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Revolting Cocks: Cocked and Loaded

Das jahrelange Warten auf eine neue Scheibe hat sich sicherlich gelohnt
Wertung: 8/10
Genre: Industrial Hard Rock Crossover
Spielzeit: 43:49
Release: 24.02.2006
Label: 13th Planet Records

Nach weit über zehn Jahren meldet sich eine kleine, musikalische Legende des spaßigen Hard Rock Crossover Industrials zurück: Revolting Cocks, das Nebenprojekt von Ministry – Frontmann Al Jourgensen ist wieder da! Im Jahre 1993 erschien das letzte Revolting Cocks-Album “Linger ficken´ good & other barnyard oddities“. Dann wurde es aber eine sehr lange Zeit still um dieses Projekt. Nun, im Frühjahr 2006, meldet sich Mastermind Al Jourgensen in alter Frische zurück und bringt zudem einen ganzen Sack voller Gastmusiker mit, welche ebenso feierlich ihrer Mitwirkung am neuen Revolting Cocks Album entgegen sahen. Da wären: Jello Biafra (Dead Kennedys), Gibby Haynes (Butt Hole Surfers), Rick Nilsen & Robin Zander (Cheap Trick), Billy Gibbons (ZZ Top), Stevie Banch (Spyder Baby) und letztendlich auch Phildo Owen (Skatenigs).

Während das Hauptprojekt Ministry bekanntlich immer recht düster, nachdenklich und schwerfällig daherkam, stellten die Revolting Cocks wie eben schon erwähnt einen kleinen (sowie sehr gelungenen) Gegenpol dar: Jenes Projekt war nicht nur musikalisch sehr verspielt und experimentierfreudig (von deftigem Elektrosound über Hard Rock und Punk war alles vertreten, was einfach gerade Spaß machte), sondern machte sich auch zu eigenen, mehr dem freudigen Zynismus zu frönen als gar zu direkt und mit erhobenen Zeigefinger daher zu kommen. Die Manen um Revolting Cocks bleiben definitiv Pioniere ihrer Zunft und haben wahrlich bis heute nichts von ihrem Biss verloren.

Eröffnet wird das aktuelle Album mit dem extrem Gitarren-lastigen und deftig-schranzigen “Fire Engine“, welches sogleich klar macht, wo und wie die Musik zu spielen hat: Nämlich hart, laut und mitten ins schweißgebadete Antlitz seiner Hörerschaft! Eine fast fünf Minuten lange Remisenz an die guten alten Tage, gewürzt mit einem dicken Schuss an brachialen Punk-Rock-Attitüden. Einfach genial! “Prune Tang“ sowie “Jack In The Crack“ lassen ebenso kräftig die Elektrogitarren aufheulen und der Gesang wirkt in diesen beiden kürzesten Stücken des Albums (03:08 und 3:28 Minuten) härter und aggressiver denn je. “Jack In The Crack“ erinnert ein wenig an den Sound der Nine Inch Nails. Ein musikalisches gelungenes Wiedersehen gibt es dann bei Titel Nr. 5 “Dead End Street“ mit der Dead Kennedy Punk-Legende Jello Biafra. Das Organ des Mannes ist einfach unglaublich und es ist, als wäre er nie weg gewesen.

“Devil Cock“ setzt aber nochmals einen drauf und ist wohl das musikalisch härteste Stück auf dieser Platte: Inhaltlich ist das Stück eine bitterböse Abrechnung mit dem Christentum und zugleich eine morbid-zynische Verquickung von Sex, Kirche und satanistischen Anleihen. Ein Track, der aber als eine wirklich gelungene und augenzwinkernde Provokation verstanden werden will. Deutlich ernster verhält es sich da bei “Pole Grinder“, in welchem es thematisch um transsexuelle Mitmenschen und ihre Probleme, die sie gerade (u.a.) in den Vereinigten Staaten von Amerika haben (sprich: Ablehnung, Diskriminierung, Anfeindungen usw), geht.

Als potenzielle Weiterführung zum Thema „scheinheilige Leistungsgesellschaft“ ist der Titel “Viagra Culture“ zu verstehen: In diesem fast sechs Minuten langen, musikalischen Amoklauf, der beim Monolog zu Beginn des Tracks an Michael Douglas schauspielerische Glanzleistung in dem Joel Schumacher Meisterwerk “Falling down – Ein ganz normaler Tag“ erinnert (als ein ganz normaler Angestellter urplötzlich einen privaten Guerilla Krieg und Rachefeldzug gegen die moralisch dekadente Gesellschaft führt), ist eine gnadenlose Abrechnung mit dem amerikanischen Leistungsprinzip und seiner moralisch recht fragwürdigen Daseinsberechtigung. Letztendlich wird dann anschießend der geneigte Hörer mit dem treibenden und hymnenhaften Opus “Revolting Cock au lait“ freudig und sehr zufriedenstellend aus diesem (doch manchmal auch recht kurzweiligen) Album wieder entlassen.

Bekanntlich will gut Ding ja Weile haben und hier hat sich das jahrelange Warten auf eine neue Scheibe der Revolting Cocks sicherlich gelohnt! Aber Al Jourgensen wäre nicht er selbst, wenn er sich nun auf seinen Lorbeeren ausruhen würde: Nein, eher das Gegenteil ist hier der Fall und so können wir uns schon auf den April 2006 freuen, wenn dann das offizielle neue Ministry Album erscheinen wird. Wir sind gespannt!

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