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Psychework: The Dragon's Year

Erstklassiger Sänger allein reicht nicht
Wertung: 7,5/10
Genre: Heavy Metal / Power Metal
Spielzeit: 45:17
Release: 02.09.2016
Label: Ranka Kustannus

Die Einleitung des beiliegenden Promoschreibens führt nach genauerer Recherche dann doch ein wenig in die Irre, denn es wird so dargestellt, als dass Psychework der direkte Nachfolger von den in Finnland über dreizehn Jahre hinweg so populären Machine Men – immerhin drei Full-Length-Alben und mehrere Singles – seien. Doch mitnichten, denn lediglich Frontmann Toni Parviainen und Gitarrist J-V Hintikka finden sich in der neuen Suomi-Truppe wieder, was dann ja eher für ein komplett neues Projekt mit entsprechenden Wurzeln spricht, erweitern sie ihr Repertoire doch auch um symphonische Elemente. Vielleicht ist das aber auch nur unwichtige Erbsenzählerei in einer sich immer schneller drehenden Musikwelt.

„The Dragon's Year“ ist zumindest das Debütalbum des aus der Universitätsstadt Jyväskylä in Mittelfinnland kommenden Sextetts und setzt dabei auf ein sehr persönliches Stück Musik, sind die Texte doch von der Leukämiekrankheit des Sängers Toni geprägt. Und trotz soviel eigenem Input und Esprit werden sie mit Sicherheit auch unter neuer Flagge nicht über die zweite Reihe hinauskommen, dafür ist es bei allen Lichtblicken dann doch zu häufig Standard, bei dem allein Frontmann Toni immer wieder herrliche Akzente setzen kann.

Dabei setzen sich gleich zwei Songs deutlich vom Rest ab. Zum einen ist es der Opener „Hand On Heart“, der sich gleich mal als sehr abgeschmeckter Ohrwurm entpuppt, wo immer eine deutliche Note verletzlicher Sehnsucht mitschwingt, dezente Keyboards einen harmonischen Teppich unterlegen und ausreichende Riffhärte sowie ein gefühlvolles Solo inklusive einem ausgeprägten Powerfaustpart dann auch die Live-Herzen verwöhnen sollten. Zum anderen macht das mit ein bisschen Doublebass aufgepeppte „Vale Of Tears“ dann endlich Schluss mit der im Mittelteil aufkommenden balladesken Ruhe, kommt ein wenig bedrohlicher, etwas düsterer daher und selbst die symphonischen Auswuchtungen drücken aufs Gemüt, da schafft lediglich Toni mit seinem Gesang ein passendes Gegengewicht.

Nicht schlecht, was die Finnen da abliefern, aber am Ende dann doch nur guter Durchschnitt mit einem famosen Sänger. Und wenn man schon reichlich Melodie verbraten muss, dann ist auch ein Ausflug nicht fern: Willkommen in der AOR-Balladenwelt mit „Barricades Won't Fall“. Doch wie sollen solche Absperrungen denn durch ruhige Takte mit Piano- und Streicherbegleitung fallen, wenn ohne Tonis erstklassiger Gesangsleistung einfach nur Langeweile aufkommt, auch wenn man allerdings nicht auf Klampfen verzichten muss, diese aber nicht entfesselt werden, sondern sich dem powerballadesken Konzept unterordnen müssen? Dann doch lieber wieder der gewisse Hymnenfaktor in „Bullet With My Name“ mit seinen symphonischer ausgeprägten Elementen einschließlich schwermütiger Prägung, mit dem Refrain, der definitiv wieder ganz vorne dabei ist, allerdings kann man nicht ausschließen, alles so „schon mal gehört“ zu haben, trotz der pompös auffällig orchestralen Parts.

Eine Spur zu seicht, nahezu schon schwülstig, aber auch träumerischer, etwas verspielter kommt da „Keep The Flame“ daher, da retten die härteren Gitarrenausritte auch nicht mehr viel, vielmehr dürfen sich Powerballadenfreude im Mittelpart über den Flöteneinsatz freuen, „Tear Of The Phoenix“ ist nicht der Ausbund an Fröhlichkeit, da liegt Schwermut in den Noten, ein wenig pathetische Anmut mit reichlich balladesken Passagen inklusive Piano-Unterstützung, aber auch der vielleicht interessantesten Gesangsleistung, da Toni ein deutlich größeres Spektrum abbildet und von fett stimmungsvollen Chören mit leicht sakralem Touch unterstützt wird.

Der Titeltrack „The Dragon's Year“ spielt mit krassen Gegensätzen, scheppert ungemein heftig im einen Augenblick, um dann ruhiger mit Powerdrumming Atem zu holen, nur um überfallartig und aggressiv voranzuschreiten, in „Tide“ darf die Klampfe erst vermehrt den Ton angeben, wird zwischendurch gut gebremst genau immer dann, wenn das Keyboard ein wenig Dominanz ausübt. Dafür gehört der Refrain erneut zu den satten Ohrwürmern - da haben die Finnen definitiv ein Händchen und Toni auch die passende Stimme dazu.

Genrefans werden das Album lieben, die Finnen werden es aber bei der internationalen Konkurrenz mehr als schwer haben, sich über die Landesgrenzen hinaus großartig einen Namen zu machen. Machen wir uns nichts vor, ein sehr guter Toni hinter dem Mikrofon reicht dann eben nicht aus, die Schwächen der Debütscheibe auszugleichen. Die beiden Anspieltipps haben es aber in sich, versprochen.

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