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Reckless Love: Reckless Love

Ist ja alles nur geklaut … aber gut in Szene gesetzt und frisch garniert!
Wertung: 8.5/10
Genre: Glam Sleaze Rock
Spielzeit: 40:44
Release: 02.07.2010
Label: Universal Music Group

Ein Blick auf das Cover und man weiß schon, was man geboten bekommt: Party-Mucke, Glam oder auch Sleaze Rock genannt. Man sieht vier Männer, die in diverse Schminktöpfe gefallen sind. Da es sich nicht nur um schwarz-weiße Farbe handelt, fällt der Black Metal-Bereich schon mal raus. Das Cover erinnert dann auch noch irgendwie recht stark an den Poison-Klassiker „Look What The Cat Dragged In“. Fertig ist das vorgefertigte Image. Nun ja, hat man ja immer mal wieder sehr gerne gehört, gerade in den Achtzigern, auch wenn mir persönlich die Spandexhöschen immer ein wenig suspekt waren.

Also Mundwinkel hochziehen und rein mit der Silberscheibe in den gierigen Schlund des CD-Players. „Feel My Heat“ wird mit Sirenen und Hubschraubereinsatz eingeläutet. Aber dann spricht die klassisch reduzierte Instrumentenkost. Pepes Gitarre gibt den Ton an mit seinem Riffing, dazu der unweigerlich im Vordergrund stehende Gesang. So wird/wurde gerockt. Das macht Spaß und geht in die Beine. Man meint, hier einen kleinen Adoptivsohn von Poison und Mötley Crüe zu hören, aber bei beiden Bands jeweils aus den Anfangstagen. Den Refrain singt man schon beim ersten Durchlauf mit.

„One More Time“ rockt ebenso gelungen durch die Lautsprecher, auch wenn der Refrain nicht ganz mitkommt, könnte auch irgendwie aus einem Kinderlied stammen, ist aber nicht schlimm, denn hier geht es um gute Laune und die verbreitet die Band definitiv.

„Badass“ kommt eine Spur härter rüber, was der Band aber auch gut steht. Hier darf Bassist Jalle Verne mehr in Erscheinung treten. Der Groove, der stadiontaugliche Refrain, das ist alles, was die Mucke ausmacht. Über die Texte muss ich natürlich nichts sagen, denn naturgemäß geht es hier immer nur um Frauen und die schönste Nebensache der Welt, sowie die Musik.

„Love Machine“ geht extrem in die Mötley Crüe-/Kiss (“Creatures Of The Night”-Phase)-Richtung. Geile Drums von Hessu Maxx, dazu der passende Gesang von Olli Hermann, was will das Poserherz mehr? Das geht ins Blut und wird natürlich kräftig abgefeiert.

Schade, dass dann „Beautiful Bomb“ deutlich zu poppig ausgefallen ist und im Refrain ein wenig zu sehr von den Keyboards erschlagen wird. Das ist an der Schmerzgrenze, wobei die Melodie natürlich wieder das gewisse Etwas hat.

„Romance“ kann dann leider auch nicht ganz mithalten, denn man versucht sich ein wenig mehr am US-Rock, der weniger komplex ausfällt, zu orientieren. Sicher kein schlechter Song, aber neben den anderen bleibt er einfach nicht im Kopf hängen.

„Sex“ ist dann eigentlich eine reinrassige Popnummer, die auf Rockinstrumenten dargeboten wird. Nicht schlecht, aber für mich dann doch zu seicht. Über den Text möchte ich mich jetzt auch nicht mehr auslassen, denn beischlafverherrlichende Lyrics, die eben diesen als Allheilmittel darstellen, nein, also im Zeitalter von AIDS, ich weiß nicht.

„Back To Paradise“ wird von einer Kiss-Gitarre eingeleitet. Umbettet von elektronischen Drums und viel poplastigem Schmalz, der sogar melodietechnisch an alte Orchestral-Manoeuvres In The Dark erinnern will. Lustige Verschmelzung mit Ohrwurmcharakter, aber ohne Chance, mein rockendes Herz zu gewinnen.

Cool, wie Olli dann in „So Yeah!!“ für Abwechslung sorgt. Das macht wieder deutlich mehr Spaß und geht auch besser in die Glieder. Das hat sogar deutlich mehr US-Flair durch die Zwischenrufe und Erzählungen. Das ist hochklassig und diesmal sogar von der Instrumentierung her höherwertig.

„Wild Touch“ könnte dann absolut in die eher schlechtere Mötley Crüe-Phase passen. Gefällige Vocallines, ohne aber wirklich zu überzeugen. Trotzdem rockt der Song wirklich nicht schlecht. Das geht auf jeder Nicht-Metalparty!

Den Abschluss bildet dann „Born To Rock“. Cool, wie hier ein schon tausendmal gehörter Refrain nochmal geringfügig geändert aufpoliert rausgehauen wird. Nun ja, wer sich als Mann so kräftig schminkt, der hat wahrscheinlich eh kaum Schamgefühl. Aber was soll es, der Refrain funktioniert halt immer wieder. Und damit kann die Band auch von sich behaupten, absolut nichts falsch gemacht zu haben.

Fazit: Klar, man bekommt hier nichts Innovatives. Hier wird vielmehr geliehen und abgekupfert. Aber mal ganz ehrlich, worum geht es bei Musik? Natürlich darum, dass sie Spaß macht und genau das bekommen die vier Finnen hin. In den Achtzigern hätte die Band einen gewissen Status erlangen können. Heute ist die Situation irgendwie schwieriger, da die Mucke nicht unbedingt angesagt und vor allem nicht neu ist. Aber genau darin liegt wahrscheinlich die Chance der Band, denn sie zockt qualitativ hochwertig und sieht sich weniger Konkurrenz ausgesetzt.

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