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Resomus: Meine Welt

Eine bodenlose Frechheit
Wertung: 1/10
Genre: Deutschrock
Spielzeit: 32:04
Release: 30.04.2010
Label: Sonic Revolution

Vielversprechend sieht es aus, das Cover von „Meine Welt“. Melancholisch, ästhetisch und auch noch einigermaßen professionell. Dabei ist die Scheibe ein Debüt einer Newcomerband namens Resomus. Und wenn man noch weiter recherchiert, erfährt man, dass Resomus eigentlich das Soloprojekt eines gewissen Danny Reeves ist, der für alle Instrumente plus Gesang auf „Meine Welt“ verantwortlich zeichnet. Aha, aha. Interessant. Dann hören wir mal.

Ich hätte es beim Betrachten des Covers belassen sollen. Das hätte nur einen Bruchteil meiner Lebenszeit in Anspruch genommen und hätte mir das Mieseste, was ich seit langem an Deutschrock ertragen musste, erspart. Warum nimmt man so eine Platte auf? Und, vor allem: Warum veröffentlicht man sie auch noch? Auf „Meine Welt“ geht so viel in die Binsen, dass man kaum weiß, worüber man sich zuerst ärgern soll.

Vielleicht fängt man mit dem instrumentalen Unterbau der zehn Songs an: Billigster, uninnovativster Schrammelrock ohne jeden Funken Inspiration; nicht nur langweilig und lieblos, sondern darüber hinaus auch noch schlecht und ohne jeden Drive aufgenommen. Die Leadgitarre von „Einer von Euch“ würde vermutlich jeder Gitarrenschüler nach einem halben Jahr flüssiger und fehlerfreier einspielen, als Danny Reeves es für seine Platte getan hat. Arrangements und Songaufbau lassen in ähnlicher Weise zu wünschen übrig, wirken holprig und ebenfalls völlig uninspiriert.

Die blechern anmutende Produktion gibt sich dazu größte Mühe, alle Mängel möglichst gekonnt in Szene zu setzen, die Gitarren noch fieser schrammeln und piepsen zu lassen und alle Instrumente weit hinter den Gesang zu mischen. Was uns auch schon zum nächsten Punkt auf der langen Mängelliste bringt:

Danny Reeves ist kein großer Sänger. Seine Stimme ist zwar nicht völlig unhörbar; trotzdem fehlen ihm sowohl Volumen als auch Charme und Ausdruck, was er durch fiese elektronische Effekte zu kaschieren versucht – erfolglos. Stattdessen klingt der Gesang wie durch eine Dose aufgenommen. Und doch ist der Stimmklang noch ein vergleichsweise harmloses Manko. Viel schwerer wirkt, dass die Chance, den instrumentalen Murks durch intelligente, gewitzte Texte auszugleichen, hoffnungslos vertan wurde.

Deutsche Texte leiden ohnehin schon immer unter dem Umstand, dass sie für die, die sie verstehen, viel zu häufig kitschig, klischeehaft und peinlich klingen. Mit Resomus erreicht diese Form des Fremdschämens aber ungeahnte Dimensionen. „Direkt und ungekünstelt vorgetragene Texte“ nennen Band und Plattenfirma die lyrischen Ergüsse; „ironiefreie Phrasendrescherei auf Schuljungenniveau“ träfe es wesentlich besser.

Was soll man von Versen wie „Es raubt mir die Kraft, die ich nicht hab“ („Selbstmord auf Raten“) oder „Mit 230 Sachen reingefetzt/Wie durch ein Wunder blieb er unverletzt/Den eignen Bruder hat er umgemäht/Die Einsicht kommt zu spät“ nur halten? Letzteres Zitat sind die letzten (!) Zeilen aus dem Song „Baustellenmassaker“, in dem ohne eine Spur von Einfühlungsvermögen oder Emotion plump die Fahrt eines Rasers thematisiert wird.

Den absoluten Tiefpunkt in textlicher Hinsicht bildet aber der Bonustrack „Guten Tag Frau Merkel“, der wohl als Abrechnung mit der Kanzlerin geplant war, sich aber schon zu Beginn absolut lächerlich macht: „Guten Tag Frau Merkel, wie geht es Ihnen so? Ich wollte mich mal melden, denn ich bin gar nicht froh.“ Ja, das geht genau so weiter.

Nach 32 Minuten hat man „Meine Welt“ dann überstanden und es stellt sich die Frage, warum diese CD bei einem Plattenlabel veröffentlicht wurde. Es gibt hunderte junger, vielversprechender und kreativer Bands, die sich den Arsch abspielen um einen Plattenvertrag zu ergattern. Dass man Resomus hat unterschreiben lassen, ist unter diesem Aspekt einfach nur eine handfeste Beleidigung für jeden engagierten Musiker.

Mittlerweile besteht das einstige Soloprojekt Resomus übrigens aus vier Mitgliedern; man droht mit Liveauftritten. Wie die Band mit Verrissen wie diesem hier umgeht, kann man sich bei last.fm als kostenlosen Mp3-Download zu Gemüte führen: der entsprechende Song hört auf den schönen Namen „Schnauze“.

Der Inhalt? Musikkritiker sind alle nur frustrierte Giftspucker ohne Freunde, die überhaupt keine Ahnung vom genialen Schaffen der Musiker haben. Wussten wir ja eigentlich schon immer.

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