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Rammstein:

Vielen Unkenrufen zum Trotz typisch Rammstein
Wertung: 8,5/10
Genre: Neue Deutsche Härte, Industrial Metal
Spielzeit: 46:20
Release: 17.05.2019
Label: Universal Music

Zehn Jahre hat‘s gedauert. Zehn lange Jahre, seit Rammstein „Liebe ist für alle da“ veröffentlichten, das zumindest im persönlichen Heimsoundsystem im Vergleich mit älteren Werken ähnlich häufig rotierte wie die Vorgängerplatten. Die große Preisfrage ist jetzt natürlich, ob die neue Scheibe es besser oder schlechter macht für die Zukunft der Band. Ungewöhnlich ist schon mal das Fehlen eines Albumtitels. Weniger ungewöhnlich, ja geradezu vorhersehbar war es dagegen, dass die Herrschaften direkt mit ihrer ersten Single „Deutschland“ für einen Aufschrei sorgten – jetzt mag man von der Rammstein‘schen Dauerprovokation halten was man mag, aber zu selbigem Song ist ein bärenstarkes und sehr eindringliches Video erschienen, das man auch losgelöst von der Band selbst als tolles filmisches Werk betrachten kann.

Nun liegen also elf neue Tracks vor uns, special-edition-mäßig verpackt in eine schicke Aufklappbox, in der jeder Musiker mit einem eigenen, minimalistisch gehaltenen Foto bedacht wurde, von denen natürlich wieder mal Keyboarder Flake hervorsticht. Der Mann kann einfach absolut zum Gruseln aussehen.

Textlich hat sich hier eher wenig geändert, das war aber auch gar nicht unbedingt nötig. Lindemanns oftmals schräge, bedrückende und auch verwirrende Kurztexte, die er inzwischen ja auch schon in zwei Gedichtbänden zur Schau stellte, machen nun mal einen Großteil des Charmes aus, den die Band seit ihrer Gründung 1994 innehat, über die oftmals stumpfe Darbietung kann man sich streiten. Geschmackssache ist bei Rammstein wie bei kaum einer anderen Band das A und O.

Manchmal schwankt man da selbst als Fan ein bisschen zwischen Grinsen und in die Tischkante beißen, wenn „zuhören“ auf „hören“ gereimt wird („Radio“, das auch noch über einen recht fußlahmen Refrain verfügt) oder ein Song mit „Sex“ oder „Ausländer“ betitelt auf der Tracklist steht, doch so was muss man in Kauf nehmen, seit man sich damals Hals über Kopf in das „Sehnsucht“-Album verliebte, das einem die Nachbarin schon ziemlich second-hand-lädiert schenkte. Als Rammstein-Fan ist man Kummer gewöhnt, seien wir doch mal ehrlich.

Nun aber: Es gibt durchaus Perlen auf dem unbetitelten siebten Stück Musik. „Puppe“ beispielsweise ist ein eigentlich sehr typisches Lied für die Berliner, gleichzeitig fällt es aber auch komplett aus dem Rahmen – thematisch wie so oft zwischen Ekel und Perversion angesiedelt, steht dem Stück der ruhige, teils fast verstohlen geflüsterte Gesang in den Strophen sehr gut zu Gesicht, während Lindemann im Refrain so richtig ausrastet. Ein eher ungewohntes Bild, das einem mit seiner unverhohlenen Manie einen richtigen Schreck einjagt, das man sich aber durchaus öfter wünschen würde. Am anderen Ende des Spektrums steht dann das bereits erwähnte „Ausländer“, das mit einem unsäglichen Technohampelbeat und einem recht platten Text daherkommt.

Dass Rammstein sich weiterhin nicht zurückhalten, beweist dann das von priesterlichem Missbrauch handelnde „Zeig Dich“, ein gottlob sehr klassischer Rammsteinsong mit den gewohnten marschierenden Beats, mit „Diamant“ gibt es dann sogar eine richtige Ballade auf die Ohren, die trotz nicht ganz optimaler Sangeskünste doch überraschend eindringlich daherkommt.

Auch das siebte Rammstein-Album ist wie schon seine letzten Vorgänger erneut eine Scheibe, die einen beim ersten und zweiten Durchlauf eher enttäuscht als begeistert. Gibt man dem Ganzen aber noch ein paar Umdrehungen, kristallisieren sich einige sehr gute Songs heraus, die Rammstein so zeigen wie man sie kennt: provokant, ein bisschen stumpf, aber oft auch textlich überraschend. Trotzdem: An die alten Zeiten kommt das namenlose Album nicht heran. Auch hier lassen sich aber zukünftige Lieblingssongs finden.

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