Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Red Harvest: The Red Line Archives

Empfehlenswertes Best-of verstörender Songs
Wertung: 99/10
Genre: Industrial Metal
Spielzeit: 46:42
Release: 16.05.2008
Label: Indie Recordings

Eigentlich hatte ich mit Industrial bisher nicht unbedingt viel am Hut, von daher ist es nicht unbedingt die leichteste Aufgabe, eine Rezension zu einer Band zu schreiben, von der man zuvor lediglich den Namen, aber noch keinen einzigen Song gehört hat. Hierbei handelt es sich noch dazu um ein Best-of und ich kann jetzt noch nicht einmal entscheiden, ob wirklich die besten Momente der seit 1992 acht Alben umfassenden Diskographie auf vorliegender Scheibe festgehalten wurden.

Andererseits machen Best-ofs bekanntermaßen ohnehin nur Sinn für Leute, die eine Band näher kennenlernen wollen und bislang noch keine Platten von ihr im Regal stehen haben. Insofern gilt dies nun auch für mich und auch wenn die hier enthaltenen Stücke aus verschiedenen Phasen der Bandgeschichte stammen, ist mein Eindruck als Nichtkenner dieser Band, dass das Ganze trotzdem relativ homogen wirkt und man, auch wenn man nicht wüsste, dass „The Red Line Archives“ lediglich ein Best-of darstellt, denken könnte, man hätte ein ganz normales, reguläres Album vorliegen.

Das ist schon darin begründet, dass die Stücke – obwohl aus verschiedenen Ären der Band – häufig ineinander übergehen, gerade in der zweiten Hälfte des Albums. So beispielsweise die völlig kranke Lärmorgie „Bleed“, die besonders verstört, und das darauffolgende „4418“ oder das schnell nach vorne preschende „Technocrate“ und das anschließende „Cyborg Era / Dead End“, das mit futuristischen Keyboard-Sounds beginnt, die schließlich in einen Part mit E-Gitarren und Schlagzeug münden, um dann erneut mit bedrohlichen Keyboard-Samples zu enden. Das wiederum folgende letzte Stück „The Central Sun Part 1“, bei dem Chor-ähnliche Stimmen – die völlig verzerrt klingend produziert sind – mit wuchtigen Schlagzeug-Sounds und noisigen Klangcollagen verwurstet wurden, beginnt dann erneut ohne Pause am Ende des vorigen Tracks.

Auch wenn ich derartige Musik sicherlich eher selten höre, muss ich Red Harvest auf jeden Fall eingestehen, dass sie es verstehen, wahnsinnig verstörende, apokalyptische Sounds aufzubauen, die einen in eine beklemmende Stimmung versetzen. Alles klingt kalt, maschinell und futuristisch (man höre sich nur mal so etwas wie „Desolation“ oder den Opener „Move Or Be Moved“ an) und wenn man dann noch einen Titel namens „Cyborg Era“ auf der Platte hat, denkt man irgendwie gerne mal an die „Terminator“-Filme und eine Herrschaft der Maschinen. Für derartige Science-Fiction-Filme bildet die Musik der Norweger sicherlich den idealen Soundtrack.

Fans von E-Gitarren kommen hier selbstverständlich nicht gerade auf ihre Kosten und wenn mal gitarrenmäßige Sounds auftauchen, klingen sie dermaßen verzerrt – gleiches gilt übrigens für die Vocals –, dass jeder Metalfan mit Scheuklappen sicherlich schleunigst das Weite suchen würde. Nine Inch Nails sind dagegen geradezu harmlos.

Leicht zugänglich ist hier wirklich so gut wie gar nichts und wenn im Infoblatt der Plattenfirma von einer „unerbittlichen und unmenschlichen Sammlung der intensivsten Industrial Tracks“ die Rede ist, kann man nur zustimmen. In der Welt, die Red Harvest mit den elf Stücken auf dieser Compilation heraufbeschwören, möchte ich nicht sein: Verstörend, krank, bedrückend, abgefahren, drogengeschwängert; aber wenn man in einer entsprechenden Stimmung ist, kann man sich sicherlich darauf einlassen.

Von einer Bewertung allerdings möchte ich absehen, da es sich hier eben lediglich um ein Best-of handelt, in das jeder ohne Scheuklappen reinhören kann. Industrial-Fans im allgemeinen kommen bei diesem kranken Teil bestimmt auf ihre Kosten, Fans von Red Harvest hingegen werden diese Sammlung vielleicht nicht unbedingt brauchen.

comments powered by Disqus

Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann