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Queensrÿche: Digital Noise Alliance

Die bislang beste und düsterste QR-Platte mit Todd La Torre
Wertung: 8,5/10
Genre: Progressive Metal / Hard Rock
Spielzeit: 60:23
Release: 07.10.2022
Label: Century Media

Während die Queensrÿche-Version um Ex-Sänger Geoff Tate seit dem unerfreulichen Split vor zehn Jahren nach wie vor nur ein Album veröffentlicht hat („Frequency Unknown“, mit dem vieldiskutierten „FU“ auf dem Cover, das gerade angesichts der Querelen auch als etwas anderes als ein Akronym des Titels interpretiert werden konnte), ist die andere Seite, bei der bekanntermaßen seit Tates Rauswurf Todd La Torre das Mikro schwingt, mittlerweile bei der vierten Studioplatte angekommen. Während „Frequency Unknown“ wie schon damals erwähnt ziemlich bescheidene Reaktionen hervorrief, heimsten die „echten“ Queensrÿche mit allen Scheiben bislang größtenteils Komplimente ein und das sollte sich auch mit „Digital Noise Alliance“ nicht ändern.

Ähnlich wie bei den drei vorigen Werken wird auf Experimente eher verzichtet und klassisch-melodischem, angeproggtem US-Hard-Rock gefrönt. Experimente in allen Ehren, aber bei den Amerikanern ist das ja leider, da sind sich die meisten Fans einig, doch eher meistens in die Hose gegangen. Natürlich kann man dies als „Auf Nummer Sicher gehen“ bezeichnen, aber besser als irgendwelche unausgegorenen Wagnisse, die am Ende keiner hören will. Dass der Fünfer nach wie vor Spaß hat, ist auf jeden Fall deutlich zu erkennen.

Das knackige „In Extremis“ bildet nur den Auftakt zu einer Reihe starker Songs in bester Rÿche-Tradition, auch das folgende „Chapters“ hat einen eingängigen Refrain parat, doch in der Mitte wird die Platte so richtig stark. Bei „Lost In Sorrow“, einer dem Titel gemäß melancholisch geprägten Nummer, kommen die berühmten Doppelleads erstmals so richtig zum Vorschein, während La Torre das Ganze mit einer leidenschaftlichen Gesangsleistung inklusive coolem Schrei am Ende veredelt. In „Sicdeth“ wird dann das Tempo deutlich angezogen, das geile Mainriff lässt einen sofort mit der Rübe rotieren, wobei der Chorus recht hymnisch geraten ist und trotzdem für einen ruhigen, mystisch angehauchten Part Platz ist. Erstklassig komponiert!

Düster und mystisch angehaucht präsentiert sich auch „Behind The Walls“, dessen treibendes Riff sich erneut gut einbrennt und das mit cleveren Rhythmuswechseln und Breaks überzeugt. Die dezenten Keyboardtupfer geben dem Song des Weiteren zusätzliche Farbe. Ebenfalls äußerst stark, dennoch stellt „Into The Black“ vielleicht das größte Highlight des Albums dar: Eine wiederum melancholische, dennoch mitreißende Nummer mit tollen Melodien und Gitarren, die ganz sicher auf die Setlist kommender Konzerte gehört, die hoffentlich bald auch für hiesige Gefilde angekündigt werden – bisher sind nur US-Dates auf der Website zu finden.

Es ist keine Übertreibung, wenn man „Digital Noise Alliance“ als das bislang beste (und düsterste) QR-Album mit Todd La Torre bezeichnet. Gesang und Instrumentalleistungen sind ohnehin auf gewohnt hohem Niveau und kompositorisch hat man noch mal ein Schippchen draufgelegt. Und wenn davon die Rede ist, dass Experimente eher außen vorgelassen werden, heißt dies natürlich nicht, dass man nicht trotzdem vielfältig agieren würde. Progressive Elemente werden immer mal wieder unaufdringlich eingebaut, so vor allem auch im abschließenden „Tormentum“, der längsten Nummer der Scheibe.

Außerdem wird im schleppenden „Nocturnal Light“ mit elektronischen Elementen gearbeitet und in Form von „Forest“ findet sich die standardmäßige „Quotenballade“, die aber gewohnt unkitschig ausgefallen ist und vielmehr für zusätzliche Abwechslung sorgt. Als einen der wenigen Kritikpunkte könnte man möglicherweise den etwas komprimiert tönenden Drumsound erwähnen, doch wirklich ins Gewicht fällt dies nicht.

Apropos Drums: Erstmals ist nach dem Ausstieg von Scott Rockenfield 2017 (der den gelernten Felleverdrescher Todd La Torre seinerzeit dazu veranlasste, das letzte Album „The Verdict“ selbst einzutrommeln) im Übrigen der ehemalige, langjährige Kamelot-Schlagwerker Casey Grillo zu hören, der bereits zuvor als Tourschlagzeuger für die Truppe fungierte, wodurch mit Gitarrist Michael Wilton und Bassist Eddie Jackson nun nur noch zwei Originalmitglieder dabei sind. Eine bemerkenswerte Platte ist der Band mit „Digital" gelungen; natürlich nicht auf dem schwindelerregend hohen Level von „Operation Mindcrime“ oder „Empire“, aber jedem Fan der Klassikerwerke sollte die Scheibe Bock machen. Das „Rebel Yell“-Cover am Ende hätte es nicht zwingend gebraucht (der Song dürfte inzwischen zum Erbrechen gecovert worden sein), stören tut’s aber auch nicht unbedingt.

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