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Queen: Live At The Rainbow '74

Absoluter Pflichtkauf!
keine Wertung
Genre: Classic Rock
Spielzeit: 64:29/79:40
Release: 05.09.2014
Label: Virgin EMI Records

Wiederveröffentlichungen legendärer (Live-)Alben sind wahrlich keine Seltenheit, teilweise wird man regelrecht damit zugeschüttet und fragt sich so manches Mal nach der Sinnhaftigkeit eines solchen Releases, schließlich gibt es jede Woche schon genug richtige Neuerscheinungen. Mit dem vorliegenden „Live At The Rainbow ’74“ von Queen jedoch verhält es sich anders: Man könnte angesichts der Tatsache, dass das darauf enthaltene Material bereits 40 Jahre auf dem Buckel hat, annehmen, dass es sich hier wieder nur um einen Re-Release handelt, tatsächlich aber ist das Ganze noch nie zuvor erschienen – anlässlich des runden Geburtstages jener wegweisenden Tour hat man diese alten Perlen nun endlich ausgegraben und sich dabei erfreulicherweise wirklich viel Mühe gemacht.

Die Live-Sternstunde der englischen Rockband, die wenig später zu einer der erfolgreichsten Formationen aller Zeiten werden sollte, wird in allen erdenklichen Vairanten präsentiert: als Blu-ray, als DVD, auf Vinyl, in verschiedenen Download-Formaten sowie in CD-Form. The-Pit.de lag als Promo das CD-Digipak vor, auf dem zwei Shows enthalten sind: auf dem ersten Silberling eine vom März und auf dem zweiten eine vom November 1974, wobei das erste Konzert von der „Queen II“-Tour stammt, während das zweite während der „Sheer Heart Attack“-Rundreise mitgeschnitten wurde. Damals war es ja nicht so ungewöhnlich, auch mal zwei Alben innerhalb eines Jahres herauszubringen. Logisch außerdem, dass die zweite Scheibe wesentlich umfangreicher geraten ist, schon allein, weil Freddie Mercury und Co. im späteren Verlauf des Jahres natürlich mehr Material beisammen hatten.

Da uns „Live At The Rainbow ’74“ nur im Audioformat vorliegt, kann in dieser Besprechung leider nicht darauf eingegangen werden, wie qualitativ gut das Bild bei der Blu-ray bzw. DVD ist, allein was die CD angeht, wird allerdings schon nach wenigen Tönen klar, dass kein Queen-Fan auf dieser Welt um die Anschaffung des Produkts, in welcher Variante auch immer, herumkommt. Der Sound ist absolut fantastisch, hier wurde ausgezeichnete Arbeit geleistet; die Angelegenheit klingt sowohl organisch als auch sehr authentisch live, die einzelnen Instrumente tönen glasklar und differenziert aus den Boxen, es wurden keine Ansagen herausgeschnitten, das Publikum ist deutlich zu vernehmen und was die wahnsinnig akkurate Performance angeht, so kann man gleichermaßen nicht die leiseste Kritik üben. Die Band war damals ja noch sehr jung und man hört bei jeder einzelnen Note, dass diese Jungs richtig hungrig waren und tierisch Bock hatten, live zu spielen. Allein Brian Mays Gitarre ist ein einziger Genuss – besser kann eine elektrisch verstärkte Klampfe im Rockbereich einfach nicht klingen. Drahtig, schneidend, saftig, voll und trotz Mays bekanntermaßen sehr singendem Ton immer noch mit der nötigen Portion Dreck und Attitüde versehen, wie es sich bei echter Rockmusik gehört.

Allerdings stehen Mercury mit seiner Götterstimme und John Deacon am Bass sowie Roger Taylor am Schlagzeug dem Gitarristen in nichts nach und man hat zu keiner Sekunde das Gefühl, dass da irgendetwas mit Overdubs oder ähnlichem nachbearbeitet wurde. Zumal die Briten im Booklet einmal mehr darauf hinweisen, dass niemand Synthesizer gespielt habe. Wer Queen nur als Poprock-Band aus den Achtzigern kennt (wobei sie im Gegensatz zu vielen anderen Rockbands, die in dieser Zeit ebenfalls mit seichteren, poppigeren Sounds experimentierten, auch dann immer noch gut waren), sei darauf hingewiesen, dass der Vierer auf dem vorliegenden Doppeldecker ziemlich Arsch tritt und um einiges aggressiver als auf Platte klingt – so muss es sein!

Sympathisch ist außerdem, dass die in der Tracklist extra aufgeführten Gitarren- und Drumsoli nur kurz währen (und gerade bei May auch tatsächlich innovativ sind) und eher in den jeweiligen Song eingebettet wurden; wie seinerzeit Ritchie Blackmore, Jimmy Page oder John Bonham eine halbe Stunde herumzugniedeln, haben ein Brian May und ein Roger Taylor nicht nötig. Mich persönlich haben solche überlangen Selbstdarstellungen, wie schnell und kompliziert man spielen kann, schon immer angeödet, was allerdings natürlich nichts an meiner Verehrung für Blackmore, Page und Bonham ändert, um dies hinzuzufügen.

Langer Rede, kurzer Sinn: Nicht nur Queen-Fans, sondern allgemein Supporter von klassischem Rock müssen „Live At The Rainbow ’74“ unbedingt haben, anders geht es gar nicht! Es hat lange genug gedauert (warum auch immer), bis endlich Queen-Livematerial aus den Siebzigern auf Tonträgern erhältlich war, dafür jedoch ist das, was hier vorliegt, nicht weniger als überragend. „Father To Son“ (mit einem Intro, das Dream Theater später ziemlich schamlos für ihren nichtsdestotrotz ebenfalls göttlichen Song „Surrounded“ klauten), „Ogre Battle“, „Son And Daughter“, „Seven Seas Of Rhye“ oder die wunderschöne Halbballade „White Queen“ sind herrliche Kleinodien, die beweisen, dass das Quartett auch schon vor „Bohemian Rhapsody“ oder „Another One Bites The Dust“ erstklassige Songs geschrieben hat. Man genießt, versinkt, schwärmt und ist doch auch ein wenig traurig, dass man diese großartige Band niemals (mehr) live wird sehen können.

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