Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Reaper: Gardens Of Seth

Mit Einflüssen von Grave Digger und Goethe?!
Wertung: 6.5/10
Genre: Heavy Metal
Spielzeit: 44:39
Release: 06.11.2009
Label: STF-Records

Quizfrage: Welche Band feiert in diesem Jahr ihr 25-jähriges Jubiläum? Wenn ihr jetzt spontan „Reaper, natürlich“ sagt, bin ich ehrlich gesagt ziemlich beeindruckt. Denn mir sagt dieses deutsche Quartett rein gar nichts. Dennoch gebührt ihnen natürlich Respekt für so eine lange Zeit des Bestehens. Musikalisch hört man ihnen ihre Gründungszeit, die tiefsten 80er, deutlich an. Klassisch deutscher Heavy Metal à la Grave Digger und alte Rage mit leichten amerikanischen Anleihen der Marke Iced Earth bilden die Eckpfeiler von „Gardens Of Seth“.

Um es vorweg zu nehmen: Einer der größten Pluspunkte dieses Albums ist, dass die Musik nicht, wie zuerst befürchtet, extrem angestaubt klingt, sondern mit hörbarem Enthusiasmus gespielt wird. Kreativität geht zwar anders und auch die Produktion ist nicht die Beste, aber Reaper sollten ihre Fans und Traditionalisten mehr als zufrieden stellen können. Das instrumentale Intro „Into The Gardens Of Seth“ und das darauf folgende „The Age Of Hunger“ bieten wirklich tolle, abwechslungsreiche Gitarrenarbeit, während der Gesang Geschmackssache ist. Daniel Zimmermann hat hörbare Ähnlichkeiten mit Chris Boltendahl von Grave Digger, versucht sich aber auch gelegentlich („Super Mystique“) an cleanem Gesang, der mich manchmal von der Tonlage her an Warrel Dane (Nevermore) erinnert. Die Klasse Danes oder die charismatische Röhre Boltendahls erreicht er dabei aber nicht. Wenn man sich damit aber arrangieren kann, bieten Reaper durchweg solide Kost mit „Ausreißern“ nach oben und unten.

Gut ins Ohr geht beispielsweise das bereits erwähnte „Super Mystique“, das wiedermal von den wirklich starken Melodien an der Gitarre getragen wird. Ebenso gelungen ist der Mid-Tempo-Hammer „Revolution“ ausgefallen. Ein kleines Highlight ist auch das ruhige Instrumental „Al Andaluz“, das zum Ende hin ein wenig an einen Western-Soundtrack erinnert und ansonsten wie ein kitschfreies Stück von Blackmore's Night wirkt. Überhaupt funktioniert „Gardens Of Seth“ bis zu diesem Lied sehr gut, auch wenn das Album mit Sicherheit nicht den Durchbruch für die Band bedeuten wird. Dazu gibt es einfach zu viele ähnlich gelagerte Gruppen, die den Markt regelrecht überschwemmen.

Negatives gibt es aber natürlich auch zu vermelden, denn das ambitionierte Ansinnen der Band Goethes „Der Erlkönig“ in ein Metalgewand zu kleiden, geht erwartungsgemäß völlig daneben. Der Gesang klingt schwülstig, pathetisch und wirkt eher so, als wollte man mit diesem Lied irgendetwas parodieren. Da hilft es auch nicht, dass das Songwriting sehr abwechslungsreich ausgefallen ist. „Der Erlkönig“ ist ein sehr stimmungsvolles Gedicht beziehungsweise eine Ballade, aber als Heavy-Metal-Version wirkt es einfach nur albern. Vor allem die letzten Zeilen führen bestenfalls nur noch zum Kopfschütteln. Über die ebenfalls sehr schwache Black Sabbath-Verbeugung „Light Of Anger“ will ich mich nicht so lange auslassen, da sie das Album ziemlich nichtssagend abschließt.

Fazit: Beim ersten Durchhören hielt ich „Gardens Of Seth“ für ein typisches Durchschnittsprodukt, wie sie monatlich zu Dutzenden veröffentlicht werden. Damit tut man Reaper aber Unrecht, denn ihre Songs sind größtenteils gut, wenn auch nicht überragend. Fans der alten Schule können, nein, sollten mal ein Ohr riskieren. Ich persönlich werde mit dem Gesang einfach nicht warm, habe aber schon wesentlich Schlimmeres gehört.

comments powered by Disqus

Werkschau einer der größten und einflussreichsten Rockbands aller Zeiten

Wie mit einer Ex-Freundin

Willkommen in der Husumer Sauna