Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Radio Havanna

Radio Havanna: Alerta!

Alerta!!!
Wertung: 7.5/10
Genre: Punk-Rock
Spielzeit: 36:46
Release: 04.05.2012
Label: Uncle M

Radio Havanna dürften einigen Anhängern der Punk-Rock-Szene durchaus ein Begriff sein. Für alle, denen dieser Name bisher noch nichts sagt, gibt ein beliebtes Online-Nachschlagewerk Auskunft über die gröbsten Inhaltspunkte: Radio Havanna sind eine deutschsprachige Punkrockband, die ursprünglich aus Suhl stammt, mittlerweile ihre Heimat in Berlin gefunden hat und sich in aktiv für politische und soziale Themen einsetzt.

„Alerta!“  ist das vierte Album der 2002 gegründeten Band und egal wie man den CD-Titel wortwörtlich übersetzt, mit dem ersten Song „Flüstern, Rufen, Schreien“ erfüllen die vier Herren eigentlich alles. Laut, schnell und signalhaft schneidet sich der Opener wie eine Sirene in die Ohren, ohne dabei in dumpfe, eintönige Klanggefilde abzugleiten. „Wir werden das erschlagen, was wir heute noch ertragen“  ist die wütende Ansage des Songs und dessen Aussage zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Album. Als Gastsänger ist Justin Shane von Anti-Flag zu hören, aber weniger wegen dieser Begleitung, sondern vielmehr durch die bestens passende Stimme von Fichte und den eingängigen, wie auch treibenden  Rhythmus, wird der Titel schon zum Highlight.

„Rettungsboot“ hat, wie auch sein Vorgänger, einen starken Drang nach vorn. Mehr im Straßenjargon gehalten und durch die teils langgezogenen Vocals etwas gewöhnungsbedürftig daherkommend, tut der Titel aber dem ersten positiven Eindruck des Albums keinen Abbruch.

Etwas anders steht es mit dem dritten Song. Im mittleren Tempo gespielt, scheinen Radio Havanna mit „Die Zeit rennt“ ihr Pulver schon verschossen zu haben. Es überkommt doch das Gefühl, dass man sich hier etwas schwer tut und auch der ausgedehntere Instrumentalteil kann nicht wirklich mitreißen. Allen Vermutungen zum Trotz kehrt man mit „Gewaltregime“ energiegeladen wieder zurück. Deutlich härter, mit schnellen, kurzen Akkorden untermauern die Wahlberliner ihre Textzeilen, die schon fast wie eine Adaption des Liedes „Die Gedanken sind frei“ wirken. Auch wenn man nicht so weit gehen will oder sollte, stellt dieser Titel eine gut umgesetzte Hommage an die Freiheit der Gedanken dar.

Ob nun „Wir stehen im Regen“ oder „Monster“, welches im Alltag untertaucht, die Songs greifen und hören sich einfach gut an. „Hubert - nein!“ fällt als Instrumentalstück mit abruptem Ende genau so auf, wie „Goldfischglas“ als Akustikversion. Letzteres ist ausreichender Beweis, dass die Punkrocker durchaus auch ruhig bestens unterwegs sind. Angenehm und eindringlich schafft man es hier, der CD ein weiteres i-Tüpfelchen aufzusetzen.

Mit „Die letzte Nacht“ wird der Silberling beschlossen und auf schnellen, schrummligen Punk gesetzt. Das Tempo angezogen, darf nun endlich auch gefeiert werden. Ob man nun sein Geld verbraten will, weil es morgen nichts mehr wert ist oder man einfach diese CD feiert, bleibt jedem selbst überlassen.

Definitiv regt das Gehörte dazu an, sein Gläschen auf den Pressling zu erheben. Lässig bis mitreißend kommt „Alerta!“ ohne Komplettausfälle aus und wird so zu einem Glanzstück der bisherigen Laufbahn von Radio Havanna. Die vier Herren legen solide Handwerkskunst vor und können mit abwechslungsreichen Stücken punkten, auch wenn man sich gegen Ende etwas satt gehört hat. Textlich im Polit-Punk angesiedelt, verzichten sie weitestgehend auf platte Parolen und bleiben doch auf der Straße. Fazit: Für alle, die sich für politischen Punk erwärmen können, sehr empfehlenswert.

comments powered by Disqus