Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Redemption: This Mortal Coil

Gebt diesem Album Zeit - es lohnt sich!
Wertung: 8.5/10
Genre: Progressive Metal
Spielzeit: 71:54
Release: 23.09.2011
Label: Inside Out

Vor gut zwei Jahren wurde die Prog-Metal-Gemeinde von der Meldung erschüttert, dass Redemption-Mastermind Nick van Dyk von einem multiplen Myelom befallen wurde, einer besonders aggressiven Blutkrebsform, bei der die langfristigen Überlebenschancen allgemein als ziemlich gering eingestuft werden. Umso erfreulicher, dass der Gitarrist und Keyboarder sich nicht davon unterkriegen ließ und beschloss, weiterzumachen – und inzwischen sieht es so aus, als habe er es tatsächlich geschafft, den Krebs zu besiegen.

Dass sich diese schwere Phase seines Lebens auch auf das neue Album seiner Band auswirken würde, konnte man sich wohl denken. Die musikalische Grundausrichtung von „This Mortal Coil“ ist eindeutig düsterer als auf dem Vorgängerwerk „Snowfall On Judgement Day“ und Songtitel wie „Begin Again“, „Stronger Than Death“ oder auch der Albumname selbst sprechen eine ziemlich deutliche Sprache. Die Stücke sind alles in allem etwas schwieriger zugänglich und es erfordert dieses Mal schon ein paar Durchläufe mehr, um mit dem Material richtig warm zu werden. Ihren typischen Stil nebst selbstredend überragenden, aber bei allen technischen Spielereien angenehm unaufdringlichen handwerklichen Fähigkeiten haben die Kalifornier natürlich trotzdem beibehalten. Es sind auch wieder etliche tolle Melodien auf „This Mortal Coil“ zu finden, sie wurden nur subtiler eingebaut und wollen nach und nach entdeckt werden; es dauert ein bisschen, bis sich das Album voll entfaltet. Am Ende des Tages und mit etwas Geduld wird man dann allerdings sogar feststellen, dass die Band eher noch eigenständiger geworden ist, schließlich wurde sie bis dato immer wieder – und das ja auch keineswegs zu Unrecht – mit den Genrekings von Dream Theater und Symphony X verglichen.

Sicherlich ist diese Gegenüberstellung alles andere als beleidigend, allerdings tönten Redemption schon immer düsterer als das Traumtheater und besaßen im Gegensatz zu Romeo und Co., die gerade in letzter Zeit ja auch immer heftiger und finsterer rocken, stets diesen gewissen melancholischen Anstrich, der zu einem Löwenanteil auf das markant-rauchige Organ von Fates Warning-Frontmann Ray Alder zurückzuführen ist, der im Übrigen erneut eine überragende Leistung abliefert und mit großer Leidenschaft die wegen der Umstände diesmal logischerweise besonders tief schürfenden Texte zum Besten gibt.

Nur hört sich das auf dem neuen Output wegen der Begleitsituation eben noch düsterer und heavier an als alles, was die Band bislang fabrizierte; die dunkle Grundstimmung zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Scheibe. Der Opener „Path Of The Whirlwind“, scheint mit seinem beinahe thrashigen Eröffnungsriff die Marschroute für die Platte vorzugeben; die Gitarren riffen tiefgestimmt, die atmosphärischen Keyboardsounds verstärken dieses Fundament noch und sind perfekt integriert, und auch wenn der Refrain melodischer daherkommt, bleibt die dunkle Stimmung erhalten. Und der erste Eindruck soll im Folgenden bestätigt werden, denn mit dem bedrohlich anmutenden „Blink Of An Eye“, dem mächtig groovenden „No Tickets To The Funeral“, dem neunminütigen Miniepos „Dreams From The Pit“ und dem mit einem fantastisch speedigen Mainriff und tiefen, unheilschwangeren Pianoläufen ausgestatteten „Noonday Devil“ reihen sich gleich vier weitere, ordentlich Dampf machende Vorschlaghämmer in die Tracklist ein.

Erst „Let It Rain“ lässt einen etwas verschnaufen; diese wunderhübsche Ballade läutet die zweite Hälfte der Langrille ein, die insgesamt etwas leichter zugänglich und melodischer geraten ist. So erwischt man sich dabei, wie man die ohrwurmigen Gitarrenharmonien von „Focus“ und „Begin Again“ bereits nach einmaligem Hören mitsingt und suhlt sich in den herrlichen Gesangsarrangements von „Perfect“. Richtig emotional wird es dann im auf einem knackigen Basslauf basierenden „Stronger Than Death“, wo es heißt „you tried to kill me, but I’ve killed you“, und das abschließende, sich in dramatischer Manier stetig steigernde, epische Zehn-Minuten-Finale mit der kryptischen Bezeichnung „Departure Of The Pale Horse“ ist schlichtweg großartig geworden; hier werden alle vorigen Songtitel noch einmal zitiert.

Wer von „This Mortal Coil“ anfangs etwas enttäuscht ist, sollte sich die Scheibe lieber noch ein paar Mal zu Gemüte führen, bevor er zu einem abschließenden Urteil kommt – es lohnt sich. Ja, das Material ist zu einem Großteil sperriger als zuvor, doch wer will im Progressive Metal schon immer nur Eingängiges hören, das wäre ja langweilig. Das Album ist ein typischer Grower und braucht seine Zeit. Nick van Dyk hat schon recht, wenn er sagt, dass etwas an dem Sprichwort dran ist, dass die dunkelsten Momente im Leben eines Künstlers eine enorme Quelle der Inspiration sein können – mit „This Mortal Coil“ haben er und seine Mitstreiter dies eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

comments powered by Disqus

Familiäre und friedliche Metalparty am Kanal, Take 17

Fantastischer Abend, der viel zu schnell zu Ende ging