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Reverend Bizarre: Death Is Glory…Now

Leichenfledderei der angenehmen Art
Wertung: 9/10
Genre: Doom Metal
Spielzeit: 104:12
Release: 13.02.2009
Label: Spikefarm Records

In tiefer Trauer verabschiedete die Doom-Gemeinde 2007 eine ihrer besten Bands: Reverend Bizarre. Mit ihrem dritten und letzten Werk „III…So Long Suckers“ verabschiedeten sie sich mit einem weiteren Meisterwerk. Unverhofft kommt oft, heißt es in einem Sprichwort, und genauso unverhofft landete nun diese Promo auf meinem Tisch. Mit einem lauten Aufschrei der Freude dachte ich zuerst an eine Reunion, welches dann aber recht schnell im Keim erstickt wurde. Laut dem Plattencover haben wohl einige Plattensammler, Die Hard-Fans und böse Jungen und Mädels der Plattenfirma des Reverends Grab geöffnet und haben einige seltene Aufnahmen ausgegraben. Oh nein, denke ich, Leichenfledderei, um noch eben den schnellen Euro zu machen.

„Demons Annoying Me“ eröffnet den Grabkammerraub so, wie man es sich einfach nur wünschen kann. Zähflüssiger Doom in Reinkultur. Irgendwo auch mit ein bisschen Flair der Ur-Candlemass, wie sie ihn zu „Epicus Doomicus Metallicus“- Zeiten versprüht haben. Düster bedrückend wälzt sich dieser bassbetonte Song in Zeitlupe durch den Raum. Dazu der grandiose Text. Ein weiteres Meisterwerk des Reverend. Das Ganze wird aber trotz seiner Länge nie langweilig. Man sorgt für gekonnte, ungezwungene Melodiewechsel, welche nur dafür sorgen, dass man noch tiefer in die Musik gezogen wird. Unglaublich, mit welcher Intensität die Band hier vorgeht, ohne den Sound zu überladen. Über 17 Minuten bester Doom, ohne Kompromisse. 

„Blood On Satan`s Claw“ demonstriert dann eindrucksvoll, wie Mercyful Fate auf Doom klingen würden. Etwas mehr im Midtempo angeordnet, gibt es sogar die hohen Screams, die ja gerade das Sahnehäubchen der Bands von King Diamond sind. Und ehrlich, ich hab hier wirklich an ein Cover eines recht alten Songs der Dänen gedacht. Ich wunderte mich nur, dass ich den Song nicht kannte. Derartiges hätte ich Reverend Bizarre sicher nicht zugetraut. Aber was Sir Albert Witchfinder (Bass, Vocals), Father Peter Vicar (Guitars) und Earl of Void /Drums, additional Guitars) da hingezaubert haben, ist nicht nur hochklassig, sondern phänomenal. Unglaublich, wie man hier doch recht relaxt einen Bastard aus Mercyful Fate und Solstice kreiert. Ein Fest für Fans des extremen Dooms.

„Apocalyptic Riders“ beginnt recht zügig und scheint dann auch der erste Missgriff zu werden, denn die eineinhalb Anfangsminuten bieten eigentlich viel zu wenig. Dann wird das Thema geändert und man schwelgt in einer anderen instrumentalen Welt. Schon besser als der Start, aber irgendwie ist das etwas ganz anderes, als man in den ersten beiden Songs kennen gelernt hat. Der Bass dominiert auf nicht beste Art und Weise, bevor dann das Tempo komplett verschleppt wird und eine leider nicht genug atmosphärische Stimme seine Zeilen aufsagt. Da diese Doppel-CD aber Material von 2003 bis 2008 umfasst, ist es eigentlich schon vorprogrammiert, dass es auch qualitativ einige Sprünge geben wird.

„The Tree Of Suffering“ beginnt recht schmerzvoll artikuliert, um dann wieder zu einem kleinen Doom-Highlight zu expandieren. Weniger basslastig als einfach nur durch seine weinerliche Ausrichtung ergreifend, ohne unter tonnenschweren Riffs begraben zu werden. Das schaffen auch nicht viele in diesem Genre, derart abwechslungsreich zu sein. Die mehrstimmigen Vocals fräsen sich quasi ins Gedächtniszentrum.

Noch mal eine Schippe legen Reverend Bizarre dann mit „The Children Of Doom“ drauf, welches zu Beginn ein wenig an die Band Trouble erinnert. Leider verlässt man dann den klagenden Sound und legt fast schon ein wenig freudig galoppierend die extrem traurige Atmosphäre ab. Lediglich die Vocals erinnern noch daran. Die Band scheut sich wahrlich nicht, die Grenzen des Genres immer mal wieder zu dehnen. 

„Odinn`s Men“ bildet dann den Abschluss der ersten CD. Leider versucht man sich hier auch im Midtempo und kann auch durch die zwar reizvollen, aber dennoch nicht ganz überzeugenden Vocals nicht die bisherige Klasse halten. Wirklich nicht schlecht, aber im direkten Vergleich zu den hier schon vorgelegten Meisterwerken ist dies hier einfach zu wenig.

„Fron The Void II“ darf dann den Reigen der Tracks der zweiten CD eröffnen. In extremer Slowmotion wird hier noch mal Basskultur präsentiert, wie sie wohl nur selten präsentiert wird. Ohne tonnenschwer zu wirken, setzt Sir Albert Witchhunter wieder deutlich Akzente. Richtig cool auch die fast krächzend geschrienen Vocals. Da passt alles zur Stimmung des Songs. Der cleane Gesangspart, der fast schon ein wenig im Hintergrund abläuft, sorgt zudem für unheimlich viel Feeling. Sehr stark klingt auch das Drumming vom Earl of Void.

Dann kommen wir in die Zone der Coverversionen. Als erstes wird Saint Vitus mit „Dark World“ gehuldigt. Klar, dass es dann natürlich wieder Stilverschiebungen geben muss. Man hört zwar immer noch sehr deutlich Reverend Bizarres Handschrift raus, aber das Original lässt sich nicht leugnen. Sehr, sehr starker bedrückender Song.

„Broken Vows“ stammt im Original von Pentagram und kann nicht ganz so stark bei mir punkten, zumal ich die Band nie als die Doom-Größe angesehen habe. Die fröhlich wirkenden Lyrics wollen gerade nicht so recht zu der bisher aufgebauten Stimmung passen. 
„Bend“ zieht dann mit kräftig angezogener Handbremse seine Runde. Hier kann zwischen den Gitarrenseitenanschlägen zu Beginn des Songs auch schonmal ein Glas Bier verschwinden. Der bedrückende, geniale Gesang sorgt für wahre Gänsehaut. Totale Erschöpfung macht sich fast spürbar breit und man will sich keinen Zentimeter mehr bewegen. Man denkt darüber nach, einfach liegen zu bleiben und langsam dem Schöpfer zu begegnen. Unglaublich, diese Intensität. Über zehn Minuten bester Doom.

Mit „Rotestilaulu” gibt es dann anscheinend so etwas wie Heimatkunde. Das Simo Salminen-Cover will mir aber so gar nicht munden. Zwar ein wenig verstört und depressiv klingend versprüht es seinen Charme, aber bei dem anderen Material auf dieser Doppeldecker-CD…
Ebenso unglaublich wie die Mercyful Fate-Anleihen in „Blood On Satan`s Claw“ wird dann auch noch ein Judas Priest-Cover hinterher geschoben. „Deceiver“ kommt ein wenig schräg daher, ist aber eine echte Bereicherung für das Album und zeigt, dass die Band sicherlich auch trotz der meist eher depressiven Ausrichtung richtig Spaß haben kann. Auch wenn Rob Halfords stimmlichen Höhenflüge nicht ganz umgesetzt werden konnten, ist der Band eine tolle Eigeninterpretation gelungen, in die auch Judas Priest-Fans reinhören sollten.

„The Gate Of Nanna“ ist dann leider schon der letzte Song. Ein Hammer-Song, den ich vorher noch nicht kannte. Diese kultige „Ave Satan…“ ist der Hammer. Sehr schön, wie man hier fast schon einlullend ein letztes Mal den Reverend Bizarre-Sound erklingen lässt, auch wenn das Ende mit dem rückwärts abgespielten Part eher schwach, wenn auch stimmig ist.

Fazit: Der maue Beigeschmack des schnellen Abkassierens ist in einen Freudentaumel umgeschlagen. Die Finnen Reverend Bizarre gehören definitiv zu den besten Doom Metal-Kapellen, die es gibt bzw. gab. Mein Nachtgebet hat sich nun auch um folgenden Satz erweitert: Lieber Gott, lass nach deinem Sohn nun auch diese Band wieder auferstehen und ihre Predigten durch die Welt klingen. Warum nur haben sich die drei in ihre kalten, feuchten modrigen Gräber gelegt und wollen der Welt nicht mehr predigen? Gerüchten zufolge soll es inzwischen eine Initiative geben, welche eine Heiligsprechung der Band im Vatikan vorschlagen will.

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