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Refusal: We Rot Within

Freudig grooviges Hackbrett
Wertung: 9/10
Genre: Death Metal/Grind
Spielzeit: 32:14
Release: 22.01.2016
Label: F.D.A. Rekotz

Da wird doch nicht...? Die haben doch nicht wieder...? Aber doch, und wie, sie haben. Gemeint sind F.D.A. Rekotz, die sich auch hier mit breiter Brust das Debütalbum der aus Helsinki kommenden Death Grinder Refusal gesichert haben und nun das Dingen unters Volk bringen. Alle, die der Soumi-Truppe schon länger treu folgen, wissen, dass sie gleich schon ein ganzes Bündel an Demos veröffentlichten und sich sogar bereits zwei „Compilations“ in der Diskographie herumlümmeln.

Und so präsentieren Refusal auf ihrem ersten wirklichen Longplayer mit „Dead End Society“ und „Doomed“ nur zwei neue Stücke, die weiteren sieben Nummern sind schon auf den Veröffentlichungen seit der „Short On Ammo“-Demo von 2011 zu finden. Völlig falsch aber wäre es jetzt, von einer Art Resteverwertung zu sprechen, denn was die Finnen mit „We Rot Within“ aufs Death-Grind-Tableau zimmern, hat trotz der ganzen Prügelei einfach nur Stil und Klasse. Natürlich fühlt man sich auch mal an Napalm Death & Co. erinnert, aber ist das eine schlechte Referenz? Wohl kaum.

In etwas mehr als 32 Minuten ballern sie also neun Attacken heraus und schaffen es irgendwie spielend, jedem Song eine eigene kleine Note zu verpassen, sozusagen ein Best Of der letzten Jahre mit hohem Niveau. Verblüffend dürfte da eher sein, dass der Spannungsfaden nicht abreißt, auch wenn man weiß, dass in den letzten Jahren gerade der Posten an der Schredderaxt immer wieder vakant war, doch seitdem sich Klampfer Patrick Franck 2013 einbrachte, scheint das Personalkarussell stillgelegt worden zu sein. Aber wer auch immer wo welches Riff beigesteuert hat – die Platte harmoniert in seiner brachialen Art trotzdem und ungemein.

Variantenreich gehen Refusal dabei zu Werke, denn immer wieder wechseln sich pure Prügelattacken mit im Midtempo angelegten Parts ab und verleihen so dem ganzen Album seine wuchtige Dominanz. Bei „Get Insight“ darf man sogar ein wenig verwundert die Augenbrauen hochziehen, entwickeln die Finnen hier doch sogar eine rock'n'rollige Attitüde, auch wenn Todesschrubberei bis zu kurzen Prügeleruptionen einem den Kopf hier natürlich wieder zurecht setzen. „G.O.A.“ dagegen verblüfft mit einer leicht punkigen Note, droht zwischendurch wieder im Blast-Prügel-Chaos die Orientierung zu verlieren, findet aber schnell wieder im fett groovenden Part zur Ordnung zurück.

Und genau mit diesen Wechselspielchen können Refusal auf ganzer Linie punkten. In der Hackordnung ganz oben ist auch „Short On Ammo“ zu finden, denn auch hier herrscht pure Prügelei, die noch am meisten an Napalm Death erinnert und die immer wieder droht, im absoluten Chaos zu verschwinden, bevor dann doch wieder Gas herausgenommen und dadurch Ordnung ans Tageslicht gezerrt wird. Besonders die sich aus der zweiten Reihe aufdrängenden Schreie sorgen für die Grind-Atmosphäre. Genau das darf man auch in „Do Your Part“ erwarten, denn das unvermindert hohe und variantenreiche Tempo mit den fies sägenden Gitarren erinnert immer wieder an die Referenz aus Birmingham.

Ganz gemein mahlen dann in „Cannibal Instinct“ die schrägen Gitarren, auch hier dringt das Geschrei wie ein Dolch von hinten durch die Brust ins Ohr und ist ein herrlicher Angriff auf die Headbangernackenmuskulatur. Und wer meint, die Finnen könnten beim Verblüffungsfaktor nicht mehr zulegen, dem sei „Doomed“ ans Herz gelegt, doomt die Hochgeschwindigkeitsattacke mit reichlich Grind-Ausflügen am Ende doch noch schön atmosphärisch aus. Refusal haben mit „We Rot Within“ ein Album draußen, welches keine Sekunde langweilt und nur noch wenig Luft nach oben lässt. Nun, die Songs sind ja über Jahre hinweg entstanden und haben sicherlich so manchen Test im Proberaum oder gar auf der Bühne bestanden. Was die Finnen wirklich auf dem Kasten haben, müssen sie dann auf dem nächsten Album zeigen. Für heute sind es aber auch so kurzweilige neun Punkte.

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