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Protest The Hero: Scurrilous

Eine explosive Wundertüte
Wertung: 9/10
Genre: Progressive Metal, Mathcore
Spielzeit: 44:24
Release: 25.03.2011
Label: Spinefarm Records

Poppiges Flair mit anspruchsvollem Songwriting und einem schwindelerregenden technischen Niveau verbinden – Utopie oder Wirklichkeit? Wenn protest the hero die Existenz dieser Vereinigung nicht bereits bewiesen haben, tun sie dies spätestens mit ihrem neuen Album „Scurrilous“. Bei den Kanadiern sind poppige Melodien ebenso zu erwarten wie halsbrecherische Gitarrenläufe und abgedrehte Rhythmen, und trotzdem wirkt das Ganze so, als ob es schon immer zusammengehört hätte.

Der ureigene Sound der Truppe wird dabei allgemein gerne als Mathcore bezeichnet, doch komplett so stehenlassen kann man das nicht – eine gewisse Affinität zur Core-Szene lässt sich zwar nur schwer abstreiten, jedoch spielen Protest The Hero vielmehr ihre eigene, sehr moderne Vision von Progressive Metal. Nicht zuletzt ist dies auf den Gesang zurückzuführen, der der Band einen unbestreitbaren Wiedererkennungswert beschert: Frontmann Rody haucht den Texten mit seinem geradezu akrobatischen Gesang wahrlich skurriles Leben ein; die hohe Stimme durchlebt nahtlos Sequenzen wie eine raue, aggressive Lage, glasklare Melodien, derbe Shouts und spitze Schreie in einer wahnwitzigen Geschwindigkeit, ohne dass die Darbietung jemals auch nur einen einzigen Schnitzer besäße. Doch nicht nur hinter dem Mikrofon steht ein Ausnahmemusiker, denn der Rest der Truppe bleibt keinesfalls hinter Rody zurück – das Gitarrenduo Millar und Hoskin feuert im Sekundentakt dermaßen vertrackte Gitarrensalven ab, dass einem schier der Atem stockt, während Mirabdolbaghi und Carlson an der Rhythmusfraktion für einen unwiderstehlichen Groove sorgen, aber auch nicht davor zurückschrecken, zwischenzeitlich mehr oder weniger in den Vordergrund zu treten.

Bei aller technischen Versiertheit vermisst man jedoch zu keiner Zeit den nötigen Drive oder mitreißende Melodien; künstlich wirkt hier nichts, hinter jeder Note spürt man Energie und Leidenschaft. Dabei fällt es gar nicht allzu negativ auf, dass die Grundausrichtung weniger aggressiv und direkt als beim Vorgänger „Fortress“ ausgefallen ist, was auch eine Reduzierung des Scream- und Growl-Anteils auf ein Minimum zur Folge hat – nicht nur, dass Rody sich inzwischen zu einem der besten Sänger im modernen Metal gemausert hat, sondern auch die Tatsache, dass die Songs experimenteller und vielschichtiger als jemals zuvor sind, lassen einen diese Veränderung allerdings getrost verschmerzen. Dass Protest The Hero trotzdem keine Gefangenen machen, wird bereits klar, sobald sie mit „C'est La Vie“ ohne Ankündigung mit der Tür ins Haus fallen: Rasant und hektisch stürzen die wilden Leads und der sich stets wandelnde Rhythmus auf den Hörer ein, natürlich stets von Rodys grandioser Gesangsleistung begleitet, die zwischenzeitlich in unglaubliche Höhen abdriftet – spätestens der überragende Spannungsaufbau gegen Ende zeigt dann, dass die Kanadier ihren Stil gefunden und zur Vollendung geführt haben.

Dass sie ihre Vergangenheit nicht vergessen hat, zeigt die Band nicht nur mit der verrückten Scream-Passage in „Tapestry“, sondern auch mit einer deutlichen Anspielung auf das 2005er-Debut „Kezia“: In Hair-Trigger“ sorgt nicht nur der geslappte Bass für Begeisterung, denn in dem stampfenden Song ist Gastsängerin Jadea Kelly zu hören, die schon auf dem Erstling in der Rolle Kezias auftrat und dieses Mal ein furioses Duett mit Rody zum Besten gibt, das – so viel sei vorweggenommen – in einen genialen Höhepunkt mündet. Ausfälle hingegen sucht man auf „Scurrilous“ vergeblich, denn wirklich jeder Song auf dem Album zündet, keine der abgedrehten Ideen im Songwriting geht schief und auch wenn es wie in „Moonlight“ für Bandverhältnisse einmal etwas geradliniger zur Sache geht, überzeugen Protest The Hero noch vollends, indem sie nicht nur starke Melodien, sondern auch jede Menge Dramatik in den Track einbinden. Sehr lesenswert sind auch die dieses Mal größtenteils von Rody verfassten Texte, die teilweise ebenso abgefahren wie die Musik selbst sind und wesentlich mehr Tiefe bieten, als die Titel vermuten lassen.

„Scurrilous“ ist in jeder Hinsicht ein Volltreffer und bei der Jagd auf den Titel des besten modernen Metal-Albums des Jahres schon jetzt ganz weit vorne mit dabei. protest the hero klingen frisch, anspruchsvoll und einzigartig – nach „Fortress“ ist das neue Werk der Kanadier zwar eine merkliche Veränderung, gleichzeitig aber auch ein logischer Schritt nach vorne und zu noch mehr Unverwechselbarkeit. Wer den vorherigen Alben der Band etwas abgewinnen konnte und sich nicht an dem etwas heruntergeschraubten Härtegrad stört, sollte sich „Scurrilous“ nicht entgehen lassen, wartet hier doch eine optimal umgesetzte Mischung aus Komplexität und eingängigen Melodien samt geradezu überirdischem Gesang auf den Hörer.

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