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Raintime: Flies & Lies

Absoluter Tipp!
Wertung: 9/10
Genre: Melodic Death Metal, Progressive Metal
Spielzeit: 46:23
Release: 25.05.2007
Label: Lifeforce Records

Die Italiener von Raintime sind so etwas wie meine Überraschung des Monats, denn was die Band mit ihrem aktuellen Album „Flies & Lies“ abliefert, ist absolut dazu in der Lage, viele Metalfans zu begeistern. Wer allein schon bei der Erwähnung italienischer Metalbands aufschreckt, weil er meint, hier würde erneut kitschiger „Akzent“ - Power Metal zum Besten gegeben werden, der liegt aber im Fall von Raintime völlig falsch. Geboten wird von der Band nämlich eine sehr amtliche Symbiose aus Melodic Death Metal, Power Metal und Progressive Metal oder anders gesagt, eine Mixtur aus Dream Theater, In Flames und Helloween. Und selbst, wenn Euch diese Darstellung vielleicht vom Lesen allein noch nicht völlig vom Hocker reißt, so sei Euch gesagt, dass die Verknüpfung dieser Genres in letzter Zeit selten so frisch, ungeniert und mutig klang. Besonders stark ist auch der atemberaubend druckvolle Sound des Albums, welcher „Flies & Lies“ in ein sehr modernes, knallhartes Gewand hüllt. Ein großes Kompliment geht schon an dieser Stelle an den Produzenten Tommy Hansen (u.a. Helloween und Pretty Maids), der einen fantastischen Job leistet.

Raintime bringen wirklich alles mit, was man braucht, um in der heutigen Metalszene erfolgreich zu sein. Nicht nur, dass die sechs Jungs technisch unheimlich versiert und vielseitig sind, auch besitzen sie die Fähigkeit, packende, abwechslungsreiche und höchst anspruchsvolle Songs zu schreiben. Auch die Entscheidung, Jacob Bredahl (Hatesphere) und Lars F. Larsen (Manticora) als Gastvokalisten ins Studio einzuladen, entpuppt sich als absoluter Volltreffer. Wer sich also dieses Freudenfest zeitgemäßer Metalkunst entgehen lässt, ist selber schuld.

Das Fest beginnt gleich mit dem Eröffnungssong und Titeltrack des Albums, der, eingeleitet von synthetischen Keyboardklängen und sägenden Gitarren, gleich einen unheimlichen Charme versprüht. Der Wechselgesang zwischen rauen Death Metal – Vocals und den perfekten cleanen Vocals, die etwas an James LaBrie (Dream Theater) erinnern, funktioniert ebenfalls prächtig. Dazu gesellt sich ein göttlicher Refrain, der den Song in absolute Hit – Sphären katapultiert und den Hörer direkt umhaut. Auch das Gitarrensolo ist mehr als stark und verdeutlicht noch einmal die technische Raffinesse der Herren Matteo Di Bon und Luca Michael Martina.

„Rolling Chances“ startet mit richtig druckvollen, leicht thrashlastigen Gitarren und richtig guten Düstervocals, die vor allem mit den Keyboardklängen, die zwischen poloyphon und klassisch variieren, perfekt harmonieren. Und wieder sind es der enorm gute (Klar-) Refrain sowie die Soloeinlagen, die dem Geschehen noch die Krone aufsetzen. Nun wird bei „Apeiron“ der Härtegrad nochmals angezogen, so dass der Song sehr old – schoolig wirkt. Daneben besitzt jener einen richtig bombastischen Chorus, der sofort im Ohr hängen bleibt.

Das folgende „Rainbringer“ zeigt dann auch erstmals deutliche Hardcore – Passagen, die so auch von einer Band wie Hatebreed stammen könnten und die fast schon mit den progressiven Elementen zu kämpfen scheinen. Wut und zerbrechliche Schönheit liegen hier ganz nah beieinander in diesem wirklich guten Song, der nur leider nicht ganz die Qualität der drei Vorgänger tangieren kann. Die Abstriche sind wohlgemerkt minimal. Und nun Achtung; „Finally Me“ ist ein waschechter Power / Melodic Metal – Song, der auch locker den 80ern hätte entsprungen sein können und in dem für Death Metal – Parts kein Platz ist. Meiner Meinung nach nicht unbedingt zu den Highlights der Platte zu zählen, aber aufgrund der starken Stimme von Claudio Coassin definitiv hörenswert. Wobei die Death Metal – Fans hier wohl die Fernbedienung in die Hand nehmen werden.

Sehr melodisch und verspielt geht es dann mit „Tears Of Sorrow“ weiter, bei dem die brutalen Vocals nun wieder eingesetzt werden, wenn auch etwas sparsamer. Sehr lobenswert sind hier die genialen Gitarrenmelodien (das hätten auch In Flames zu ihren „Colony“ und „Clayman“ Zeiten nicht besser hinbekommen) und der sehr eingängige Refrain. Etwas härter gehen Raintime dann aber schon wieder bei „The Black Well“ zur Sache, bei welchem sich sogar symphonischere Klänge breit machen, die der Band ebenfalls sehr gut zu Gesicht stehen und das bereits positiv erbrachte Kriterium des Abwechslungsreichtums nochmals bekräftigen.

Über das Michael Jackson – Cover „Beat It“ hülle ich allerdings das berühmte Deckmäntelchen des Schweigens. Nur kurz: Ist ganz nett und witzig, hätte aber absolut nicht sein müssen. Das folgende Riffgewitter bei „Another Transition“ macht diesen kleineren Fauxpas aber schnell wieder vergessen. Herrlich amüsant finde ich hier den genialen Refrain, der so auch von den Landsmännern Rhapsody Of Fire (zu ihren besten Tagen) sein könnte. Sehr episch, wird dieser von einem stimmungsvollen Chor getragen und bildet einen guten Gegenpol zu der brutalen Atmosphäre in den Strophen. Und beim kurzen Zwischenspiel „Burning Doll“ bleibt man in eher epischen Gefilden und leitet so gekonnt das finale „Matrioska“ ein, welches alle Attribute, die Raintime ausmachen auf einen Nenner bringt und zu den ganz großen Songs auf „Flies & Lies“ zu zählen ist.

Fazit: Ich hoffe, ich habe euch hinreichend geschildert, dass dieses Album ein richtig starkes ist und das offene Fans der angesprochenen Genres unbedingt antesten müssen bzw. es beim nächsten Besuch im CD – Laden direkt mitnehmen sollten. Hoffentlich dürfen sich Raintime zu den großen Aufsteigern des Jahren zählen und mit „Flies & Lies“ die verdienten Erfolge feiern. Absoluter Tipp!

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