Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Reverorum Ib Malacht: De Mysteriis Dom Christi

Ebenso faszinierend wie geisteskrank
keine Wertung
Genre: Black Metal/ Ambient
Spielzeit: 72:50
Release: 16.09.2014
Label: Ajna Offensive

Immer wieder faszinierend, auf was für Mucke man so im Laufe seiner „Karriere“ als Schreiberling trifft. Ich hab ja schon so einiges geisteskrankes Zeug auf die Ohren bekommen – Deathspell Omega, Unexpect, Shining (NO), Teitanblood, Akercocke, um nur ein paar Beispiele zu nennen –, doch was das schwedische Duo Reverorum Ib Malacht hier auftischt, hat noch mal eine ganz andere Dimension. Aufmerksam wird man ja allein schon durch den Titel gemacht: „De mysterris Dom Christi“ ist ganz offensichtlich eine clevere, originelle und durchaus amüsante Anspielung auf den Mayhem-Klassiker „De Mysterris Dom Satanas“. Es handelt sich aber nicht um einen augenzwinkernden Witz, denn die beiden RIM-Protagonisten Emil Lundin und Karl Axel Mikael Mårtensson sind ohne Quatsch gläubige Katholiken, die sich allerdings der Black-Metal-Musik bedienen, um ihre Visionen umzusetzen. Neben diversen Schwarzmetall-Combos und anderen exzentrischen Kapellen nennen sie denn auch gregorianische und weitere religiöse Gesänge als ihre Haupteinflüsse.

Was Atmosphäre und musikalisches Verständnis anbelangt, so stehen Lundin und Mårtensson ihren satanistisch geprägten Kollegen in nichts nach: Das Ganze ist extrem finster, schwarzmetallische Raserei wechselt sich ab mit wabernden, verstörenden Ambient-Soundscapes und als besonderes, eigenständiges Merkmal tauchen hin und wieder Passagen mit Gesängen auf, die tatsächlich entfernt an kirchlich-gregorianische Choräle erinnern, wenn auch meist verzerrt und im Hintergrund gehalten.

Dieses Album jedoch adäquat zu beschreiben oder gar zu bewerten, fällt extrem schwer. Einerseits fragt man sich beim ersten Durchlauf, wenn das fast vierminütige Intro, das es mit böse verfremdeten Sprechpassagen und futuristischen, Maschinen-artigen Geräuschen bereits mächtig in sich hat, überstanden ist, und anschließend der zweite Track einsetzt, bei dem es dann richtig losgeht, womit um Himmels willen man es hier denn zu tun hat. Die Produktion kann man nämlich kaum als solche bezeichnen: Das blastende Schlagzeug, die fies gekrächzten Vocals und die – wie man es beim Black Metal oft gewohnt ist – komplett basslose Gitarrenwand tönen derart dumpf (allerdings nicht rumpelig), dass man sich eigentlich sofort sicher ist, hier nie im Leben mehr als drei Punkte vergeben zu können.

Doch andererseits: Reverorum Ib Malacht sind völlig anders als all die anderen Hundertschaften an gesichtslosen Garagen-Schwarzwurzel-Truppen, die mit einer miesen Produktion aufwarten, weil sie es entweder nicht anders können oder es einfach cool finden, weil es ja ach so Underground-mäßig ist. Dass diese Band eine Vision hat, kann man nicht bestreiten, zumindest tönt sie extrem eigenständig, das muss man ihr lassen. Über dem Black-Metal-Teppich liegt fast permanent eine Industrial-mäßige Geräuschkulisse und ein paar dezente Keyboardspuren und die meist überlangen Stücke besitzen sicherlich viel Atmosphäre und trotz des Jam-artigen, monotonen Charakters auch eine Struktur, die es allerdings erst einmal zu ergründen gilt – dennoch ist es wenigstens für Leute, die sich nicht ganz gerne mal von völlig krankem Scheiß berieseln lassen, wohl nahezu eine Sisyphusaufgabe, zu dieser Platte tatsächlich Zugang zu finden.

Allein der fünfte Track „Voûtós-estin O-yiós-mou“, bei dem übereinander gelagerte, abermals völlig verfremdete Stimmen wie bei einem Ritual einen Text herunterbeten, ist richtig beklemmend und unheimlich, ähnliches gilt für das elfminütige Finale „Hwar Christen Människia / wayyeshæv“, wo eine wehklagende Stimme auf Ambientklänge und vereinzelte Kirchenglocken trifft. Irgendwie originell das Ganze, hat etwas Horrorfilm-artiges, und mit Sicherheit steckt da viel Arbeit hinter – trotzdem: Setzt sich des Nachts wirklich einer mit Kopfhörern hin und sagt sich: „Jetzt ziehe ich mir mal ganz in Ruhe Reverorum Ib Malacht rein und erkunde mal, was die so zu bieten haben“?

Eher schwer vorstellbar, aber es gibt ja bekanntlich nichts, was es nicht gibt. Ich habe schon einmal bei Shining den Fehler gemacht, eine Negativbewertung zu geben, weil ich das damalige Album „Blackjazz“ nicht verstanden habe (und bis heute nicht ganz verstehe). „De Mysterris Dom Christi“ ist genau wie die Scheibe der Norweger seinerzeit nicht in dem Sinne schlecht gemacht; trotz des oberflächlich betrachtet schlechten Sounds ist eine Handschrift und ein gewisser Sinn dahinter erkennbar. Da die Platte dennoch völlig krank und für manchen sicherlich unhörbar ist, soll hier wirklich jeder selbst entscheiden und ich verzichte auf eine Wertung und Anspieltipps.

comments powered by Disqus

Familiäre und friedliche Metalparty am Kanal, Take 17

Fantastischer Abend, der viel zu schnell zu Ende ging