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Psychotic Waltz: Into The Everflow

Genauso genial wie das Debüt
Wertung: 10/10
Genre: Progressive Metal
Spielzeit: 52:04
Release: 01.11.1992
Label: Dream Circle (Re-Release: Metal Blade)

Nach dem Überflieger-Debüt „A Social Grace“ ließen Psychotic Waltz zwei Jahre später in Form von „Into The Everflow“ das nächste Wahnsinnsalbum folgen. Die Band agiert hier noch um einiges psychedelischer und scheint daher oberflächlich betrachtet insgesamt nicht mehr ganz so Metal-lastig zu sein wie auf ihrem Erstlingswerk. In jedem Fall präsentiert man nicht mehr so pfeilschnelle Passagen wie beispielsweise in Stücken à la „... And The Devil Cried“ oder heftig groovendes Riffing wie bei „I Of The Storm“. Dennoch sind auch hier selbstredend sehr metallische Gitarren zu hören und die Arrangements sowie das Songwriting insgesamt sogar eher noch komplexer ausgefallen.

Der Auftakt mit dem Halbinstrumental „Ashes“ zeigt im Prinzip sogleich, wie der Hase läuft: Verträumte, dezente Keyboardsounds treffen auf perlende Gitarrenklänge, welche Buddy Lackeys sanften, gefühlvollen Gesang untermalen. Man stellt fest, dass sich die Band irgendwie verändert hat, dabei aber trotzdem unverkennbar geblieben ist; ein Fakt, der bei jeder Ausnahmegruppe selbstverständlich erscheint, aber ja trotzdem nicht immer leicht zu bewältigen ist.

Mit „Out Of Mind“ sieht sich der Hörer dann allerdings erst einmal mit einer richtig harten Nuss konfrontiert, denn mehr Taktwechsel und Breaks kann man eigentlich kaum noch in einem einzigen Song unterbringen, und dazu noch die völlig kranken Gesangslinien des Frontmannes... Doch wenn man sich eingehört hat, muss man einmal mehr erkennen, dass dies alles niemals dem Selbstzweck dient oder aufgesetzt wirkt, sondern nichts weiter als einfach nur pure Kunst ist. Die geschmeidige Produktion trägt im Übrigen ihren Teil dazu bei, dass das Ganze bei aller Komplexität unheimlich leichtfüßig wirkt – gerade die Gitarren hören sich regelrecht anmutig und elegant an.

Ähnlich verhält es sich mit „Tiny Streams“ und der geradezu abenteuerlichen Entdeckungsreise „Freakshow“, die abermals Tracks der Sorte sind, die Geduld und ein paar Durchläufe erfordern, um die Details und den Aufbau zu ergründen – um einen danach nicht mehr loszulassen. Insbesondere „Freakshow“ ist es wert, dass man sich ausgiebig damit beschäftigt, allein das für Waltz typische schnörkelige Mainriff und das irrsinnige Gitarrensolo verdienen höchste Anerkennung und Aufmerksamkeit.

„Hanging On A String“ wiederum darf man gut und gerne als den Prototypen einer völlig unkitschigen und ergreifenden Ballade bezeichnen: Melancholisch, zu Tränen rührend, mit einem Wort: wunderschön, während das mit einem smarten Text ausgestattete „Little People“ der wohl zugänglichste Song des Albums ist, und das neuneinhalbminütige, abschließende „Butterfly“ einen weiteren Track der Marke Entdeckungs- oder Erlebnisreise darstellt. Psychedelische Passagen treffen auf metallisches Riffing, und eine wie aus dem Nichts auftauchende Percussion-Sequenz in der Mitte leitet einen Part ein, in dem die Band den Acts der Sechziger und Siebziger huldigt. Äußerst clever wurden hier Textpassagen aus Songs von Größen wie den Beatles („Hey Jude“), Jimi Hendrix („Purple Haze“), The Doors („People Are Strange“), Led Zeppelin („The Ocean“) oder Jethro Tull („Cross-Eyed Mary“) verwoben, eingebettet in den Kontext des Stückes.

Obwohl es erneut keinen einzigen Ausfall zu beklagen gibt und als wenn das alles nicht genug wäre, muss trotzdem ein ganz klares Highlight hervorgehoben werden. So ist der Titeltrack für mich persönlich nach Led Zeppelins „Stairway To Heaven“ und Deep Purples „Child In Time“ auf Platz drei der besten Songs aller Zeiten. Wie sich dieser Song aufbaut, wie er dem Titel gemäß fließt und perlt, ist bei jedem erneuten Hören immer wieder unfassbar. Die letzten vier Minuten mit dem einfach nur überirdischen Doppelgitarren-Solo spotten jeder Beschreibung und müssen einfach angehört werden, denn Worte reichen dafür nicht aus. Wer hier nicht tief berührt wird und nicht entweder sprachlos lauscht oder begeistert Luftgitarre mitspielt, hat schlicht ergreifend kein Herz. In der Neuauflage des Werkes befindet sich mit „Disturbing The Priest“ außerdem noch ein Black Sabbath-Cover (aus der Gillan-Ära), das sich gut an den Rest anfügt.

Es kann überhaupt keine Diskussion geben, dass Psychotic Waltz mit „Into The Everflow“ mal eben das nächste Jahrhundertalbum herausgehauen haben und sich somit ein weiteres Mal die Höchstnote verdienen, weswegen ich mir auch diesmal Anspieltipps schenke. Leider gab es danach erste Unruhen im Bandcamp: Bassist Ward Evans verließ die Gruppe – obwohl er noch die Bassspuren für „Mosquito“ einspielte, wird zumindest in der remasterten Ausgabe im Booklet bereits Phil Cuttino als neuer Tieftöner aufgeführt – und später sollte auch Brian McAlpin (der übrigens, für alle, die dies noch nicht wissen, seit einem schweren Autounfall noch vor dem ersten Album querschnittsgelähmt ist und im Rollstuhl sitzt) folgen und durch Steve Cox ersetzt werden. Ohne es ausschließlich daran festmachen zu wollen: Die nachfolgenden beiden Alben „Mosquito“ und „Bleeding“ erreichten nicht mehr das Niveau von „A Social Grace“ und „Into The Everflow“. Es handelt sich zwar auch hier um zwei überdurchschnittliche Scheiben (besonders, was „Bleeding“ betrifft), von denen andere Bands mit weniger brillanten Musikern sicher froh gewesen wären, hätten sie diese veröffentlicht, aber die ganz große Magie der zwei Vorgänger konnten sie nicht mehr verbreiten.

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