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Pyrior: Portal

Lohnt sich, den Trip einfach mitzugehen
Wertung: 7/10
Genre: Psychedelic Rock, Space Rock, Stoner Rock, Art Rock
Spielzeit: 39:08
Release: 02.12.2016
Label: Sealight Records / Fuzzmatazz Records

„Berlin liegt in der Luft, Pyrior soll es uns geben, 'Portal' für ein ganzes Leben....“ - oder so ähnlich. Nun, so einfach banal ist die Mucke der Drei dann doch nicht, sondern verlangt schon ein gehöriges Maß an Scheuklappenscheuheit ein. Der vorliegende Longplayer ist auch schon der dritte aus dem Hause Pyrior, die ja hier auf The-Pit.de von unserer Ost-Tina für den zweiten Output „Onestone“ mit dem Titel „Kleinod des Stoner Rock“ geadelt wurden. Das mag allerdings für das neue Album ein wenig in die Irre führen, denn Stoner ist wahrlich auch jetzt wieder reichlich drin, konkurriert allerdings mit Psychedelic- und Space-Rock bis hin zu Art-Rock-Elementen, was man schon wissen sollte, wenn man halt nur auf trockene Wüstenluft steht.

Sieben neue Nummern hat das Berliner Trio also erneut zusammen gejammt – ja genau, davon ist nämlich recht viel Flair auf ganz natürliche Art und Weise im Studio zusammen gekommen, das muss man auch erst einmal hinbekommen, um nicht als uninspirierte Instrumentalkacke durchzugehen. Zudem haben Pyrior ihr instrumentales Spektrum weiter verfeinert, beginnen die „Portal“-Zeitreise mit „In To“ auch erst bedächtig und zerbrechlich, mehr spacig und postrockig, der Stonerrock ist wenn überhaupt nur marginal zu entdecken, Jam-artig aber steigern sie sich mit zarten Klampfentönen und tasten sich fast schon hypnotisch an die härteren postrockigen Klänge an.

Da wird schon früh deutlich, dass hier natürlich schnell Sand im Ohrmuschelgang aufkommen kann, wenn man darauf nicht eingestellt ist und sich der neuen Pyrior-Welt nicht öffnen will. Ein Song geht nahtlos in den anderen über, womit eben auch keine Atempausen entstehen, so auch bei „Untitled“, wo Rock und reichlich Fuzz erahnen lassen, dass sich das Trio erst zögerlich an den Stoner heranpirscht und zarte Zerbrechlichkeit mit staubtrockenen Wüsteneruptionen konkurriert, wobei der 70er Flair durchweg punkten kann. Der Titeltrack „Portal“ geht als experimenteller Psychedelic Rock in die Offensive und fordert den Hörer auf, sich auf den Trip einzulassen, nur um dann mit der vollen Stonerdröhnung hinweggefegt zu werden. Spielerisch experimentell, aber eben auch offensichtlich nicht konzeptlos, gewaltig und im nächsten Moment wieder spacig zerbrechlich, so legen Pyrior immer mehr Wert auf eine deutlich dröhnendere Wirkung.

Das kryptische „SR388“ spiegelt so nur kurz den Anfang des Albums wider und startet wie eine Weltraumodyssee, doch schnell rocken sich wieder die Stonerriffs in den Vordergrund und transportieren eine schon aggressiver peitschende Wüstenluft, nur um im jazzig-spacigen Postrocksand abzutauchen. Das auch zu Videoehren gekommene „Zebes“ dagegen kraftstrotzt mit Uptempo und erneut hypnotischem Charakter, kann seine Jamverliebheit nicht abstreiten und lässt Fuzz, Stoner und spacige Elemente geradezu verschmelzen, wobei das verschleppte Ende mit Klampfenwalgesangimitation – die Weltraumuniversalsprache – sich sehr strange für Galaxisanhalter anhört.

Gut vier Minuten in „Earth“ sind von der Akustikgitarre geprägt, wie eine Zäsur nach dem fast schon wilden Aufbegehren markiert, und auch wenn man das als Ruhepunkt ansehen könnte, geht über die Zeit dann doch ein wenig Stimmung verloren, bevor sich schließlich ein paar heftigere, niemals aber zu aggressive Gitarren ins Stimmungsbild einbringen, nur um dann Artrock-mäßig wie beim Klangschalenexperiment Distanz mit einzelnen, gezogenen Tönen zu schaffen. Zuerst nur undeutlich schieben sich die Stonereinflüsse in „Winter Is Coming“ langsam voran, um dann mächtiger in den Vordergrund zu sprießen und zusammen mit erneut Artrock-artigen Einflüssen eine eigene Mischung aus Jam und Stoner meets Fuzz zu kreieren und dabei sogar ein bisschen proggig-jazzig ohne Angestrengtheit über knapp neun Minuten einzuweben.

Leichte Kost haben Pyrior ganz sicher nicht auf „Portal“ zusammengeschraubt, Genre-offene HörerInnen werden trotzdem nicht überrollt, sondern bekommen eine eigene verquere Berlin-Wüsten-Mischung präsentiert, die man sich erarbeiten muss. Lohnt sich, den Trip einfach mitzugehen, dafür braucht man noch nicht einmal bewusstseinserweiternde Unterstützung.

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