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Red Hot Chili Peppers: I'm With You

Gelungenes Comeback
Wertung: 8/10
Genre: Alternative Rock/Crossover
Spielzeit: 59:24
Release: 26.08.2011
Label: Warner Bros. Records

Fast fünf Jahre lang war von den Red Hot Chili Peppers nicht viel zu hören, jetzt meldet sich die Band mit dem Nachfolger zum 2006 erschienenen Doppelalbum „Stadium Arcadium“ zurück. In der Zwischenzeit ist einiges passiert; die wichtigste Veränderung: An der Gitarre steht nicht länger John Frusciante. Den Platz des unersetzlich geglaubten Saitenmagiers nimmt dessen Kumpel und gelegentlicher Mitmusiker Josh Klinghoffer ein. Für ihn ist „I'm With You“ eine echte Feuertaufe, denn die Fußstapfen, in die er tritt, sind groß und die Erwartungen hoch. Das gilt auch für den Rest der Band, der irgendwie den Neuen in den Sound integrieren muss, ohne alte Fans zu verschrecken und dann bitteschön auch noch ein paar Hits à la „Californication“ aus dem Ärmel schütteln soll. Wer fünf Jahre lang Pause macht, kann es sich eben nicht leisten, mit einem ganz normalen Album um die Ecke zu kommen – erst recht nicht, wenn RHCP draufsteht.

Mit der eher durchschnittlichen Single „The Adventures Of Rain Dance Maggie“ wurden die Hoffnungen auf einen Meilenstein im Vorfeld bereits gehörig gedämpft. Manch einer fällte ein vernichtendes Urteil über Klinghoffers atmosphärische Gitarrensounds und wünschte sich Frusciantes Funk-Frickeleien zurück. Dass der Refrain ziemlich an „Snow“ vom letzten Album erinnert, stieß enttäuschten Fans ebenfalls sauer auf. Immerhin: Die gewohnt tighte Rhythmusfraktion ließ sich nur schwer schlechtreden. Bassmonster Flea und Groovegarant Chad Smith sind eben 2011 noch immer eine Macht und auch auf Albumlänge das eindeutig tragende Element.

So lebt der großartige Track „Ethiopia“ in den Strophen von einem pumpenden 7/4-Beat, der in puncto Groove keine Wünsche offen lässt. Der wilde Rock-Brecher „Goodbye Hooray“ hat sogar ein ausgedehntes Basssolo zu bieten und auch „Factory Of Faith“ verlässt sich ganz auf das nahtlose Zusammenspiel von Tieftöner und Schießbude. Anthony Kiedis' Gesang und Joshs Gitarrenakzente dienen da eher zur Verzierung. Bei Songs wie „Did I Let You Know“ und „Meet Me At The Corner“ hingegen kommt die andere Seite der Chili Peppers zum Vorschein: Die Melodiefreaks mit einem Händchen für zuckersüße Hooks und Ohrwürmer, von denen „I'm With You“ reichlich bietet. Dass Anthony Kiedis vom Rap der Anfangszeit mittlerweile völlig Abstand genommen hat, stört kein bisschen, denn mittlerweile ist der Mann ein absolut respektabler Sänger – das war auch nicht immer so.

Und Josh Klinghoffer? Der macht seinen Job so tadellos, dass man gelegentlich fast vergisst, dass da überhaupt mal ein Wechsel stattgefunden hat. Klar, die ausladenden, verspielten Soli eines John Frusciante sind nicht mehr zu hören. Doch der Neue sucht sich seine Nische: Funkige Schrammeleien und harmonische Backgroundgesänge, die zu Chili-Peppers-Refrains gehören wie die Butter zum Brot, behält er bei. Ansonsten hält er sich dezenter im Hintergrund als sein Vorgänger, um die Songs mit vergleichsweise atmosphärischen, manchmal psychedelischen Klängen zu bereichern. Auch für simple Powerchord-Passagen („Annie Wants A Baby“) ist sich der Mann zum Glück nicht zu schade. So ändert sich insgesamt erstaunlich wenig am typischen Chili-Peppers-Sound; am deutlichsten merkt man die neue Besetzung vielleicht noch im Opener „Monarchy Of Roses“: Derartige Feedback-Orgien und dissonante Klangschwaden sind selbst für die experimentierfreudigen Kalifornier nicht unbedingt Standard. Doch nicht nur Josh Klinghoffer darf im engen Rahmen ein bisschen ausprobieren; auch die anderen Bandmitglieder haben nach der langen Studioabstinenz ein paar Gimmicks zu bieten: Chad Smiths Cowbell wertet „The Adventures Of Raindance Maggie“ auf und Flea hat in der Zwischenzeit Klavier gelernt. Das Tasteninstrument erweitert den Soundkosmos der Band um eine interessante Facette und gibt zum Beispiel „Even You, Brutus“ eine angenehm beschwingte Note. Dass es das Klangbild nicht völlig umkrempelt, sondern sich dezent integriert, versteht sich wohl von selbst.

Was aber bedeutet das alles für „I'm With You“? Der realitätsfremd herbeigesehnte Meilenstein ist die Platte jedenfalls nicht, denn dafür fehlen die großen Innovationen. Die Mittel mögen sich ein wenig gewandelt haben; letztlich machen die Chili Peppers aber ungefähr da weiter, wo sie zuletzt aufgehört haben. Der befürchtete Reinfall ist die Scheibe aber auch keinesfalls: Viel zu gut sind dafür die neuen Songs, viel zu catchy die Melodien, viel zu gekonnt das Zusammenspiel der neugeborenen Band. Schlussendlich ist „I'm With You“ wohl einfach das, was manch andere Band in ihrer gesamten Karriere nicht auf die Reihe bekommt: Ein schlicht gutes Album, das sich weder Neuem verschließt, noch seine Wurzeln verleugnet.

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