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Queensrÿche: Condition Hüman

Eindeutig stärker als die Erstlingsscheibe mit Todd La Torre
Wertung: 8/10
Genre: Progressive Metal / Hard Rock
Spielzeit: 53:24
Release: 02.10.2015
Label: Century Media

Na, so was! Da kommt ein neues Album von Queensrÿche heraus und die gesamte Redaktion scheint dies zu übersehen. Dabei hatten die Amerikaner vor zwei Jahren mit ihrer damals veröffentlichten, selbstbetitelten Langrille endlich mal wieder brauchbares Material veröffentlicht, das wenigstens wieder ein bisschen die davor herausgebrachten, teils erschreckend schwachen Outputs revidierte. Auch auf „Queensrÿche“ war sicher nicht alles Gold was glänzt, aber wenigstens klang die Seattle-Combo wieder nach einer Metalband und nicht einer Truppe, die auf Teufel-komm-raus den Mainstream erobern will und mit weichgespültem, zahnlosem und uninspiriertem Songwriting langweilt.

Todd La Torre, der neue Mann am Mikro, hatte da sicherlich seinen Anteil, konnte den Rest der Band offenbar wieder zu besseren Leistungen anstacheln, dennoch war dem 2013er Album anzumerken, dass man vielleicht noch ein wenig in der Findungsphase steckte – man freute sich, dass die Band endlich wieder halbwegs vernünftiges Zeug auf den Markt warf, aber man war jetzt auch nicht geneigt, in totale Begeisterungsstürme auszubrechen. Mit „Condition Hüman“ (die Tüddelchen sind natürlich kein Tippfehler) legen die Amis nun ihren zweiten Longplayer mit Todd vor, der soundtechnisch und songschreiberisch schon eine Steigerung darstellt. Über den erneut sehr dominanten und etwas sterilen Klang des Schlagzeugs kann man durchaus diskutieren, aber nach einer Eingewöhnungsphase mit einigen Rotationen lässt sich damit leben – es hat auf jeden Fall schon größere akustische Verbrechen gegeben.

Außer Frage steht in jeder Beziehung, dass man in Sachen Songs nicht nur quantitativ (die „Queensrÿche“-Scheibe war mit 35 Minuten dann doch arg kurz ausgefallen), sondern auch qualitativ einen Zahn zugelegt hat. Das eröffnende „Arrow Of Time“ war bereits zuvor im Internet als Appetizer zu hören gewesen und wusste auf Anhieb zu gefallen: Wenn das Ganze auch schon gleich mit einer Twingitarren-Fanfare eingeleitet wird, lacht selbstverständlich das Fanherz, und auch der Rest des Songs ist äußerst mitreißend geraten und dazu mit einem Refrain ausgestattet, den man gerne mitsingt – sehr stark und durch und durch Queensrÿche.

Die Lust auf mehr ist somit gleich geweckt und mit dem irgendwie an Crimson Glory erinnernden „Guardian“ geht es bockstark weiter; vor allem das Riffing und überhaupt die schnörkelige Gitarrenarbeit stechen hier hervor und ein erneut sich schnell im Kopf festsetzender Chorus tut sein Übriges dazu. Es sind außerdem die Details, die Spaß machen: Die Breaks und Wechsel sind wohl durchdacht, ohne dass man von Vorhersehbarkeit sprechen müsste. Das gilt vor allem für den finalen Titelsong, der mit knapp acht Minuten auch die längste Nummer darstellt, ein bisschen mehr in den Prog-Roots der Jungs wühlt und tolle Wendungen beinhaltet.

„Bulletproof“ und „Just Us“ zeigen wiederum auf, dass man im Hause Queensrÿche nicht verlernt hat, Balladen zu schreiben. Erstere kommt mit einem dramatischen Refrain daher, letztere ist beschwingt-akustisch gehalten, beide koexistieren zwischen den harten Rocksongs problemlos und enthalten keinerlei Spuren von Kitsch und Schleim. Hier wird sicherlich kein Niveau à la „Silent Lucidity“ erreicht, aber das wäre auch zu viel verlangt – sehr gut ist das Gebotene trotzdem.

In Form des Midtempo-Stampfers „Hellfire“ hat man außerdem eine richtige Granate im Gepäck (wieder ein Hammer-Refrain!), da geht das anschließende „Toxic Remedy“ geradezu ein wenig unter. Dennoch ist auch dieser Track nicht zu verachten, genauso „Eye9“, das eine recht melancholische Note versprüht, und wiederum mit Eingängigkeit punkten kann. Bei „Hourglass“ macht sich dann besonders die Mantra-artig wiederholte, ohrwurmige Passage im zweiten Teil („spiraling the hourglass…“) ziemlich gut.

Insgesamt sorgen Queensrÿche für viel Abwechslung und auch wenn nicht mehr wie zu „Mindcrime“- und „Empire“-Zeiten jeder Song ein absoluter Volltreffer geworden ist (so plätschern „Selfish Lives“ und „All There Was“ ein bisschen vor sich hin, ohne dass man von wirklich schwachen Kompositionen sprechen müsste), darf man als Fan mit „Condition Hüman“ mehr als zufrieden sein und macht bestimmt keinen Fehler, diese CD zur heimischen Sammlung hinzuzufügen. Sie können’s noch!

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