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Psychotic Waltz: A Social Grace

Ein Jahrhundertdebüt
Wertung: 10/10
Genre: Progressive Metal
Spielzeit: 64:25
Release: 26.11.1990
Label: Rising Sun (Re-Release: Metal Blade)

Eine der interessantesten hypothetischen Fragen, die man sich in der Metalwelt stellt, dürfte wohl die sein, was aus der legendären kalifornischen Progressive Metal-Combo Psychotic Waltz hätte werden können, wenn sie sich aufgrund musikalischer und persönlicher Differenzen nicht 1997 aufgelöst hätte. Immerhin: Durch den Split ist der Legendenstatus der Band noch größer, als er es durch die vier fantastischen Alben ohnehin schon ist, in Undergroundkreisen gilt das Quintett als absoluter Kultact und die mystische Aura, die es umgibt, wirkt umso faszinierender und anziehender. Wenige hätten es für möglich gehalten und für die meisten grenzt es an ein Wunder, dass sich die amerikanischen Ausnahmemusiker nach dreizehn Jahren tatsächlich wieder zusammengerauft und in diesem Jahr eine Wiedervereinigung in der Originalbesetzung angekündigt haben.

Aus diesem Grund wollen wir die vier Scheiben jetzt noch einmal vorstellen und uns näher damit befassen. „A Social Grace“ markierte das Debütwerk von Psychotic Waltz, welches 1990 in der Besetzung Buddy Lackey (Gesang, Querflöte, Keyboards, Akustikgitarre), Dan Rock (Gitarren, Keyboards), Brian McAlpin (Gitarren), Ward Evans (Bass) und Norm Leggio (Schlagzeug, Percussion) das Licht der Welt erblickte und auf Anhieb gleichermaßen Presse wie Fans beeindruckte. Ein solcher Sound war bisher noch nicht dagewesen, Waltz schafften es auf einzigartige Weise, herausragende technische Fähigkeiten mit einem feinen Gespür für Arrangements zu kombinieren, und großartige Melodien zu erschaffen, die sich meist erst nach mehreren Durchläufen offenbaren, danach aber auf ewig unvergessen bleiben. Die selbst gewählte Bezeichnung „Progressive Hippie Metal“ ist lediglich eine Andeutung des unglaublichen, magischen Kosmos, der Psychotic Waltz ausmacht; hier sind Referenzen zum Siebziger-Prog erkennbar, da ziehen Sechziger-mäßige Psychedelic-Passagen Dopewolken gigantischen Ausmaßes hinter sich her, und dort wird gefrickelt, was das Zeug hält; doch wo letzteres bei anderen Bands des Genres zum klinischen Selbstzweck verkommt, berühren die Kalifornier in jeder Sekunde die Seele, weswegen sie auch bei vielen Metallern so beliebt sind, die sich eigentlich gar nicht so viel aus Prog machen.

Allein der Opener „...And The Devil Cried“ ist ein vertracktes Stück Musik, gespickt mit Breaks und spektakulären Gitarrensoli, das wahrlich nicht sofort ins Ohr geht, und so zunächst als etwas seltsam gewählter Eröffnungstrack anmuten mag. Nach ein paar mehr Rotationen auf dem Plattenteller respektive im CD-Player allerdings lässt einen die Nummer nicht mehr los – insofern könnte man von einem typischen Psychotic Waltz-Song sprechen.

Doch was ist bei dieser Band schon typisch? Kein Song ist wie der andere, jedes Stück hat etwas für sich und klingt anders, und doch ist der Fünfer stets völlig eindeutig herauszuhören. Zu jedem Track könnte man einen Roman verfassen: Unglaublichkeiten wie der mit regelrecht majestätischem, edlem Riffing und psychedelisch-spacigem Mittelteil versehene „Another Prophet Song“ oder die der Jethro Tull-Legende Ian Anderson gewidmete, mit einem wunderschönen Flötensolo ausgestattete Götterballade „I Remember“ (die Buddy Lackey alias Devon Graves auch in der Post-Waltz-Ära immer wieder gerne live performte), der seinem Namen alle Ehre machende, Band-eigene Song „A Psychotic Waltz“, der mit einem unfassbaren Arrangement glänzt, das mit herrlich verträumtem Intro ausgestattete „Only In A Dream“, bei dem in dreieinhalb Minuten mehr passiert als bei anderen Bands auf einem ganzen Album, oder die wahnwitzige Achterbahnfahrt „Strange“, verzaubern auch heute noch und lassen auch nach zwanzig Jahren kein Auge trocken.

Dass die Jungs auf ihrem Erstling noch deutlich Metal-lastiger zu Werke gingen als auf ihren späteren Alben, zeigen indes besonders die unwiderstehlich groovenden Tracks „Successor“ und „I Of The Storm“, die erneut sehr komplexe Nummer „In This Place“ oder das zwischen melancholischen Akustiksequenzen und heavien Gitarren hin und her pendelnde, sich stetig steigernde „Halo Of Thorns“, während „Spiral Tower“ mit den spiralartigen Gitarrenharmonien, die sich immer höher und höher emporschrauben (auch hier wird der Titel der Musik mehr als gerecht) und dem dazu lässig pumpenden Bass tonnenweise Dope atmet.

Trotz der Unterschiedlichkeit der Stücke ist die Scheibe jedoch absolut homogen und in sich schlüssig; „A Social Grace“ ist eine einzige Traumreise, die man am Stück genießen muss, ein Jahrhundertalbum, das getrost als eines der besten Metalalben aller Zeiten bezeichnet werden darf. Das Unglaublichste dabei ist, dass Psychotic Waltz mit dem nachfolgenden „Into The Everflow“ gleich das nächste kreative Feuerwerk entfachten und das schwindelerregend hohe Niveau scheinbar problemlos halten konnten. Neben den atemberaubenden instrumentalen Fähigkeiten (vor allem auf die geniale, bis ins kleinste Detail ausgefeilte Gitarrenarbeit sei hingewiesen) verdienen übrigens auch die poetischen, teilweise schon philosophischen Texte Buddy Lackeys besondere Aufmerksamkeit; wer sich die Worte zu „Strange“ oder „Nothing“ mal durchgelesen hat, wird verstehen, was damit gemeint ist. – Ach ja: Anspieltipps zu nennen, wäre ein Witz, wie gesagt: Hier heißt es zurücklehnen und jede Sekunde genießen.

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