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Rabenwolf: Aus alten Zeiten

Nomen est omen? Von erfüllten Klischees und echten Stärken…
Wertung: 5.5/10
Genre: Folk Metal/Pagan Metal
Spielzeit: 44:52
Release: 01.06.2011
Label: Eigenproduktion

Nicht nur Slipknot und Eluveitie stehen auf große Bands, sondern auch die Hamburger von Rabenwolf fühlen sich in einer großen Gemeinschaft wohl: Ganze acht Jungs und Mädels haben sich zu Rabenwolf vereint und sich gemeinsam dem Heidentum verschworen. Wie man bei dem leider etwas zu typischen Bandnamen schon ahnen kann, kleiden sich Rabenwolf in eine Mischung aus Folk, Pagan und Mittelalter und begeben sich damit auf ein recht modernes Gebiet des Heavy Metal.

Um dabei nicht unterzugehen, setzt die Band auf epische Melodien, die nicht selten von verspielten Flöten oder einer stimmigen Akustikgitarre getragen bzw. untermalt werden. Diese fallen durch ihre Authentizität besonders positiv in den Stücken „Aufbruch“ und „Der ewige Kampf auf“. Auch das Intro „Aus alten Zeiten“ lässt die Möglichkeit nicht aus, mit solcher Epik zu punkten. Leider braucht die epische Atmosphäre hier aber erst mal, bis sie sich durch einen anfänglichen Wust aus Synthesizer-Klängen hervorgekämpft hat. Zum Glück ist dies schon der gröbste Synth-Einsatz, den man auf dem Album „Aus alten Zeiten“ zu hören bekommt. Man darf sich also entspannt zurücklehnen und sich von Rabenwolfs Musik berieseln lassen.

Neben den bereits erwähnten sehr folkigen Melodien, tritt vor allem das hämmernde Schlagzeug hervor, das in dieser Produktion leider etwas bolleriger als gewünscht ausfällt. Von den nach eigenen Angaben „brachialen Gitarren“ kriegt man allerdings nicht viel zu hören. Gitarren sind zwar deutlich vorhanden, brachial ist dann aber doch etwas anderes. „Aus alten Zeiten“ verrät uns aber noch mehr über die Band selbst als nur über ihre Musik. Denn nicht nur bei der Bandgröße scheint sie es wie Eluveitie zu halten, auch der musikalische Einfluss dieser Schweizer Band wird im Songaufbau ihres Album „Aus alten Zeiten“ deutlich – leider jedoch ohne an die Durchschlagskraft des „Idols“ ansatzweiser heranzukommen.

Was man wiederum Rabenwolf sehr positiv anrechnen kann, sind die rauen, meist sehr keifigen Frontvocals. Diese klingen nicht nur überzeugend, sondern laden gleichzeitig auch zum Mitzetern auf, was live sicherlich gut ankommt. Um einen Gegenpart zu formen, setzt Rabenwolf zudem auf weiblichen Clean-Gesang. Dieser kann leider aber nicht so glänzen wie bei Leadsänger Stormmson. „Aufbruch“ offenbart zwar ein gutes Arrangement dieser Gegensätze, der weibliche Part wird aber so dröge umgesetzt, dass man nicht mehr deutlich ausmachen kann, ob er einfach nur klanglos gesungen wurde oder schlicht und ergreifend die Töne nicht getroffen werden. Fakt ist, dass der cleane Gesang zu wenig Leben und Energie aufbringt, um mit dem Frontkeifen mitzuhalten. Gleich in dem nächsten Song „Feld der Steine“ wird ein erneuter Versuch gestartet, den weiblichen Gesang zu integrieren. Aber auch hier verdirbt der lustlose Klang die ganze Stimmung, ohne sich dabei entscheiden zu können, ob dieser Part nun rau oder clean sein soll. Diesen Wankelmut findet man zum Glück nicht in den darüber hinaus integrierten Backing Vocals von Hati, die dem Stück mit fast ritterlichem Klang einen Hauch von Ehre zuflüstert. Ein echter Pluspunkt auf dem Album ist, leider muss man es so sagen, die Zusammenarbeit mit Fejd-Sänger Patrik Rimmerfors im Lied „Fällt av stenar“. Leider deshalb, weil seine Vocals diesen Song deutlich mehr aufleben lassen als alle anderen Songs von Rabenwolf zusammen. Traurig aber wahr, das beste Lied ist jenes mit fremden Einfluss.

Eine echte Stärke von Rabenwolf wird auf „Aus alten Zeiten“ aber besonders deutlich. Die Band legt enormen Wert darauf, ihre Lyrics so zu arrangieren, dass sie zum Mitsingen einladen – und das tun sie auch. Die heroischen Vocals brennen sich durch mehrfache Wiederholungen sehr schnell und deutlich ins Gedächtnis ein, so dass auch der vergesslichste Metaller bald keine Ausrede mehr hat, sich vorm mächtigen Mitgrölen zu drücken. Doch leider gehen Rabenwolf damit so auf Nummer sicher, dass die Gröl-Parolen nach der gefühlten hundertsten Wiederholung zum absoluten Dauernerver mutieren – und das bei nahezu jedem Lied. Auf diese Weise verbaut sich die Band leider genau den Punkt des Albums, der als der Vielversprechendste begann. Auch die Textpassagen an sich können die Fahne Nachhaltigkeit nicht hochhalten. Die Lyrics wirken mehr wie eine uninspirierte Ansammlung von Schlüsselwörtern wie „Runen“ und „Asgard“, die man heute wohl nennen muss, damit man sich Folk/Pagan Metal schimpfen darf.

Fazit: Bei diesem Album fehlt es an Eigenständigkeit (Songaufbau, Lyrics), sowie an Enthusiasmus (zumindest was den weiblichen Gesang betrifft) und an echter Schlagkraft seitens der Instrumente. Womit die Band allerdings punkten kann, ist ihr Fähigkeit mitzureißen, wenn sie es wirklich wollen. Weniger ist hierbei zumindest bei den Wiederholungen zwar mehr, der Ansatz ist aber deutlich erkennbar. Dadurch wird eine starke Eigendynamik spürbar, die im nächsten Album auf jeden Fall ausgebaut werden sollte. Sollten Rabenwolf sich darauf einlassen, könnten sie sich in diesem Punkt zu fast unbezwingbaren Höhen aufschwingen. „Aus alten Zeiten“ hat jedoch noch mit einigen Mängeln zu kämpfen. Aber wie die Band schon selber auf ihrer Homepage andeutet, muss ein Kampf erst mal gekämpft werden, bevor er als gewonnen gilt. Auf geht's! Wir sind wirklich gespannt!

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