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Psychotic Waltz: Bleeding

Die ersten beiden Alben werden wiederum nicht erreicht, stärker als "Mosquito" ist die Scheibe aber allemal
Wertung: 9.5/10
Genre: Progressive Metal
Spielzeit: 41:38
Release: 01.07.1996
Label: Intercord/Bulletproof (Re-Release: Metal Blade)

Mit „Bleeding“ liegt das bis dato letzte Album der amerikanischen Progressive Metaller Psychotic Waltz vor und in gewisser Weise folgt es dem mit „Mosquito“ eingeschlagenen Pfad: Das Songwriting ist sehr kompakt und quasi aufs Nötigste reduziert – zumindest für Waltz-Verhältnisse; spektakulär-verspielte Gitarrenduelle wie auf den ersten beiden Scheiben gibt es in dieser Form eher wenig bis gar nicht zu hören – und doch sind die Arrangements erneut höchst anspruchsvoll gehalten und viele Details offenbaren sich erst nach mehrmaligem Hören.

Phil Cuttino wird diesmal nicht nur im Booklet erwähnt, sondern hat tatsächlich alle Bassspuren eingespielt, während Brian McAlpin zwar noch seine Gitarrenparts im Studio zockte, bei der anschließenden Tour aus familiären Gründen allerdings durch Steve Cox ersetzt wurde. Dass sich die Band bald auflösen würde, schien indes beinahe schon klar zu sein, da das Songmaterial zu einem nicht unerheblichen Teil von Frontmann Buddy Lackey verfasst wurde und er laut eigenen Worten das meiste davon eigentlich für sein anstehendes Solodebüt unter dem Namen Deadsoul Tribe eingeplant hatte.

Ungeachtet dessen und der Tatsache, dass es bei den elf Nummern keine einzige gibt, die die Fünf-Minuten-Grenze erreicht, lässt sich wie bei „Mosquito“ auch auf „Bleeding“ wieder nur konstatieren, dass sich andere Bands garantiert ein Bein dafür ausreißen würden, solch starke Tracks mit so viel Tiefgang zu schreiben. Vielmehr muss man voll des Lobes sein, wie die Kalifornier es schaffen, in diesen kurzen Stücken trotzdem unheimlich viele melodische Wendungen, herrliche Harmonien und kreative Einfälle unterzubringen, auch wenn die Abgefahrenheit von „A Social Grace“ und „Into The Everflow“ (zum Beispiel die Dissonanzen) nicht mehr so präsent ist. Der unverkennbare Sound von Psychotic Waltz ist natürlich aber immer noch problemlos herauszuhören und tönt dank einer amtlichen Produktion sogar so fett wie nie zuvor aus den Boxen, wobei auffällig ist, dass Buddy Lackeys Stimme etwas mehr im Hintergrund agiert und Platz für die kraftvollen Drums, den ordentlich pumpenden Bass und die flächigen Gitarrensounds lässt.

Alles fängt mit einem coolen Bass-Slapping an, das den Opener „Faded“ einleitet, zu dem im Übrigen ein Video gedreht wurde, bei dessen Dreharbeiten ein Komparse angeblich durch einen Scheinwerfer derart geblendet wurde, dass dies zu Blindheit führte, weswegen er die Band verklagte. Das Gerücht, dass der darauffolgende, langwierige Gerichtsprozess unter anderem ebenfalls zur Auflösung der Combo führte, hat Buddy Lackey im Interview mit The-Pit.de (demnächst bei uns) allerdings dementiert.

Insgesamt wirkt „Bleeding“ irgendwie homogener als sein direkter Vorgänger, weswegen es nicht einfach ist, einzelne Highlights hervorzuheben. Dennoch sind neben dem äußerst effektiven Opener wohl das mit einem sehr interessanten Text versehene „Morbid“, der melancholische Titeltrack, bei dem insbesondere die ruhigen Passagen mit cleanen Gitarren hervorstechen, das in der ersten Hälfte heftig bratende, dafür in der zweiten Hälfte mit herrlichen harmonischen Schlenkern versehene „Sleep“, die luftig-leichte, mit Flötensounds verzierte Ballade „My Grave“ und das abschließende, beklemmende „Freedom?“ zu nennen. Im Prinzip stehen Tracks wie die getragene, schwebende, an zweiter Stelle stehende Nummer „Locust“, das seinem Titel alle Ehre machende, verspielte „Drift“ oder die verdrogte Liebeserklärung an Amsterdam, „Northern Lights“, dem aber in nichts nach. Den absoluten Übersong markiert für meine Begriffe allerdings „Need“, in dessen wunderschönen Melodien zum Ende hin man einfach nur schwelgen will, während das kompromisslos harte „Skeleton“ das einzige Stück ist, das stilistisch vielleicht ein klein wenig aus der Reihe tanzt.

Nun, letztlich habe ich dann doch alle Songs aufgeführt, was nur beweist, dass sie es einfach alle wert sind, genannt zu werden. Aus diesem Grund zücke ich auch gerne 9.5 Punkte, da „Bleeding“ klar stärker ist als „Mosquito“, wenn eben auch nicht ganz so genial wie die beiden viel zitierten Klassiker von 1990 und 1992. In jedem Fall verströmt das 1996 erschienene Album eine ganz eigene, gefangen nehmende, sehr spacige Atmosphäre und man kann nur hoffen, dass Waltz im nächsten Jahr an diese Glanzleistung anknüpfen können.

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