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Remember Twilight: Musik Über Niedergang & Verderben

Geniales gepaart mit Altem und Fäkalien
Wertung: 8.5/10
Genre: Kammermusik-Core
Spielzeit: 37:55
Release: 23.04.2010
Label: Echozone/Intergroove

Es wurde langsam höchste Zeit für ein neues Release der Kammermusik-Core-Band Remember Twilight. Schon drei Jahre sind seit der Veröffentlichung von „Der tolle Mensch“ vergangen. Nun liegt „Musik über Niedergang & Verderben“ vor und ich muss zugeben, dass ich mich schon sehr auf den Release gefreut habe.

Tiefsinnig wie eh und je wird der Opener oder besser gesagt das Intro betitelt: „sINnTROstlos“. Ein tolles Stück klassischer Musik, wirklich sehr gut umgesetzt mit Anne und Anna an den Geigen und Chriz' Cello, welche von der typischen Rockbandfraktion unterstützt werden. Toller Instrumentalsong.

„Künstler Der Dekadenz“ ist dann der erste richtige Song und der zeigt dem bisher noch unbedarften Hörer direkt, was Remember Twilight zu bieten haben. Textlich setzt man sich mit der Musik und ihren Kritikern und Produzenten auseinander. Starke Nummer, die sich auch direkt im Gedächtniszentrum einnistet. Aber stupide geradeaus darf dieser Song natürlich auch nicht laufen. Da werden diverse interessante Parts eingebaut, die aber nicht erzwungen wirken, sondern dem Ganzen noch den krönenden i-Punkt aufsetzen.

„Die Feder“ prescht dann deutlich zügiger durch das Trommelfell. Hoher klassischer Anteil mit Florians Oboe und dem tadellosen, taktgebenden Schlagzeug von Ole. Das macht Spaß, das reißt mit, dazu der bestimmende, ein wenig beschimpfende Gesang von Remember Twilight-Mastermind Timo. Eine grandiose Mischung unterschiedlichster Musikeinflüsse. Dabei wird das rockige Element zu keinster Zeit vergessen.

„Ich Suche Gott“ kommt dann wieder ein wenig verwirrt-erhaben daher. Eine Mischung, wie es wohl nur die Recken von Remember Twilight hinbekommen. Die Band hat genau da weiter gemacht, wo „Der Tolle Mensch“ aufgehört hat, und dies wird hier sogar mit einem kleinen Augenzwinkern im Text mit eingebracht. Das Ganze wird immer noch ein wenig roh verarbeitet, aber genau das ist der corelastige Flair, den die Band so gelungen zu versprühen weiß.

„Zu Real“ kann da für meinen Geschmack nicht ganz mithalten. Timos Gitarre sorgt zwar für diverse schöne Akzente, der Text ist mal wieder in sich gekehrt und wirkt teilweise wie ein verstörtes tieftrauriges Gebet. 08/15-Texte ohne größeren, wenn auch nicht immer direkt erkennbaren Hintergrund wird es bei Eigenkomposition der Band wohl eher nicht geben. Und genau um dies irgendwie ein wenig zu widerlegen, folgt dem Song dann „Mackie Messer“. Wahrscheinlich dürfte das vielen Metal-Fans nicht unbedingt etwas sagen, aber es handelt sich hierbei um eine Abwandlung von „…Die Moritat Vom Mackie Messer“ aus der „Die Dreigroschenoper“.

Dieses Eröffnungsstück der Oper wurde schon von so illustren Musikern wie Michael Bublé, Udo Lindenberg, Frank Sinatra, Sting, Nick Cave, Robbie Williams oder auch Max Raabe gesungen. Aber auch die wahrscheinlich bekannteste Version von Hildegard Knef sollte hier nicht unerwähnt belieben, ebenso wie die unserer Musikrichtung eher verpönten Milva, Ute Lemper. Da reihen sich nun auch Remember Twilight ein und sorgen so mal wieder für einen recht bunten Tupfer auf ihrer musikalischen Weste, welcher aber zu gefallen weiß.

„In The Long Run – Am Ende“ ist ein deutlich gemäßigteres Stück, welches mit fast sanften Klassikattitüden aufwartet, das durch das deutlich härtere Rockensemble in der Band dann den gekonnten Kontrast setzt. Typisch für die Band und ein weitere Hörgenuss. Man schwelgt gefühlsmäßig hin und her und Träume vermischen sich partiell mit Albträumen und Zorn, und das entspricht natürlich genau den philosophisch angehauchten Texten. Viel besser kann man diese Diskrepanz nicht darstellen. Aber man sollte sich beim Hören fallen lassen und in die Musik eintauchen.

Mit den Befürchtungen aber irgendwie auch Hoffnungen dann eine Coverversion auf Remember Twilightsche Art von Howard Carpendales „Deine Spuren im Sand“ kredenzt zu bekommen  startet dann „Am Strand – Spuren im Sand“. Ein lediglich aus langsam gehauchten Versen und einem Piano bestehender, etwas befremdlich wirkender Track, der noch nicht einmal die Zwei-Minuten-Hürde schafft. Ein leiser Abschluss für dieses Album.

„Warum Abschluss, da kommen doch noch drei Songs?“, fragt ihr euch. Weil der Rest erstmal zwei der besten Stücke der „Der Tolle Mensch“-Scheibe beinhaltet und es dann zum wirklichen Ende noch einen Remix der Metallspürhunde von „Künstler Der Dekadenz“ zu hören gibt.

Dazu möchte ich mit einem Zitat aus dem damaligen Review antworten: „Warum lassen sich geniale Bands nur die eigenen Kunstwerke von anderen Musiker verschandeln?“ Wie eigentlich bisher jeder Remix, den die Band selbst veröffentlichte, ist dies ein weiterer Griff tief in die Toilettenschüssel, was naturgemäß auch hier wieder für eine Abwertung sorgen muss.

Fazit: Die Band geht unbeirrt ihren Weg. Gerade mal knapp 38 Minuten mit zwei schon bekannten, wenn auch tollen Songs und einem Track für die Dixies ist schon sehr, sehr wenig. Aber eine Band wie Haggard, welche ja auch weit entfernt von Durchschnittsware ist, braucht auch immer sehr lange, um mit neuen Veröffentlichungen zu glänzen. Vielleicht ist dies ein Zeichen von zu hohem Perfektionismus oder zu großer Komplexität bei der Hochzeit von klassischer Musik und Metal oder Rockrhythmen. Es gefällt, das ist die Hauptsache und man kann nur hoffen, dass es dieses Jahr über ganz Deutschland verteilt Liveauftritte der Band geben wird.

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