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Redemption: Snowfall On Judgement Day

Ein erneut ganz starkes Album der Kalifornier
Wertung: 9/10
Genre: Progressive Metal
Spielzeit: 70:29
Release: 25.09.2009
Label: InsideOut

Die im kalifornischen Los Angeles gegründeten Redemption sind inzwischen kein unbeschriebenes Blatt mehr in der Szene und dürften mittlerweile jedem Freund progressiver Klänge ein Begriff sein. Mit ihren ersten drei Alben „Redemption“ (2003), „The Fullness Of Time“ (2005) und „The Origins Of Ruin“ (2007) konnten sie jede Menge Lob bei den Kritikern einheimsen und durch ihren Support von Dream Theater auf deren „Systematic Chaos“-Tour ihren Fankreis deutlich erweitern. Und Anfang dieses Jahres lag mit „Frozen In The Moment – Live In Atlanta“ sogar bereits die erste Live-DVD vor.

Nun also steht mit „Snowfall On Judgement Day“ Studioalbum Numero vier auf dem Programm; die Band bleibt somit ihrem regelmäßigen Zwei-Jahres-Abstand treu, was Studio-Releases anbelangt. Und ähnlich wie Symphony X haben Redemption im Vergleich zu den vorangegangenen Platten nicht mehr als lediglich kleine Nuancen verändert, sondern sich vielmehr hauptsächlich darauf konzentriert, einfach starke Songs abzuliefern und dem bisher eingeschlagenen Weg treu zu bleiben.

Wie schon auf „The Origins Of Ruin“ verzichtete man im Gegensatz zu den beiden ersten Scheiben auf ein Megaepos jenseits der Zwanzig-Minuten-Grenze (auf dem Debüt in Gestalt von „Something Wicked This Way Comes“ und auf „The Fullness Of Time in Form des Titeltracks noch zu finden); mit „Black And White World“ und „Love Kills Us All / Life In One Day“ hat man allerdings dennoch recht lange Tracks im Gepäck, wie es für jede Progressive-Band ja quasi zum guten Ton gehört.

Eröffnet wird „Snowfall On Judgement Day“ jedoch mit „Peel“, das sogleich die Stärken der Band bündelt: Kraftvolles, powermetallisches, von atmosphärischen Keyboards unterstütztes Riffing, filigrane, sorgsam ausgearbeitete Gitarrenläufe und ein melancholisch angehauchter, eingängiger und sehr melodischer Refrain, wie er inzwischen schon typisch für Redemption ist, auch bedingt durch Ray Alders einzigartige, rauchige Stimme. Man muss es einfach sagen: Der Fates Warning-Frontmann trägt einen wirklich nicht unerheblichen Teil zur Eigenständigkeit der Kalifornier bei.

Beim folgenden „Walls“ wird recht schnell deutlich, warum gerade dieses Stück als Single ausgewählt wurde: Bereits der einleitende Basslauf setzt sich flugs in den Gehörgängen fest und im weiteren Verlauf steigert sich der Song stetig, um letztlich in einem erneut formidablen Refrain, von Alder in exzellenter Manier vorgetragen, zu gipfeln.

Im sich anschließenden „Leviathan Rising“ geht es dann dem Titel gemäß ziemlich hart zur Sache, insgesamt handelt es sich um eine kraftvolle, schnelle Nummer mit frickeligem Riffing, welches zwischendurch allerdings von melodischen Passagen unterbrochen wird. Eindrucksvoll zeigt die Band in diesem von den Gesangslinien teilweise an Symphony X erinnernden Stück, wie locker sie es vermag, zwischen metallischer Härte und melodischer Eingängigkeit zu wechseln. Trotzdem vielleicht nicht ganz so stark wie die beiden Vorgänger, aber immer noch auf sehr hohem Niveau.

Nach diesen drei mehr als gelungenen Tracks wird mit dem achtminütigen „Black And White World“ dann aber noch mal einer draufgesetzt: Schon die sehr an der Klassik orientierten Pianoklänge am Anfang lassen vermuten, dass hier Großes auf einen zukommt und wahrhaftig ist hier alles zu finden, was das Prog-Herz begehrt: technisch herausragende Soli, schöne Harmonieläufe und tolle Gesangsmelodien. Besonders herausragend wird es gegen Ende, wenn zunächst erneut nur das Piano, welches eine tragende Rolle in diesem Stück spielt, ertönt, und sich das Ganze im Folgenden auf dramatische Weise, verstärkt durch bombastische Keyboardsounds, immer mehr steigert.

Weitere Kracher dieses Kalibers sind das ruhig, beinahe schon bedrohlich beginnende „Keep Breathing“, das sich kontinuierlich steigert und mal schwelgerische, mal verfrickelte Momente bietet, „Another Day Dies“, das schon deswegen aufhorchen lässt, weil Ray Alder sich hier ein Duett mit Dream Theater-Frontmann James LaBrie liefert, welches wirklich klasse umgesetzt wurde und beiden Sängern mehr als gerecht wird, und selbstredend der abschließende Elfminüter „Love Kills Us All / Life In One Day“, bei dem ja schon der Titel episch anmutet und bei dem Redemption aufs Neue alle Register ihres Könnens ziehen.

Nicht minder großartig ist jedoch „Fistful Of Sand“, der mit Abstand härteste und düsterste Song des Albums, bei dem van Dyk und Co. voller Spielfreude und Spritzigkeit munter drauflosproggen und auch die fast schon wehmütige Ballade „What Will You Say“, die interessanterweise direkt vor „Fistful Of Sand“ gestellt wurde und so die Vielseitigkeit des Albums unterstreicht, sollte nicht überhört werden. 

Zusammengefasst heißt das, dass es auf „Snowfall On Judgement“ keinen Ausfall gibt. „Unformed“ mag eine nicht ganz so spektakuläre Nummer sein, bemerkenswert ist hier allerdings, wie sich das markante Main-Riff in variierter Form durch den Song zieht, Redemption somit also zeigen, dass progressiv nicht immer bedeuten muss, tausend Riffs in einem Song unterzubringen, sondern dass es vielmehr eine Kunst ist, ein einziges zu bearbeiten und leicht verändert wiederkehren zu lassen.

Ob die neue Scheibe tatsächlich besser ist als der unmittelbare Vorgänger „The Origins Of Ruin“, kann ich schlecht beurteilen, da beide Alben zweifellos ganz stark sind - wobei der 2007er Output mit „Bleed Me Dry“ einen absoluten Überhit am Start hatte -, aber Fakt ist: Redemption sind und bleiben eine der zur Zeit besten und aufregendsten Bands im Prog-Metal-Sektor. Mit überragenden Instrumentalisten und einem Sänger, der mit einer Stimme von hohem Wiedererkennungswert gesegnet ist, ausgestattet, stehen ihnen im Prinzip alle Türen offen. Bleibt abzuwarten, ob sich Mastermind Nicholas van Dyk von seinem kürzlich diagnostizierten Krebsleiden erholt, man kann nur das Beste hoffen und alles Gute wünschen.

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann