zarten weiblichen Gesangsorgan unterstützt wird, bestärkt wird. Allerdings scheint Luca Turilli hier stellenweise ein bisschen zu überheblich gewesen zu sein, denn beispielsweise sind die ganzen Tonartwechsel manchmal einfach zu viel, wenn man nicht einmal vier Takte ohne diese auskommt.

In "Dark Fate Of Atlantis", das ja schon zuvor als Musikvideo veröffentlicht wurde, kommen wieder ein paar orientalische Referenzen zum Vorschein und zudem ein Refrain, der sich auf der ersten Tour gut als Variante zum Mitsingen erweisen könnte. Darauf gibt es mit der Coverversion von "Luna" des italienischen Operntenors Alessandro Safina wie beim fünften Track wieder eine ruhige Phase zum Durchatmen auf die Ohren, sogar noch eher wie eine Oper klingend. Hier zeigt sich, dass Alessandro Conti durchaus Talent hat, die stimmlich tieferen Passagen sind wirklich gut gelungen. "Clash Of The Titans" reiht sich wieder umstandslos ein in die Soundtrack-Nische, sowohl in seinem Aufbau als auch in der spannenden Atmosphäre. Es ist wohl der flotteste sowie aggressivste Song des Albums, allerdings kann er sich nicht ganz mit den wirklich großen Momenten messen. Denn hinter dem letzten Track verbirgt sich einer der absoluten Höhepunkte von "Ascending To Infinity", nämlich das 15-minütige Epos und zugleich grandiose Finale namens "Of Michael The Archangel And Lucifers Fall", das den perfekten Abschluss einer ganzen Stunde voller epischem, symphonischem und mitreißendem Power Metal darstellt. Der Track ist zwar eine ganze Viertelstunde lang geraten, zieht sich aber musikalisch keinesfalls in die Länge oder wirkt langweilig. Im Gegenteil, er kann von vorn bis hinten überzeugen, erweist sich als einer der besten Songs auf der Platte und ist durch seine vielen Tempo- und Schlüssel-Wechsel sowie seine modernen Anleihen auch noch total abwechslungsreich geraten. Außerdem erweckt das auch wieder Referenzen zu den guten alten Rhapsody-Tagen, denn die Band hatte früher schon immer sehr lange Stücke im Repertoire.

Wer wissen möchte, wovon "Ascending To Infinity" textlich handelt und welche Geschichten auf dem Album erzählt werden, der sollte gar nicht erst auf Rhapsody-ähnliche Konzeptgeschichten oder Fantasy-Sagen hoffen, denn Luca Turilli hat auf "Ascending To Infinity" seinen Freiraum genutzt, um über die Themen zu schreiben, die ihm am Herzen liegen. So unter anderem über die Mysterien unseres Planeten, Rätsel der Vergangenheit, Mythen, Anthropologie, Science-Fiction und vieles mehr. Trotz allem bleibt die Essenz von Rhapsody erhalten und hinter all dem blitzt immer wieder Lucas Leidenschaft für Filme und die Welt der Soundtracks hervor. "Im Wesentlichen ist es eine emotionale Reise ins Herz des Universums, auf der wissenschaftliche, esoterische und religiöse Aspekte vereint werden.", sagt der kreative Komponist selbst dazu. "Quantum X", "Ascending To Infinity" und "Dark Fate Of Atlantis" behandeln beispielsweise allesamt das Thema Multiversum, Geheimnisse der Kaballah und die Genetik des Menschen, wohingegen "Excalibur" den symbolischen Wert dieses mystischen Schwertes und die ihm im Laufe der Jahrhunderte beigemessene Bedeutung herausstellen soll. Also gibt es eher tiefsinnigere und verschlüsselte Texte, die oftmals einen symbolischen Charakter besitzen.

Das erste Werk der neuen Besetzungsfraktion der italienischen Rhapsody ist also ein bombastisches Epos geworden, das mit seinem filmischen Charakter sowie der oft Soundtrack-artigen Atmosphäre trumpfen kann. Der Sound kommt dabei erstaunlich natürlich rüber und der Mix aus kraftvollem Metal verschmilzt mit den orchestralen Klängen zu einem überaus stimmigen Mix, nicht nur musikalisch, sondern auch klanglich. Kein Wunder, hat Bandkopf Luca Turilli die Zügel für die Produktion doch selbst in die Hand genommen. Das Cover ziert wieder mal ein Artwork aus der Feder des kolumbianischen Künstlers Felipe Machado Franco, das sich sehr gut macht auf dem elften Rhapsody-Album. "Ascending To Infinity" ist allerdings gelgentlich nicht immer einfach zu durchschauen und wirkt durch seine komplexeren Strukturen, Melodien sowie Arrangements nicht ganz so zugänglich. Kritikpunkt ist daher leider auch, dass auf der Platte bis auf ein paar Ausnahmen kein Song ist, der sich wirklich als Ohrwurm erweist und dem Hörer direkt im Gedächtnis bleibt. Anders gesehen hat das Album somit natürlich auch einen hohen Anspruch und ist eindeutig ein großes Kunstwerk geworden mit durchstrukturierten Kompostitionen. Luca Turilli hat enorme Arbeit daran gesetzt und das merkt man auch, denn das Endresultat ist äußerst gelungen und lässt vermuten, dass es den Musikern einiges an Zeit, Hingabe und Leidenschaft abverlangt hat. Zudem ist mit einer guten Stunde Spielzeit genug neuer Stoff für die musikdurstigen Fans geschaffen. Und was sagt der Großmeister selbst dazu? "Mir war daran gelegen, ein moderner, massiver, filmischer und epischer klingendes Album als je zuvor zu kreieren". Gute Arbeit, Herr Turilli!

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