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Punish My Heaven: The Reckoning

Geiseln des Genres
Wertung: 6.5/10
Genre: Melodic Death Metal
Spielzeit: 48:06
Release: 30.03.2012
Label: Death Rock Records

Die Stadt Hameln in Niedersachsen ist den meisten von uns wahrscheinlich durch die Sage vom Rattenfänger bekannt, der die Stadt von einer Rattenplage befreite. Allerdings operiert von dort aus seit dem Jahr 2008 auch die Band Punish My Heraven. Nachdem das Quartett bereits 2009 ihr Debüt-Album „First Punishment“ veröffentlichte und dafür auch einige sehr gute Rezensionen einstreichen konnte, legen sie nun mit „The Reckoning“ ihren zweiten Longplayer nach.

Wo es bei den Niedersachsen musikalisch hingeht, lässt sich bereits am Bandnamen erraten, haben sich die Vier doch nach dem mit Abstand stärksten Dark Tranquillity-Song benannt. Dementsprechend bewegt sich die Musik von Punish My Heaven im Melodic Death Metal, der einzige Bereich in dem sie dabei vom bekannten Muster abweichen, ist der Gesang von Sebastian Töteberg. Anstatt mit den üblichen Screams bzw. Growls zu operieren, klingt dieser fast eher nach den Shouts von Slipknot-Fronter Corey Taylor. Das mag auf den ersten Blick ungewohnt wirken, passt zum Sound der Band allerdings eben so gut wie die bekannte Scream-Variante. Die in der Bandinfo, in Anlehnung an den ersten Sogs des Albums, versprochene Therapie für das „Stockholm Syndrom“ liefern die Vier allerdings nicht ab.

Das „Stockholm Syndrom“ wird gerade im Bereich der härteren Musik öfter thematisiert. Eigentlich handelt es sich dabei um ein psychologisches Phänomen, bei dem Geiseln ein positives Verhältnis zu den Geiselnehmern entwickeln. Im weitesten Sinne könnte man das Phänomen aber auch für die Melodic-Death-Metal-Szene heranziehen, die schon seit Langem so wirkt als wäre sie eine Geisel der eigenen Genre-Grenzen. Und auch Punish My Heaven schaffen es nicht, diese Fesseln abzulegen. Die Musik des Vierers, der im Studio und auf der Bühne noch um Gitarrist Sebastian Scharf erweitert wird, geht mal mehr in Richtung At The Gates, mal lehnt man sich an Arch Enemy oder die bereits erwähnten Dark Tranquillity an. Aber insgesamt bleibt man immer im eng gesteckten Rahmen des Genres.

Dabei kommen auf der Platte durchaus einige wirklich gute Songs zustande, wie beispielsweise der Titelsong „The Reckoning“ oder „Brave New World“. Auch auf der handwerklichen Seite können die Niedersachsen überzeugen. Die Rhythmus-Sektion agiert extrem präzise, die Gitarristen warten mit einigen starken Gitarren-Soli auf und auch die Produktion ist absolut klasse und druckvoll. Aber auf die gesamte Länge des Albums ist das Songwriting leider zu eindimensional geraten und auch die einzelnen Songs haben nicht genug zwingende Momente. Die Melodien und Hooklines wollen einfach nicht so ganz im Ohr hängen bleiben und so ertappt man sich als Hörer öfter dabei, wie die Aufmerksamkeit während der 48 Minuten immer wieder abdriftet, anstatt bei der Musik zu verbleiben.

Eine weiteres Problem, das Punish My Heaven mit ihren Vorbildern Dark Tranquillity teilen, ist die Monotonie in Sachen Tempo. Alle Songs von „The Reckoning“, mit Ausnahme des letzten Songs „Whisper“, bewegen sich im Mid-Tempo-Bereich. Die schwedischen Vorbilder schaffen es, diese fehlende Variabilität beim Tempo mit einigen interessanten Keyboard- / Synthesizer-Experimenten auszugleichen. Bei Punish My Heaven sucht man solche Abwechslung allerdings größtenteils vergebens und so wirken alle Songs des Longplayers sehr gleichförmig, was dem Album leider erneut einige Längen verpasst.

Insgesamt betrachtet ist „The Reckoning“ kein schlechtes Album, aber eben auch kein überdurchschnittlich gutes. Die CD läuft aufgrund des etwas monotonen Songwritings teilweise am Hörer vorbei und an vielen Stellen hat man das Gefühl, alles schon einmal etwas besser auf anderen Genre-Releases vernommen zu haben. So werden die Jungs wahrscheinlich einen schweren Stand in der gigantischen Flut an Melodic-Death-Alben haben, welche in den letzten Jahren auf das Genre hereinbricht. Technisch ist die CD einwandfrei und auch das Potential zu mehr ist vorhanden, wie der starke Titelsong mit seinem tollen Melodien und Gitarren-Soli beweist., aber in der momentanen Form ist die CD nur für Genre-Fans interessant und kein Album, das man zwingend in seiner Sammlung haben muss.

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