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Rage: Soundchaser

Ohrwürmer mit hohem Anspruch
Wertung: 9.5/10
Genre: Power Metal
Spielzeit: 57:33
Release: 22.08.2003
Label: Steamhammer/SPV

Im Jahr 2003 wurde mit dieser Platte das dritte Lebenszeichen der „neuen“ Rage veröffentlicht. „Neu“ ist die Band, die letztes Jahr eigentlich ihr zwanzigjähriges Jubiläum feierte, weil Bandkopf Peavy das einzig verbliebene Gründungsmitglied ist. Line-Up Wechsel gab es im Laufe der Jahre so einige, aber keiner dürfte Rage bzw. Peavy härter getroffen haben, als der im Vorfeld der “Ghosts“ (1999). Dort verließ ihn das komplette Line-Up mitten in der Albumproduktion und nahm zu allem Überfluss auch Christian Wolff mit, der damals das Orchester in den Rage-Sound einband, mit. Peavy heuerte sich daraufhin mit Victor Smolski, einem aus Weißrussland stammenden Gitarristen, einen Musiker an, der ihm half, die Platte fertig zu stellen. Die beiden freundeten sich an und Smolski entschied sich, ein festes Mitglied der Band zu werden. Kurze Zeit später komplettierte der Amerikaner Mike Terrana das neue Line-Up.

Die erste gemeinsame Platte “Welcome To The Other Side“(2001) zeigte schon, was für talentierte Musiker sich Peavy da an Bord geholt hatte. Jedoch wirkte alles noch nicht richtig „rund“ und auch die Produktion stieß auf Kritik. Diese Punkte waren auf dem Nachfolger “Unity“(2002) ausgemerzt worden und man durfte gespannt sein, wie sich Rage nun weiterentwickeln würden.

Im Jahr 2003 wurde “Soundchaser“ veröffentlicht, das inhaltlich Peavys Interpretation von H.P. Lovecrafts Geschichte der Entstehung der Menschheit zum Thema hat. Musikalisch hatten die drei Musiker nun endgültig den definitiven Mittelweg gefunden, der ihre technischen Fähigkeiten mit dem eingängigen Stil von Rage vereint. Nachdem die Band in der Zeit nach „XIII“ (1998) zwar stets gute Alben ablieferte, aber immer auch einiges an Füllwerk auf den CDs zu finden war, ist “Soundchaser“ ein Album geworden, das nahezu keine Schwachpunkte enthält. Das liegt nicht zuletzt am Songwriting von Smolski, der sich für ungefähr die Hälfte des Songmaterials verantwortlich zeigt. Peavy hat offensichtlich keine Egoprobleme und lässt seinen neuen Kollegen viel Freiraum.

Nach dem Intro “Orgy Of Destruction“ geht es mit “War Of Worlds“ gleich direkt in die Vollen. Ein typischer Rage Ohrwurm, dem noch viele weitere folgen sollen. Der Titeltrack wird von mächtig rockenden Riffs angetrieben (manch einer flüster ein leises "Accept" vor sich hin), während Peavys klare, erdige Stimme über allem thront. Es ist beeindruckend, wie Rage es schaffen, solch einen Sound „nur“ mit einer Dreierbesetzung zu erzeugen.

“Flesh And Blood“ geht dann als Ballade des Albums durch. Zumindest ist es das ruhigste Stück, aber liebliche, süßliche Melodien darf man nicht erwarten. Dafür liegt zuviel Kraft in den Riffs und in Terranas facettenreichem Drumming. “Human Metal“ setzt dann noch einen drauf und ist meiner Meinung nach der beste Song der CD, was angesichts dieser Qualität etwas heißen will. Er vereinigt alle Trademarks, die diese Band ausmacht. Leider hat die Band diesen Song bisher, meines Wissens nach, noch nicht live gespielt.

Das darauffolgende “See You In Heaven Or Hell“ markiert dann leider den Schwachpunkt des Albums. Der Song wirkt im Großen und Ganzen einfach zu nett und unspektakulär. Abgeschlossen wird “Soundchaser“ mit dem zweiteiligen “Falling From Grace“, bestehend aus “Wake The Nightmares“ und “Death Is On It’s Way“. Beim ersten Song erhält Peavy mit Andi Derris von Helloween prominente Unterstützung am Mikrofon. Nach einem ruhigen Beginn steigert sich der Song immer weiter und bietet eine epische Überleitung in den zweiten Song, der das hohe Niveau leider nicht ganz halten kann.

Das Digipack des Albums enthält einen Bonus-Track namens “French Bourree“, der auf einem Stück von Bach basiert. Victor Smolski (dessen zweites Soloalbum sich komplett mit Bach beschäftigt) übertrug dieses Stück in den typischen Sound von Rage und Peavy ließ sich dazu einen Text einfallen. Der zweite Bonus-Track “Fuga“, der auf dieselbe Weise entstand, blieb leider den japanischen Fans vorenthalten.

Rage haben wieder einmal ihre außergewöhnliche Klasse bewiesen. Während andere Bands nach 20 Jahren meist zu einer blassen Selbstkopie verkommen sind, beweist die Band Mut und entwickelt sich stetig weiter. Das geschieht allerdings auf eine so geschickte Art, dass die Fans dieser Entwicklung auch folgen können und nicht vor den Kopf gestoßen werden. Und das macht sie zu einer der wichtigsten Bands der deutschen Szene!

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