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Pump: Sonic Ecstasy

In Amerika wären sie schon längst Stars
Wertung: 9/10
Genre: Heavy Hard Rock
Spielzeit: 54:34
Release: 25.09.2009
Label: Fastball Music

Pump beehren uns mit ihrem dritten Album „Sonic Extasy“. Zu meiner eigenen Schande muss ich gestehen, dass mir die Band bisher vollkommen unbekannt gewesen ist. Dennoch widmet sich die Formation dem Hardrock und das laut Presseinfo mit einer ordentlichen Fangemeinde und jeder Menge Medienaufmerksamkeit. Große US-Bands werden genannt, wenn das mal nicht wieder ein Rohrkrepierer wird. Zu oft wird im Vertriebstext das Blaue vom Himmel herunter beschworen, bis dann die Enttäuschung erbarmungslos über den Hörer hereinbricht.

„Ready, Aim & Fire“ rockt dann von der ersten Sekunde an kräftig los. Man denkt unwillkürlich an die Energie eines David Lee Roth zu Van Halen-Hochzeiten. Man spürt quasi die Spielfreude und mehr und mehr dringen die Frühzeiten von Skid Row durch. Treibend, hart und unaufhaltsam bahnt sich Pump seinen Weg. Marcus Jürgens singt aber auch im gleichen Stil wie Sebastian Bach - starker Einstieg.

„Testify“ wird von grollendem Bass begleitet, den übrigens Michael Vetter beisteuert. Das Ganze wird dann durch den gelungen Refrain abgelöst, der durchaus Stadioncharakter besitzt. Fast nicht denkbar, dass dies wirklich eine deutsche Band sein soll. Sehr stark, hätte so auch auf dem Debütalbum von Skid Row stehen können. Aber das Ganze trotzdem nicht einfach nur kopiert, sondern schon mit eigenem Anstrich präsentiert. 

„Low Life In Fast Lane“ könnte fast ein kleiner Bruder von „18 And Life“ sein: Hitpotential ohne Ende, auch wenn der Refrain fast schon ein wenig zu hart vom Backgroundgesang intoniert wird. Der Schädel wippt kräftig mit und das Herz schlägt höher. Man singt - oder wahrheitsgemäßer: grölt - schon im ersten Durchlauf aus vollem Halse mit. So geil mitreißend kann Hardrock sein.

Dann wird es Zeit für den ersten Stampfer. „Never“ hämmert sich durch die Gehörgänge und versprüht viel Spaß. Das Ganze wird aber trotz aller Eingängigkeit recht hart dargeboten. Aki Reissmann und Stef Bertolla verstehen es, kräftig zu rocken, um dann plötzlich ein eher melodiöses Solo abzuliefern und danach wieder die Power anzuziehen

„Couldn`t Care Less“ groovt dann mit einigem Drive durch die Lautsprechermembranen. Starke Nummer mit gelungenem Refrain, der gerade live richtig zünden sollte und einen schönen Sangeswettstreit entfachen könnte, wenn genug Fans da sind. 
„Kiss Of Voodoo“ beginnt mit akustischen Gitarren und einer kleinen Raucherpause. Mit Blues im Blut lässt man sich Zeit, bevor man dann wieder losstampft. Starker Aufbau mit viel amerikanischem Spirit. Leider sind mir dann die Bon Jovi-Chöre doch etwas „too much“. Das hätte man besser sein lassen.

„Don`t Get Mad, Get Even“ wird erstmal von Drummer Andi Minich angetrieben. Leider geht es etwas gemächlicher voran, eine Abgehnummer hätte mir hier besser gefallen. Da wird ein kleines Päuschen eingelegt, um dann gemächlich wieder in Fahrt zu kommen. Der pulsierende Bass ist ein kleines, verstecktes Highlight und so genau die richtige Nummer, um mal etwas ruhiger mit dem Auto durch die Landschaft zu fahren.

„Burning Light“ wartet mit einem tonnenschweren Refrain auf, ja Skid Row sind zu diesem Zeitpunkt fast gänzlich verschwunden. Aber das ist auch nicht schlimm, denn die tollen Gitarren und die gelungene Gesangslinie wissen zu überzeugen. 
Nur mit Schlagzeug und Bass wird dann das nächste Highlight eingeleitet. „Ain`t Got Enough“ brennt sich tief ins Gedächtniszentrum ein, obwohl es dafür eigentlich ein eher untypischer Song ist. Aber dieser Ohrwumrefrain hat alles was man zu einem Hit benötigt. Davor diese treibende auf den Höhepunkt hinarbeitende Rhythmus. Coole Nummer, die ich so niemals von einer deutschen Band erwartet hätte. Ein starker Song, der aber richtig fetzt. Hört euch einfach mal das freche Gitarrensolo an. Das macht nicht nur Spaß, das ist Spaß pur.

„All I Could Bleed“ ist dann, wie könnte es bei dem Titel auch anders sein, die Ballade des Albums. Schön getragen, gefühlvoll; einfach klasse, der Song. Wer jetzt an eine schmalzige Nummer denkt, der läge eigentlich richtig, wenn die Band das nur so wollte. Der Song hat die Gene, hunderttausende Taschentücher zu befeuchten. Aber diese fünf Rocker geben ihren Instrumenten auch bei einer Ballade kräftig Zunder. Das Ganze zärtlicher gespielt und die Tränendüsen der Welt sind geöffnet, so ist es eine Ballade, bei der sich auch die ganz harten Kerle nicht grämen müssen.

„Long Road To Nowhere“ klingt dann wie eine Kreuzung aus Dokken und Vengeance. Starke Nummer mit tollem Gesang. Der Schädel fliegt vor und zurück, die Gitarren braten daher, das Drumkit sorgt für den richtigen Takt und der Bass drückt sich in den Bauch. Yeehaa, so einfach und genial kann Musik sein.

„Cry For The Moon“ ist dann recht derbe bei Whitesnake geklaut. Eine Mixture aus „Bad Boys“ und „Children Of The Night“ eröffnet den Song. So offensichtlich hätte ich das nicht erwartet, die Bridge zum Refrain beschwört das Whitesnake-Feeling weiter herauf. Als alter Whitesnake-Liebhaber geht das dann im Endeffekt daneben. Da fehlt David Coverdale. Man hätte den Song covern sollen, das wäre ehrlicher gewesen. 

Fazit: So kann man irren: Zuerst noch einen Rohrkrepierer vermutet, so wurde hier aus vollen Rohren geschossen. Und zwar so, dass nicht nur die Mädels auf der Welt auf ihre Kosten kommen. Lediglich den Abschluss haben die fünf dann plagiatmäßig in den Sand gesetzt. Aber ich bin mir sicher, dass den meisten das relativ egal sein dürfte, da der Song eigentlich wirklich gut ist. Wer die Originale liebt, wird aber wohl ein Problem damit haben. Eine tolle Band, welche hoffentlich auch bald mal in meiner Nähe spielen wird, damit ich begutachten kann, ob sie live genauso in den Popo treten können.

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