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Pure Reason Revolution: Hammer And Anvil

Keine überragende Leistung, aber eine gute Electro-Rock-Platte
Wertung: 7.5/10
Genre: Electro, Progressive Rock
Spielzeit: 52:02
Release: 15.10.2010
Label: Superball Music

Die Briten Pure Reason Revolution sind hierzulande eher noch ein unbeschriebenes Blatt, in ihrer Heimat aber schon der nächste große Wurf nach der Erfindung des Toilettenpapiers – mit Größen wie The Prodigy und Placebo teilten sie bereits die Bühne und allein an diesen zwei Bandnamen lässt sich der Sound der Combo festmachen: Meist fragile, weich schwebende Beats treffen auf kräftige, rockig angelegte Gitarrenriffs und eine generelle Clubtauglichkeit, die vor allem den schnell ins Ohr gehenden Rhythmen zu verdanken ist. Dabei sind die Stücke der neuen Scheibe „Hammer And Anvil“ keineswegs simpel gestrickt, sondern verflechten viele progressive Fäden auf einmal – trotzdem ertappt man sich schon beim zweiten Durchlauf dabei, wie man leise mitsummt oder auf dem Stühlchen mitwippt.

Sicherlich ist die Bonus-DVD, die zusammen mit der Limited Edition herausgegeben wird, einen Blick wert – uns liegt hier „nur“ die Standard Edition, also das Album mit zehn Songs, vor. Dabei sind die drei Herren und die Lady ganz schön umtriebig: 2009 veröffentlichten sie mit „Amor Vincit Omnia“ und „The Dark Third“ gleich zwei Scheiben, ein Jahr später legen sie nun mit „Hammer And Anvil“ fast schon ein Konzeptalbum nach – das Konzept nämlich, Prog Rock und Electro zu einer unnachahmlichen Mischung zusammenzupressen, aus der man Einflüsse wie Depeche Mode oder The Smashing Pumpkins recht schnell heraushören kann.

Gleich der Opener „Fight Fire“ verbreitet ein wenig Prodigy-Stimmung mit seinen durchaus innovativen Samples – Sängerin, Keyboarderin und Bassistin Chloe Alper liefert gekonnt die Vocals; Glück gehabt, bin ich doch bei Sängerinnen immer sehr skeptisch. Auf den Song kann man sicherlich die ganze Nacht abtanzen, bis die Schuhsohlen qualmen –ein super Einstieg! Die Stimme von Mitfronter Jon Courtney lässt sich etwas gewöhnungsbedürftiger an, klingt sie doch wie eine leicht quietschige Version von Brian Molko (Placebo). Da kann „Patriarch“ leider nicht völlig überzeugen, aber noch ist ja nicht aller Tage Abend.

„Last Man, Last Round“ läuft mit der Hilfe von Herrn Courtney erschreckend poppig an, sobald der Beat aber ins Spiel kommt, entpuppt sich das Ganze als Electro-Track erster Güte, nur dass für meinen Geschmack der Refrain ein wenig zu süßlich geraten ist. Grandioserweise entschädigt direkt im Anschluss „Valour“ für diesen kleinen Faux-Pas – großartig, wie sich Chloe und Jon die Vocals gegenseitig zuspielen, auch mal gemeinsam zelebrieren und in einem mit wunderschönen Keyboards hinterlegten Refrain münden. Definitiv ein Highlight von „Hammer And Anvil“!

Ein bisschen wie elektronischer Emocore mutet „Never Divide“ an, das sich dementsprechend schnell in den Gehörgang einschleicht. Sehr cool kommt auch das mit Samples vermengte Gitarrenintro von Saitenhexer Jamie Willcox rüber, das dem Song eine stark experimentelle Note gibt. „Blitzkrieg“ fällt dann nicht nur titeltechnisch, sondern auch musikalisch ziemlich aus dem Rahmen, liefern PRR hier doch einen astreinen Dancefloor-Tracks mit freakigen Samples, einem flächig eingesetzten Keyboard und einem Beat, bei dem man nur schwerlich stillsitzen kann.

Auch beim letzten Song „Armistice“ habe ich mich noch nicht so richtig an den männlichen Gesangspart gewöhnt, obwohl der Brite jetzt zeitweise ein wenig klingt wie Emil Bulls-Sänger Christ – eine coole Mischung mit den etwas nerdigen Vocals und den sphärischen Keyboards! Der Track schwebt geradezu dahin, ist für einen Rausschmeißer zwar etwas ruhig ausgefallen, bietet aber einen sehr schönen Abschluss und liefert noch mal einen guten Anspieltipp.

So richtig weiß man nicht, was man von „Hammer And Anvil“ halten soll. Einerseits überwiegen glücklicherweise die guten Songs; wenn die beiden Mikrofonbesetzer Jon und Chloe zusammen agieren, kommt sogar richtiges Gänsehautfeeling auf, aber zwischendurch stört die Tonlage der männlichen Stimme doch ein wenig. Trotzdem: Dancefloor-Filler bietet die Platte en masse und auch für die weniger Tanwütigen sind gute Songs dabei.

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