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Psychotic Waltz: Mosquito

Längst nicht so stark wie die beiden ersten Alben, aber immer noch sehr gut
Wertung: 8.5/10
Genre: Progressive Metal
Spielzeit: 45:10
Release: 25.07.1994
Label: Zardoz Records (Re-Release: Metal Blade)

„Mosquito“, das dritte Album von Psychotic Waltz, markierte einen deutlichen Schnitt im musikalischen Schaffen der Kalifornier. Die Band hatte mit „A Social Grace“ und „Into The Everflow“ zwei exzellente Scheiben veröffentlicht, fuhr trotz euphorischer Kritiken aber trotzdem nicht den Erfolg ein, der ihr zugestanden hätte. Diese Tatsache zu ändern, schickte sich der neue Produzent Scott Burns an, der laut Buddy Lackey/Devon Graves den Sänger dazu drängte, eingängigere Melodien zu verfassen (so jedenfalls äußerte sich der Frontmann in einem sehr ausführlichen Interview mit The-Pit.de, das ihr demnächst bei uns lesen könnt). Wahrhaftig ist der Gesang auf „Mosquito“ eher im mittleren, denn im hohen Bereich angesiedelt, das Songwriting wesentlich kompakter und die Stücke kürzer und schnörkelloser, womit man offensichtlich ein breiteres Publikum anzusprechen suchte. In der ersten Hälfte der Neunziger hatte der Grunge seinen Zenit erreicht und der Mainstream interessierte sich wenig für (progressiven) Metal.

Dass man nicht wirklich zur richtigen Zeit am richtigen Ort war und nicht den erhofften Erfolg einheimsen konnte, mag auch ein Grund dafür gewesen sein, dass das Bandgefüge von Psychotic Waltz erste Risse bekam. Ward Evans spielte zwar noch die Bassspuren auf vorliegender Scheibe ein, wurde aber alsbald durch Phil Cuttino ersetzt.

Dies alles soll aber keineswegs bedeuten, dass Waltz jetzt lediglich darauf aus waren, leicht verdauliche Stücke zu schreiben, um sich beim Otto-Normal-Musikkonsumenten anzubiedern, dafür wiederum ist das auf „Mosquito“ enthaltene Material zu stark. Die Combo klang im Vergleich zu vielen anderen Acts immer noch sehr variabel, hatte einige Experimente in petto und sogar die Querflöte, auf die bei „Into The Everflow“ gänzlich verzichtet wurde, packte Buddy Lackey für den Song „Shattered Sky“ wieder aus.

Der Opener und gleichzeitige Titeltrack zeigt dennoch auf, dass ein Kurswechsel im Hause Psychotic Waltz stattgefunden hatte: Kurz und knackig und mit sehr straighten Gitarren, die doch recht deutlich im Kontrast zu den verspielten Arrangements auf den beiden ersten Alben stehen, wird hier in nur drei Minuten sehr schnell auf den Punkt gekommen, was einige eingefleischte Fans möglicherweise erst einmal etwas vor den Kopf stieß. Ein ähnliches gilt für das sich direkt und ohne Pause anschließende „Lovestone Blind“ (sehr gut gemacht übrigens, wie es sofort an den ersten Track anknüpft, sodass die beiden Stücke quasi wie ein einziges erscheinen), das mit seinen durchgängig gedoppelten Gesangslinien gar ein wenig an Alice In Chains erinnert, oder auch die ebenso kurz und prägnant gehaltenen „Cold“ und „Dancing In The Ashes“.

Doch wie erwähnt soll das nicht heißen, dass die Amis plötzlich rein „kommerziell“ agiert hätten; allein vom musikalischen Verständnis stecken sie nach wie vor mindestens 90 Prozent aller Metalbands locker in die Tasche. Das bereits genannte „Shattered Sky“ geht noch am ehesten als „typischer“ Waltz-Song durch, „Haze One“ bietet psychedelisch-spacige Klänge und damit die üblich verträumte Kiffermucke, „All The Voices“ überrascht mit seinen orientalischen Klängen gleich zu Beginn, und der abschließende „Mindsong“ scheint einen mit seinen herrlich relaxten Klängen zu Anfang in weit entfernte Sphären zu entführen, um sich schließlich in einen amtlichen Rocksong zu verwandeln.

Und auch wenn es zunächst nicht so erscheint, sind die genialen Gitarrenduelle à la Dan Rock und Brian McAlpin trotz allem natürlich auch auf diesem Album zu finden (siehe vor allem „Only Time“), sie sind nur meist nicht so offenkundig präsent – man muss sich eben wieder ein paar mehr Durchgänge gönnen. Es ist dennoch ein bisschen schade, dass relativ viele Stücke ausgefadet werden – hier hätte man mehr aus dem vorhandenen Material machen können. Auch wenn „Mosquito“ bei weitem nicht so stark ist wie die beiden ersten Longplayer, gibt es allerdings keinen Zweifel, dass Psychotic Waltz immer noch absolut einzigartig sind und klingen, und ein weiteres sehr gutes Album veröffentlicht haben.

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