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Psyclon Nine: We The Fallen

Einerseits enttäuschend, andererseits überraschend
Wertung: 5/10
Genre: Aggrotech / Black Metal
Spielzeit: 49:11
Release: 02.10.2009
Label: Dependent / Mindbase

Eigentlich steht die Bezeichnung EBM für Electronic Body Music – allerdings kann man im Falle von Psyclon Nine die Genre-Bezeichnung EBM auch als Electronic Black Metal interpretieren. Das neueste Output der fünf Kalifornier setzt weniger auf elektronische Klänge, sondern mehr auf stark verzerrte Gitarren und aggressive Drums als noch die Vorgänger-Alben.

Nach einem herrlich düsterem Intro namens „Soulless [The Makers Reflection]“ tönen die ersten aggressiven Töne des Titeltracks „We The Fallen“ aus den Boxen. Der im Midtempo spielende Song wird vorangetrieben von einem peitschenden, wenn auch auf Dauer etwas monotonem Beat, der sich stark auf die Bassdrum konzentriert. Dazu gesellt sich dann das glockenhelle Goldkehlchen des Sängers Nero Bellum, welches sich mit den Rap-Passagen der Bassistin Abbey Nex abwechselt. Nein, war natürlich nur ein Witz – die Vocals sind weiterhin nahezu bis zur Unkenntlichkeit gekeift und obendrein elektronisch verzerrt und werden primär von tiefen, ganz in Black Metal-Marnier gemasterten E-Gitarren begleitet. So in etwa kann man sich die nächsten Songs auch vorstellen, denn leider haben Psyclon Nine im Vergleich zu den Vorgänger-Alben etwas an Würze verloren, die Synthesizer-Sequenzen, die Psyclon Nine immer mit ihrer Black-Metal-Dark Electro-Mischung so speziell gemacht haben, sind zu monoton und zu weit in den Hintergrund gerückt.

Erst bei dem Song „Widowmaker“ fühlt man sich etwas an klassischen EBM erinnert, da hier auch Vocals vernommen werden, die sogar etwas an Acts wie Combichrist erinnern. Auch wird hier endlich wieder ein Gang hochgeschaltet und nicht wie lange Zeit zuvor, nur im Midtempo agiert. Der Beat ist leider ähnlich monoton wie die vorherigen, daran ändern dann auch das schnellere Tempo und die gelegentlichen Blast-Einlagen nichts mehr.

Die zweite, ruhigere Hälfte des Albums sagt mir deutlich mehr zu: Die Ballade „Suicide Note Lullaby“ besticht durch viele flüsternde und sich gegenseitig überlagernde Stimmen, die eine gespenstische, geisterhafte Atmosphäre kreieren, die sich im aggressiven Refrain entlädt. Im Vergleich zu den vorigen Stücken ist die Ballade deutlich harmonischer und melodischer ausgefallen, sofern man bei „Electronic Black Metal“ denn überhaupt davon sprechen kann – allerdings muss ich gestehen, dass mir dieser Song doch sehr zusagt, denn die Mischung von melancholischer, trauriger Geister-Atmosphäre und aggressivem Gekeife bildet einen interessanten und gelungenen Kontrast.

Zuletzt ist noch der Rausschmeißer „Under The Judas Tree“ zu erwähnen, der sogar mit klarem Gesang überrascht und das Psyclon Nine-Klarvocal-Debüt darstellt. Der langsame Beat mutet dazu weniger monoton an und insgesamt wirkt das Stück abwechslungsreicher, da auch hier ruhige Instrumental-Passagen zum Einsatz kommen, sowie geflüsterte Stellen. Besonders das Finale des Songs mit tragenden Gitarren, epischen Keyboard-Teppichen und flüsternden sowie gleichzeitig keifenden Vocals weiß zu überzeugen.

Was die erste Hälfte des Albums angeht, hatte Psyclon Nine durchaus schon weitaus bessere Songs vorzuweisen, allerdings befinden sich auf diesem Album dafür auch die beiden besten Songs, die diese Formation je geschrieben hat. Bei dieser CD sollte man besser vorher reinhören, bevor man blind zugreift – Fans aggressiver Gitarrenmusik mit Electro-Anleihen und Anhänger brutaler Electromusik mit Gitarren-Einsatz können hier durchaus Interesse bekunden.

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