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Realmbuilder: Blue Flame Cavalry

Nee, wat ein Krampf
Wertung: 4,5/10
Genre: Doom Metal/ Heavy Metal
Spielzeit: 34:13
Release: 06.12.2013
Label: I Hate Records

Sind die Rufe nach „Kult“ eigentlich zu vernehmen, das Niederknien der abfeiernden Doom-Epik-Jünger zu sehen? Klar, bei Realmbuilder deutet alles auf das ominöse „Kult sein“ hin, doch warum, das kann dann wohl kaum einer erklären. Liegt es daran, dass die Band aus nur zwei Mitgliedern besteht? Liegt es daran, dass sie mit „Summon The Stone Throwers“ 2009 oder auch „Fortifications Of The Pale Architect” 2011 schon zwei recht eigenwillige Alben veröffentlichten? Oder muss einfach alles zwangsläufig abgefeiert werden, was sich irgendwie so undergroundig anhört, dass es glatt der Geheimtipp schlechthin ist?

Nee, wat ein Krampf, so der Teaser, und das gilt für die komplette dritte Platte aus dem Hause Realmbuilder. „Blue Flame Cavalry“ strotzt nur so vor drittklassiger Gesangsleistung, wodurch die manchmal guten Ansätze in den Arrangements gleich komplett verleidet werden – selbst Manilla Road haben auf ihren schlechtesten Scheiben eindeutig mehr Epik im Gepäck als dieses New Yorker Duo.

Dabei fängt das Album doch gar nicht mal so schlecht an, auch wenn sich die Gitarrenarbeit durchaus ein wenig flüssiger gestalten könnte, doch spätestens, wenn Czar anfängt, sein Mikrofon zu missbrauchen, ist auch gleich alles zu spät und man schießt sich nur allzu gerne auf die seltsamen „Aha-Chöre“ ein, die mehr an einen 50er Kostümfilmschinken erinnern als nach einer Metal-relevanten Effektzutat.

Schön zu wissen, dass die beiden von Realmbuilder Epik als eine Reise verstehen wissen wollen und in dem fast dreizehn Minuten langen Mammutwerk „Advance Of The War Giants“ auch so manchen neuen Weg bestreiten. Doch auch hier darf man über die kauzige Verwendung der Oho-Chöre nur den Kopf schütteln, wirken sie wie ein abstoßender Fremdkörper, der es schafft, dem Gitarrenarrangement ein weiteres Ohr zu verleiden. Nach fünf Minuten ist dann auch der Rest an Akzeptanz verbraucht, der Song doomt sich uninteressant und uninspiriert und selbst für Undergroudverhältnisse mit durchschnittlicher Produktion in die Longversionsbanalität, da helfen auch nicht mehr die den Text untermalenden Kanonschläge auf die Sprünge.

„Adrift Upon The Night Ocean” startet sehr ruhig mit Akustikklampfe, Czar liefert in diesen Sequenzen auch noch seine bisher beste Gesangsleistung ab, wobei der Song selbst ein wenig spaciges Ambiente versprüht und irgendwie inhaltlich die nautische Antwort auf „The Loneliness Of The Long Distance Runner“ bedeuten könnte. Etwas depressiv, irgendwie fragend, ohne Auflösung, in den Weiten der Fluten untergehend.

Die wohl beste Nummer des Albums ist ausgerechnet der Rausschmeißer und Titelgeber „Blue Flame Cavalry“, denn die Gitarre lebt endlich mal ein wenig Aggression vor, die Drums gestalten sich ebenfalls treibend, das eingebaute Horn aber ist an Konservenmutation kaum zu überbieten – vielleicht sollten sie sich doch mal in gute Produzentenhände begeben, für die die Taktellogie kein Fremdwort ist. Nach einem doomigen Ausritt preschen sie dann doch noch zackig dem Ende entgegen, die Epik aber muss zwischendurch aus der Reitertasche gefallen sein, denn „eigene Grenzen überschreiten“ oder „für sich selbst neue Wege gehen“ haben damit einfach nichts zu tun.

Einen Anspieltipp klemme ich mir bewusst, denn kein Song kann wirklich überzeugen, weder das kurz gehaltene „They Write Their Names With Fire“ noch das Überlängenformat „Advance Of The War Giants“, denn wenn auch die eine oder andere Idee gar nicht mal von schlechten Erziehungsberechtigen ist, so rollen sich spätestens beim Gesang auch alle noch nicht verpilzten Zehennägel auf. Hör mir auf mit Realmbuilder, das ist nicht Kult, sondern eine Beleidigung für Doom, Epik und alle mittelmäßige SängerInnen. Vielleicht habe ich die Scheibe aber auch nach den mehr als 30 Durchläufen einfach nicht verstanden.

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