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Pyramid Head: Munched By The Bug

Prog Metal, der alles andere als ladylike daherkommt
Wertung: 8/10
Genre: Progressive Metal, Rock
Spielzeit: 33:50
Release: 23.09.2010
Label: Eigenproduktion

Pyramid Head ist eine Band, die man schlecht in einem Satz beschreiben kann. Die Berliner Combo mit der zynischen Frontfrau macht sich die Welt, wie sie ihr gefällt – dabei heraus kommt dann eine Mischung aus Skunk Anansie-mäßigem Rock, Progressive Metal und einer gehörigen Portion Arschtritt. Alles was Spaß macht also, garniert mit einem höchst trashigen Cover. Dabei wird gegroovt, ordentlich gerockt und auch mal richtig die Sau rausgelassen – Sängerin und Gitarristin Ginger van der Pieps, die glücklicherweise ihrem Namen keinerlei Ehre macht, nimmt den Hörer mit auf eine Achterbahnfahrt der Emotionen, unterstützt von Gitarrist und Mitsänger Jakob, Bassist Phil und Drummer Sascha.

Bereits Anfang 2009 setzte man sich zusammen, um Ideen auszutüfteln und Songs zusammenzubasteln – Ergebnis dieses kreativen Exzesses ist die erste EP „Munched By The Bug“. Hier sollte man sich vom Cover wirklich nicht abschrecken lassen: Was aussieht wie die CD-Front einer grottigen Thrash-Band, entpuppt sich als Tor zum eigenwilligen Progressive Metal der Berliner. Hier wird auf die üblichen Female-Vocals-Klischees verzichtet, es gibt weder Operngesang wie zum Beispiel bei Within Temptation noch unmenschliches Growlen im Stil von Landmine Marathon, obwohl Ginger beispielweise beim Opener „You’ve Never Been Told To“ ganz schön Eier beweist und sich auch mal zu dem ein oder anderen Schrei hinreißen lässt.

Geschmackssache ist die Stimme der Lady sicherlich, und auch an das teils etwas konfuse Zusammenspiel von Schlagzeug und Gitarrenfraktion muss man sich möglicherweise erst mal gewöhnen, aber ist man erstmal drin im Pyramidenkopf-Sound, bewegen sich Beine und Kopf ganz von alleine. „You’ve Never Been Told To“ leitet wie erwähnt mit knapp siebeneinhalb Minuten und mystischen Percussionklängen die Scheibe ein – überhaupt scheinen die Vier Freunde längerer Stücke zu sein, denn der Opener ist zugleich der kürzeste Track der Platte. Gingers leicht kratzige Rock’n’Roll-Stimme und die Prog-Gitarren treiben den Song direkt voran und es umweht uns ein Hauch von Achtziger Jahre-Punk – sehr cool! Ein bisschen Nu Metal spielt auch mit in den Sound, wenn die Dame sich erst erfolgreich im Sprechgesang versucht und dann losschreit – wirklich großartig; wenn die Platte so weiterläuft, kann man sich entspannt zurücklehnen und begeistern lassen.

„P-Head“ bringt ein bisschen den Psychedelic-Prog der Siebziger Jahre zurück, was die Gitarren und den Gesang angeht. Der Bass ist erfreulich dominant, auch wenn er sich ein wenig hinter Miss van der Pieps’ Stimme versteckt. Vokalistisch gesehen ist hier wie auch auf den anderen Tracks der EP alles vertreten, von klarem, weichem Gesang über heiseres Rufen – Ginger weiß genau, wie sie die Hörer rumkriegt. „The Latent Claim“ beginnt dann mit Tribaldrums und einer fast romantisch anmutenden Melodie, die aber auch eine gehörige Portion Traurigkeit vermittelt – dem Anfang nach wäre das Stück auch gut als Instrumental durchgegangen, aber mit solchen halben Sachen geben sich Pyramid Head natürlich nicht zufrieden. Stattdessen bietet Ginger hier ihre bisher beste Gesangsleistung mit ruhigem Gesang, der so gar nicht zu den vorherigen Ausrastern passen will und gerade deshalb einen schönen Kontrast bildet. Der Mittelteil des Tracks wird von einer kleinen Jam-Session beherrscht, bei der eigentlich nur ein sphärisches Keyboard fehlen würde, um den Trip vollkommen zu machen – die zweite Hälfte des Songs gestaltet sich dann schon eine Spur aggressiver und vor allem treibender; ein tolles Stück, bei dem man kaum stillsitzen kann.

Wer jetzt dachte, die Jungs und die Lady könnten kein Ass mehr aus dem Ärmel zaubern, der hat nicht mit der Prog-Note der Combo gerechnet: Das finale „Her Seclusion“ schlägt hörbar mehr in die Metalkante als die vorherigen Stücke und lädt zum gepflegten Headbangen ein. Ginger klingt teils wirklich fies, meist aber vor allem zynisch und hat hörbar Spaß daran, den Hörer auditiv in den Arsch zu treten. Die länger gezogenen, klaren Vocals erzeugen dann richtig dicke Gänsehaut, bevor sich die Gitarrenfraktion in Ekstase spielen darf und ein erstklassiges Solo abgeliefert wird. Wer sich bisher gefragt hat, wo die Vocals von Gitarrist Jakob geblieben sind, der darf jetzt aufhorchen: Man hatte ja alles mögliche erwartet, von Shoutings über Backgroundunterstützung, aber was Ginger und ihr Compagnion hier abziehen, ist wirklich großes Kino: Während sie in ihrer leicht fiesen Stimme bleibt und nebenbei zeigen darf, dass sie auch wirklich singen kann, setzt Jakob immer im Wechsel mit recht tiefer Stimme und opernhaftem Gesang ein. Grandios! Wenn der Track auch sonst Mist wäre – was er glücklicherweise nicht ist – hätte er allein für diesen Part das Prädikat „Anspieltipp“ verdient.

Bei Berliner Bands bin ich aus Prinzip erstmal skeptisch – zu trendy kommen die meisten daher, aber Pyramid Head bilden da mit dem rotzig-dreckigen Progressive Rock’n’Roll mit Metalkante eine gelungene Abwechslung. Ein wenig muss man sich vor allem in Gingers Stimme reinhören, aber immer nur dasselbe wäre ja auf Dauer auch sterbenslangweilig. Da liegen die Erwartungen für ein Full Length-Album natürlich immens hoch – mal sehen, wie sich das Quartett auf voller Distanz präsentiert.

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