Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Rabenschrey: Exzessivus

Das „Metalalter“ kann noch nicht 100%ig überzeugen
Wertung: 7/10
Genre: Mittelalter Rock, Folk, Metal
Spielzeit: 57:35
Release: 24.09.2010
Label: Totentanz Records

Rabenschrey könnte man kennen, wenn man des Öfteren auf Mittelaltermärkten unterwegs ist. Wenn schon nicht die Band selbst vor Ort ist, so ist sie meist doch sehr präsent, denn ab einem gewissen Alkoholpegel schallen lustige Weisen wie „Sie nannten ihn das Templerschaf, mit rotem Kreuz auf weißem Arsch“ über den Platz – das sind Rabenschrey! Neben „Templerschaf“ dürfte sie auch ihre „Hey, Wir Sind Heiden“-Version des Pippi Langstrumpf-Songs berühmt gemacht haben, wenn sie auch außerhalb der mittelalterlichen Szene kaum jemand kennen dürfte.

Dabei haben die wackeren Musikanten um Sänger Donar schon einige Band-Jahre und diverse Alben auf dem Buckel – angefangen beim ersten Output „Der Verwunschende Eichenwald“ im Jahr 2000 bis zur aktuellen Scheibe „Exzessivus“ hat die Combo nun immerhin neun Studioalben und eine Live-Scheibe unters hungrige Volk geworfen. Dabei haben die Raben jetzt einen sehr mutigen Schritt gewagt – stehen die letzten Veröffentlichungen eher für klassische Mittelaltermusik mit ordentlich Met-Anteil, finden sich auf „Exzessivus“ geradezu moderne Stücke, was vor allem der seit 2008 verwendeten E-Gitarre zu verdanken ist. Der mittelalterliche Aspekt wird natürlich – vor allem textlich – nicht vernachlässigt, trotzdem: Die ganz „authentischen“ Fans werden sich mit der neuen Scheibe vielleicht so schnell nicht anfreunden können.

Schlagwerker Axt von Octalon, Bassist Ragnar von Knochenberg, Gitarrist Ivaldis der Sanftmütige und eben Donar von Rabenschrey, der sich Gesang, Flöten und Didgeridoo unter den Nagel gerissen hat, feuern wieder aus allen Rohren und toben sich aus, wie es ihnen Spaß macht – sei es düster-bedrohlich, lustig-schunkelnd oder sarkastisch. Stimmt das „Intro“ den geneigten Fan noch mit Flöten auf recht akustische Klänge ein, haut „Laufe“ schon ordentlich mit Stromgitarren-Unterstützung rein und erinnert tatsächlich, wie von der Band behauptet, ein wenig an die gute alte Neue Deutsche Härte. Im Refrain finden sich dann aber zum Glück wieder die Flötentöne ein – was anderes hätte man auch kaum gelten lassen.

„Heiden Tanzen“ ist dann genau das, was man erwartet hatte – ein Song, der zum Tanzen, Schunkeln, Mitgröhlen einlädt. Sehr schöne Flötenmelodien im Intro leiten das Stück ein, Donars kräftige Stimme passt perfekt zu der Songdynamik – in Zukunft wird das Stück sicherlich auf jedem Mittelaltermarkt für Bewegung sorgen. Gänzlich ungewohnt, aber interessant mutet schließlich „Der Kreis“ an, der mit geknurrten Vocals zwischendurch fast schon Rammstein-mäßig daherkommt und auch sonst sehr nach Industrial klingt.

Wieder sind es die Flöten, die eigentümlich über der Musik schweben und „Bilder In Die Haut“ einleiten – großartiges Leitmotiv, ein schöner, trauriger Song, der die Gänsehaut geradezu heraufbeschwört. Fast muss man bei dieser wunderschönen Meldodie ein Tränchen verdrücken. Erst „Drachenboot“ kann wieder ein ähnliches Gefühl erzeugen, denn die „oh“-Gesänge klingen tatsächlich nach armen Seglern, die durch den Nebel navigieren. Fast gruselig könnte man den Song nennen, Flair ist jedoch unbestreitbar vorhanden.

„Wünsch Dir Was“ besticht anschließend eher durch einen ganz witzigen Text als durch die musikalische Darbietung, wenngleich Rabenschrey es eigentlich immer verstehen, auch eher durchschnittliche Songs mit einem Augenzwinkern hörenswert zu machen. „Ich Hasse Euch“ überzeugt mit erstaunlich aggressivem, eher gerufenem Gesang und einer Gitarre, die sich ins Hirn einbrennt wie kaum eine zweite. Was die Herren sich allerdings beim Rausschmeißer gedacht haben, ist mir schleierhaft – klar soll „Stumpf“ einer Persiflage sein und vor Zynismus nur so triefen, aber das grenzt doch fast schon ans Lächerliche.

Fazit: Wenn man den Vergleich zwischen „Exzessivus“ und älteren Sachen wagt, muss man sich fast verwundert die Augen reiben ob der musikalischen Metamorphose, die sich da bei Rabenschrey vollzogen hat. Die modernen Elemente stehen einigen Songs durchaus gut zu Gesicht, Industrial-geschwängerter Kram wie „Kraftvoll“ passt aber so gar nicht zu dem heiteren Wesen der mittelalterlicheren Stücke. Man darf gespannt sein, wie die Fans auf die neue Scheibe reagieren; einige starke Songs sollten sie allerdings im Zweifelsfall milde stimmen, auch wenn sich sicherlich nicht jeder mit dem neuen Gewand anfreunden kann.

comments powered by Disqus

Neues Album und Tour im nächsten Jahr

Sieben Alpha-Hein-Mücks

Doomiges Live-Konzert in eine mögliche neue Normalität

Der Erstlingsroman des Musikers kann sich sehen lassen

Werkschau einer der größten und einflussreichsten Rockbands aller Zeiten

Wie mit einer Ex-Freundin

Willkommen in der Husumer Sauna

Von Jahr zu Jahr kommt man einfach immer mehr auf den Boden der Tatsachen