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Redrum Inc.: Heavy Division

Viel Groove, wenig Abwechslung
Wertung: 6/10
Genre: Thrash Metal, Groove Metal, Hardcore
Spielzeit: 48:28
Release: 11.06.2010
Label: Firefield Records

In Nordrhein-Westfalen wird ordentlich Staub aufgewirbelt, wenn die „Heavy Division“ durch die Straßen walzt. Die Rede ist von der aktuellen Scheibe der Groove/Thrash/Hardcore-Combo Redrum Inc., die es nach neun Jahren nun endlich geschafft hat, ihre erste Full-Length-Scheibe auf die Menschheit loszulassen. Bereits im Sommer ist das Teil erschienen, und man kann sagen: Niemals hörte sich eine Band aus deutschen Landen amerikanischer an. Fast ist man überzeugt davon, hier einen Ableger von Vinnie Paul (Pantera) am Schlagzeug sitzen zu haben, und überhaupt kommt der ganze Sound der Combo sehr Southern-Groove-lastig daher. Mit Sänger Michael Dohmen steht hier natürlich auch ein Mann am Posten, der von thrashigem Gesang bis hin zu Hardcore-Gepöbel so ziemlich alles abdeckt, was diese Art Musik braucht.

Trotzdem - und jetzt kommt das große „Aber“ – hat man hier ein bisschen das Gefühl, durch Treibsand zu kriechen. Die Platte hält einen zwar in ihren Glanzmomenten durchaus gefangen, man ertappt sich des öfteren beim zufriedenen Kopfnicken, aber insgesamt gestaltet sich der Durchlauf von „Heavy Division“ doch ein wenig zähflüssig. Das hat auch weniger damit zu tun, dass auf dem beigelegten Waschzettel der Promofritzen groß und breit das Genre „Doom“ mit angeführt wird – nein, stattdessen wird man das Gefühl nicht los, dass Michael sich in einer bestimmten Tonlage recht wohl zu fühlen scheint und diese so schnell nicht mehr verlassen will. Die beiden Saitenhexer Roland und Thomas versuchen zwar, Dynamik und Abwechselung in die Stücke zu bringen und Soli wie beim dreckig-verrauchten „We Are The Ones“ lockern das Gesamtbild auch ziemlich gut auf, aber man kann sich halt doch nicht bei jedem Song darauf verlassen, dass die Gitarristen einen wieder aus der Scheiße ziehen.

Aus dem dreiviertelminütigen Intro hätte man nicht unbedingt eine eigene Nummer auf der Tracklist machen müssen, da es sowieso nahtlos in das derbe vorangroovende „Breaking The Deadlock“ übergeht – hier ist eigentlich von der ersten Sekunde an Matteschwingen angesagt. Ich sage deswegen eigentlich, weil die Stimme schon jetzt ein wenig an den Nerven zerrt. Dohmen klingt so ein bisschen, als hätte ihm jemand beim Singen in den Magen geboxt – war vielleicht sein Gitarrist, der mehr Variabilität einfordern wollte. „Weakness“ zieht das Gaspedal dann zum Glück ein wenig an, und bei der Zeile „Sorry für your weakness“ kann man auch direkt mitgröhlen, bevor einen die Gitarrenaction wieder zum Headbangen mitreißt. Warum die Herren nicht von Anfang an so vom Leder gezogen haben, bleibt deren Geheimnis.

Sicherheitshalber hat sich das Mörderunternehmen für „Carry The Burden“ Hilfe geholt – und zwar von niemand geringerem als Crowbar- beziehungsweise Down- beziehungsweise Kingdom of Sorrow-Schreihals/-Gitarrist Kirk Windstein. Wo der Mann in seinem vollgestopften Terminkalender noch die Zeit für diesen wunderbar heiseren Gastauftritt gefunden hat, bleibt schleierhaft, jedenfalls kommt hier zum ersten Mal überhaupt eine leicht doomige Stimmung auf und die beiden Stimmen passen erstaunlicherweise ziemlich großartig zusammen. Ein feiner Schachzug, so eine Kollabo.

Ein ganz großartiges Intro hat „Sinners Club“ zu verzeichnen, bei dem man erst ein Krachen hört und dann den zynisch-höflichen Satz „Oh sorry, did I break your concentration?“. Leider, leider ist das aber auch schon das Highlight des Songs, der New-York-Hardcore-mäßig nach vorne walzt und in seinen Strophen eine derartige Monotonie aufweist, dass man den Kopf gegen die Wand schlagen möchte, bevor in der Überleitung ziemlich abrupt abgebremst wird und Gangshouts die Hardcore-Kante noch betonen. „Swallow The Hurt“ weiß dann mit kreischenden Gitarrensoli zu überzeugen, bevor Drummer Ralf bei „Dominate“ eine überzeugende Leistung abliefern kann. Zum guten Schluss gibt’s eine Version des Crowbar-Tracks „All I Had (I Gave)“, die ein wenig rasselnder daherkommt als das Original und endlich beweist, dass der Text „All I Had I Gave“ und nicht „Motörhead are gay“ lautet (wer’s nicht glaubt, der höre sich bitte die Originalversion an – dass Lemmy dem guten Kirk noch keine aufs Maul gegeben hat, wundert einen da schon ein bisschen). Der Track ist gut umgesetzt und kann mit gutem Gewissen als Anspieltipp durchgehen, bietet aber ansonsten leider keinen allzu versöhnlichen Schluss.

Fazit: Wider aller Erwartungen gibt es auf „Heavy Division“ insgesamt nur wenig zu entdecken. Gute Songs gibt es einige, was allerdings auffällt ist die Eine-Tonlage-Stimme von Sänger Michael, die zwar für Tracks wie „Embrace Death“ großartig geeignet ist, auf Dauer aber dermaßen die Nerven starapaziert, dass man sich die Platte nicht öfter als dreimal hintereinander zu Gemüte führen kann. Problematisch wird’s dann, wenn man sich vorstellt, wie die Songs live wirken – denn auf der Bühne präsentiert, knallen die Tracks garantiert wie Feuerwerksböller. Warum diese Energie nicht auch auf Platte gebannt werden konnte, bleibt ein Rätsel. So drückt man die „Stop“-Taste mit einem etwas faden Nachgeschmack, da auf der Platte nichts wirklich Schlechtes, aber auch nichts übermäßig Geniales zu finden ist. „Heavy Divison“ pendelt sich knapp oberhalb der Punkte-Halbzeit ein.

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