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RAUCHEN: Gartenzwerge unter die Erde

Wenig erhellend, dafür aber mit viel blindem Zorn
Wertung: 4/10
Genre: HC Punk, Punkrock
Spielzeit: 12:39
Release: 13.09.2019
Label: Zeitstrafe

RAUCHEN bezeichnen sich als „Feministic HC Punk from Hamburg“. Das kann und muss man erst mal so stehen lassen, ob es gleich feministisch ist, eine wahnwitzig brüllende Frontfrau zu haben, muss an anderer Stelle diskutiert werden. Punk ist allein schon die absurde Laufzeit von gerade mal etwas mehr als zwölf Minuten bei zehn Tracks und auch Titel wie „Kassenkampf“ und „Jobcentermaßnahme“ blasen da ins selbe Horn, Namensgebungen wie „Kartoffelstampf à la Mäusle“ erinnern dann gar ein wenig an Nina Hagen.

Gesangstechnisch bestehen da aber schon wieder deutlich weniger Parallelen, kredenzt uns Fronterin Nadine doch keineswegs ein so umfangreiches, buntes Repertoire wie die Grand Dame des Punk, sondern fördert genau eine Tonlage zutage: angepisst. Da kann sich die Instrumentalfraktion noch so sehr ins Zeug legen, nach dem dritten Durchlauf zuckt ein winziger Muskel unter dem rechten Auge und das linke Ohr beginnt anklagend zu fiepen.

Da hilft es auch nicht viel, dass Nadine in „Kassenkampf“ uns allen aus der Seele spricht, indem sie die nervenaufreibende Schlacht an der Supermarktkasse beschreibt, denn Menschen mögen zwar von Grund auf scheiße sein, der Einzelhandel muss aber trotzdem weiterleben – die Herren der Schöpfung fabrizieren im Hintergrund (übrigens auf ganzer Album„länge“) teils wunderbar düstere, teils erfrischend stumpfe Riffs und Fillings, die man aber durch die schiere Kürze der Songs nur schwer genießen kann. Und alle 58 Sekunden zurückskippen will ja irgendwie auch keiner.

Pluspunkte fängt sich dann ganz locker ein Song wie „Bier ist OK, aber nicht im Bierzelt“ ein, der auf den ersten Blick wenig Sinn macht; erst den Text muss man dazu lesen und kann sich dann richtig schön mit einmummeln in den Zorn, den Nadine hier versprüht. Auch das folgende „Work-High-Balance“ kann ein paar Punkte zusätzlich sammeln, was weniger an der Gift und Galle spuckenden Frontfrau liegt, sondern an den schön dissonant hin gehäkelten Riffs, die sich vor allem im Intro tummeln.

Feministischer als bei „Schwengelstrand Norddeutschland“ wird‘s dann auch nicht mehr, wobei hier nonchalant allen (älteren?) FFK-Herren ein Sonnenbrand am Gemächt gewünscht wird – ob das nun sein muss, ob man das nicht eleganter hätte machen können und warum sich Nadine erst mal grundsätzlich über die Altherrenmannschaft, nicht aber über die jüngeren und attraktiveren Nacktgänger auslässt, bleibt offen.

Was auch bleibt, ist ein eher fader Nachgeschmack. Zwar muss man bei manchen Texten tatsächlich bestätigend nicken oder auch mal beschämt grinsen und gerade Tracks wie „Jobcentermaßnahme“ bewegen sich nicht allzu weit von der Realität weg, insgesamt kann „Gartenzwerge unter die Erde“ aber nur bedingt begeistern und mit den teils doch erstaunlich unqualifiziert wirkenden Gedankengängen eher Verwirrung stiften. HC Punk? Ist klar. Blaue Flecken kann man sich auf Shows der Truppe sicherlich leicht holen. Das mit dem Feminismus muss aber noch mal geklärt werden.

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