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Reverend Bizarre: III: So Long Suckers

The Reverend is dead - all hail to the Reverend
Wertung: 9/10
Genre: Doom Metal
Spielzeit: 130:0
Release: 31.08.2007
Label: Spinefarm Records

„No longer mourn for me when I am dead“ sagte einmal William Shakespeare. Irgendwie treffend für das dritte Album von Reverend Bizarre. Es stand von vorneherein fest, dass die Band, welche aus drei Mitgliedern besteht, nur drei Alben veröffentlichen wird. Und dieses letzte, dritte Album erscheint nun. Da man es geschafft hat, 7 Songs zu kreieren, ist natürlich auch klar, dass es sich um ein Doppelalbum handeln muss.

Für alle, die jetzt lauter Fragezeichen über dem Kopf schweben haben, da sie die Band noch nicht kennen: Reverend Bizarre hat sich dem Doom Metal verschrieben, ohne größere Experimente mit einfließen zu lassen. Gelungen langsam schwelgt man durch einen Soundteppich, der einen ganz und gar gefangen nimmt. Zu keiner Zeit hat man auch nur annähernd das Gefühl, dass die Band sich hier zu irgendetwas hat drängen lassen. Immer wieder tauchen neue Riffs oder Bassläufe auf in diesem schwermütigen Klangkonstrukt. Das wird allerdings dermaßen gut gemacht, dass es dem Hörer eigentlich nie langweilig wird. „They Used Dark Forces / Teutonic Witch“ weiß von der ersten bis zur letzten Sekunde zu fesseln. Und dass das was heißt, seht ihr, wenn ihr euch die Länge des Songs anschaut: 29:05 Minuten!

Irgendwie schafft es die Musik trotzdem, darauf zu verzichten, mit weinerlichem Gesang oder durch eine extreme Power erhaben zu wirken. Dies ist einfach eine ganz normale unveränderte Form des Doom Metals.

Im Infosheet werden Black Sabbath, Saint Vitus und Pentagramm als inspirierende Quellen genannt. Irgendwie stimmt das auch, aber eigentlich auch nicht wirklich. Wenn man nur die Grundessenzen der drei Bands nimmt und das dann musikalisch sehr gleich ausgewichtet präsentiert, dann kommt so was wie Reverend Bizarre heraus. Großes Doomkino, welches aber die Hörerschaft spalten wird, und zwar in Liebhaber und Hasser. Zu kompromisslos ist die Musik gehalten, ohne jeglichen Versuch, einem Trend hinterher zu hecheln.

Da man ja keinerlei Zeit zu verschwenden hat, geht der Song dann auch nahtlos ohne Unterbrechung in den zweiten namens „Sorrow“ über. Die logischerweise recht normal anmutende Gesangsstimme des Bassisten Albert Witchfinder sorgt hier zunächst für ein fast erdrückend beschwörendes Feeling, welches durch die hier richtig in Slow Motion geratene Musik doch einiges an Gefühl zutage fördert. Genial, wie ein sich erschöpfter, am seiner Kräfte bewegender Körper, der nur noch durch den Schlamm kriechen kann, anstatt zu laufen. Drummer Earl of Void und Gitarrist Peter Vicar sorgen neben dem Bass für die erdrückende Schwere, die hier langsam, wie ein erkaltender Lavastrom, aus den trägen Membranen der Lautsprecher quillt. Aber was soll man auch von einer Band erwarten, die mit ihrem Doom Metal eine Single herausgebracht hat, welche auf den Namen „Slave Of Satan“ hört. Dies mag noch nichts Besonderes sein, aber dieser Song hat eine Spieldauer von gerade mal 20:59 Minuten. Wir reden hier über eine Single! Zu allem Überfluss schaffte es die Scheibe auf Platz zwei der Charts in Finnland.

Aber zurück zu „Sorrow“, nach über 15 Minuten wechselt man dann mal ins Midtempo, was die Band aber ebenso beherrscht. Das Ganze aber nur circa 4 Minuten, um dann in eher experimentelle dunkle Klangwelten abzudriften, bevor es dann nach 25:19 Minuten wieder nahtlos in den letzten Song der ersten CD übergeht.

Was soll man dazu sagen, schon über 55 Minuten und noch kein bisschen Langeweile ist aufgetaucht. Wie schon „Sorrow“ startet auch „Funeral Summer“ sehr langsam. Leider fällt der Song etwas zu den beiden vorangegangenen Meisterwerken ab. Nicht dass er uninspiriert wirkt, nein, das gibt`s auf dieser Scheibe nicht. Allein die Tatsache, dass die Riffs und Melodien nicht ganz so gut im Ohr kleben bleiben, ist daran schuld.

Dass die zweite CD nicht wirklich Neues bringt, ist logisch, aber auch gut. „One Last Time“ beginnt mit richtig gut geklungenem Gesang auf einem Bass, der die Vocals gekonnt begleitet. Schön, wie der Reverend eindrucksvoll aufzeigt, dass es auch in dieser Musiksparte sehr ausgefeilte Musik gibt. Hier passt einfach alles, jeder einzelne Schlag auf`s Drumkit darf eigentlich nicht fehlen, und jeder weitere wäre einer zu viel.

Zum ersten Mal ist es dann nach einem Song zumindest instrumental still. Lediglich einer der Dreierbande quatscht rein, bevor es dann mit „Kundalini Arisen“ losgeht. Der kürzeste Reverend Bizarre Song des Albums, welcher dann auch gleich als Instrumental ausgelegt ist. Schade, gerade auch durch die Soundeffekte schafft es der Song mit seinen 4:25 Minuten nicht wirklich, mich zu überzeugen.

„Caesar Forever“ entwickelt sich schön langsam und gerät zu einer wahren Doom Hymne. Überaus gelungene, fast schon hypnotisierende Gesangslinien mit einer für die Band schon fast ungewöhnlich kraftstrotzenden, fast schon ein wenig fröhlichen Intonierung. Auch wenn der Keyboard geschwängerte Schluss recht ungewöhnlich ist, so passt er doch zu dem Song.

Nach ein, zwei Sekunden Stille beginnt dann der vermeintlich letzte Song: „Anywhere Out Of This World“. Es vereint alles, was die Band ausmacht: Coole Instrumentalparts, geniale Riffs, von Doom bis ins Midtempo ist alles vertreten. Ein würdiges Finale zelebriert der Reverend da.

Da es sich um die letzte Scheibe handelt, würde ich die Aussage des Titels einfach mal umdeuten und sagen, dass sich die Band mit diesem Werk endgültig aus dieser Welt verabschiedet hat. Dies kann man in dem Tod sehen oder einfach nur darin, dass die Band sich hier ein eigenes Denkmal gesetzt hat. Man wünscht sich fast, dass diese Scheibe niemals endet. Aber nach kurzweiligen 25:31 Minuten ist dann Schluss.

Aber was ist das, da ist noch so was wie ein Hidden Track. Nirgendwo erwähnt, grollt es wie bei einem bevorstehenden langsamen Weltuntergang. Dann erklingen die Gitarren und ein seltsames Gefiepe beginnt, welches sich wie hohes abgehacktes Gerede, das sich rückwärts abgespielt anhört. Eine leicht beängstigende Fahrt für Reverend Bizarre ins Licht der Unsterblichkeit.

Fazit: Ein brillantes Album, welches durch seine Losgelöstheit von allen Trends und seine Kompromisslosigkeit lebt. Schade, dass „Funeral Summer“ und das Instrumental „Kundalini Arisen“ mich nicht so begeistern konnten wie die restlichen Songs, sonst wäre die Höchstnote drin gewesen. The Reverend is dead. All hail to the Reverend.

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