Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Public Image Limited: Live At Rockpalast 1983

Ohne Zweifel ein Stück Musikgeschichte, wenn auch sehr skurril
keine Wertung
Genre: New Wave, Post-Punk
Spielzeit: 72:18
Release: 27.01.2012
Label: M.i.G.-Music

John Lydon – ein Name, der unter Musikfans nur bedingt bekannt sein dürfte. Johnny Rotten trifft es da schon eher – als Sänger der Sex Pistols krempelte der Punk in den Siebzigern die britische Szene um. Umso überraschender entwickelt sich der musikalische Werdegang des Engländers zwischen den Siebziger und Achtzigerjahren: Mit Public Image Limited gründet der Mann nämlich 1977 eine Band, die auf den ersten Blick wenig den rotzigen Sex Pistols gemein hat. Düster-suizidaler New Wave/Post-Punk brodelt hier unter der Oberfläche von Lydons gewöhnungsbedürftig nuschelndem Gesang.

Wie gewohnt hat das Rockpalast-Team auch diese weitestgehend unbekannte und unterschätzte Band live eingefangen. Aufgemacht ist die DVD wie üblich in stimmigem Schwarz-Weiß. Der Gig in der Zeche Bochum an Halloween 1983 beweist mehrere Dinge, erstens: Auch ohne punkiges Gekeife ist John Lydon ein durchaus charismatischer Frontmann. Zweitens (und drittens): Drogenumnebelte Pupillen sehen verdammt gruselig aus, dito rosa Hosen bei Altpunks. Überhaupt dürften die wenigsten Fans von Lydons Erstband allzu angetan von PIL sein, aber wenn man auf New Wave und Post-Punk steht, birgt „Live At Rockpalast 1983“ einige positive Überraschungen.

Zu Zeiten des Konzerts hatte sich das Line-Up schon beträchtlich gewandelt. Von den ersten drei Alben „First Issue“, „Metal Box“ und „Flowers Of Romance“ sind nur noch Lydon und sein Drummer Martin Atkins übrig, also wurden für die Welttour, die sie auch nach Deutschland führte, kurzerhand Sessionmusiker rekrutiert. Übrigens muss man bei der DVD nicht gänzlich auf die Sex Pistols verzichten: Public Image Limited bieten eine „Anarchy In The UK“-Version, die hier leidlich besser gespielt wird als seinerzeit von den Pistols. Auch einen Ausblick auf das vierte, bis zum Konzerttermin noch nicht veröffentlichte Album „This Is What You Want… This Is What You Get“ wird geboten: „(This Is Not A) Love Song“ ist der erste und wahrscheinlich einzige Track, der die Band aus dem Underground herauskatapultiert und auch kommerziellen Erfolg bringt. Das ist eigentlich komisch, wo der Song doch nicht nur schief, sondern auch insgesamt eher gewöhnungsbedürftig daherkommt.

„Gewöhnungsbedürftig“ ist ohnehin ein Wort, das beim Anschauen der DVD öfter mal durch den Kopf geistert. Das Gesamtbild ist eh schon ein Highlight für sich: Der Keyboarder pafft genüsslich seine Kippen während des Gigs, der Mensch am Bass kaut extrem gelangweilt Kaugummi und Lydon, in weißem Hemd, rosa Hose und roter Krawatte, stolpert ab und an doch ein wenig desorientiert über die Bühne. Dazu der stellenweise sehr entrückte Sound (bestes Beispiel hierfür: das mit Tribaldrums und wehem Klagegesang unterlegte „Under The House“) und fertig ist der optische und akustische Drogencocktail. Den Leuten scheint es zu gefallen, vor der Bühne herrscht wilder Pogo und die „Zugabe“-Rufe stellen sich schon während des laufenden Konzerts ein.

Was einen im Verlauf etwas irritiert, ist der furchtbare Hall auf den Vocals. Klar, das ist New Wave und so, aber das macht einen nach knapp 72 Minuten Laufzeit schon ein bisschen ramdösig. Zumal, wenn man sich dazu noch Lydons zugekiffte (wahlweise auch mit sonstigen Drogen gefütterte) Fresse anschauen muss. Dies soll nicht falsch zu verstehen sein, Public Image Limited sind wirklich gut – nur hätte eine Live-CD statt einer DVD hier, glaube ich, auch ihren Zweck erfüllt.

Die beigefügten Aufnahmen der Konzertproben sind fast noch gruseliger. Abgesehen davon, dass der Gesang stellenweise wirklich verdammt schief ist, ist Lydons Gesichtsausdruck einfach immer gruselig. Insofern ist „Live At Rockpalast 1983“ nicht unbedingt als optisches Schmankerl zu bezeichnen, Musikfans sollten sich die DVD aber allein schon deswegen zulegen, weil hier wirklich ein Stück Musikgeschichte eingefangen wurde und vor allem, weil die Scheibe eine ganz andere Seite des Sex-Pistols-Sängers zeigt.

comments powered by Disqus

Sag zum Abschied mal so richtig laut Servus

Vor Freunden spielen ist doch auch ganz nett...

Rauschende Jubiläumsparty mit ein paar Wermutstropfen

Bundeswehr-Musikkorps und U.D.O. für den guten Zweck

Delirious und Terrorblade im Rausch der Kanalfahrt

Darkness Drummer Lacky beim Selbstversuch mit dabei

„Deutsch“ ist in und Schumi irgendwie mit dabei