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Project Creation: Dawn On Pyther

Tolle Story, tolle Musik, tolle Musiker, tolle Spielzeit, tolle ...
Wertung: 9/10
Genre: Symphonic Prog Rock Metal
Spielzeit: 76:13
Release: 08.02.2008
Label: ProgRock Records

Unverhofft kommt oft, lautet ein altes Sprichwort. Hier in diesem Falle stimmt es mal wieder. Eine allgemeine Promotionmail machte mich auf diese Scheibe aufmerksam. Kurzes Reinhören bei myspace und das Interesse stieg stark an. Und nun endlich ist der Silberling in meinem Player und blockiert ihn. Project Creation ist ein Mammut Epos, das auf vier Teile angelegt ist. Der erste („The Floating World“) ist leider 2005 komplett an mir vorbeigegangen und widmete sich dem Tod eines Planeten und die zwangläufig folgende Flucht von demselbigen. Hier im zweiten Teil „Dawn Of Pyther“ geht es um das Entdecken des neu gefundenen Lebensraumes.

Fast schon so genial wie Jean Michel Jarre startet das Album mit leichten Tönen einer urwaldähnlichen Gegend mit verträumten lieblichen Tönen, ohne aber ins Kitschige abzudriften. Dann erklingt die Gitarre und gibt dem Sound die Dynamik, die er braucht. Hier wurde ein Soundteppich erschaffen, der ganz klar die Grenzen von Rock oder Metal überschreitet. Ein zartes melodisches Symphonic Progressive Werk ist hier entstanden mit einer recht positiven Ausstrahlung.

Ein Part reiht sich an den anderen und die interessantesten und überraschendsten Klangexperimente treten nach und nach zu Tage. Da wird mit folkloristischen über rockige bis hin zu traditionellen oder auch metallischen Parts eine wahnsinnig große Spannbreite aufgedeckt. Zwischendrin ertönen Saxophon und Flötentöne, die den Hörer gerne gefangen nehmen und in die Welt von Pyther entführen. Leider ist der ein oder andere Übergang etwas schroff geraten, so dass man manchmal ein wenig den Eindruck hat, hier wären Samples aus verschiedenen Stücken einfach aneinander gereiht worden. Dies ist aber eher ein kleines Manko, das die Melodien, die hier abgeliefert werden, teilweise schon als richtiggehend grandios und fast schon mitreißend geraten sind.

Mit den schon angeklungenen, verzaubernden Flötentönen, welche auch ein wenig Mittelalterflair versprühen, beginnt dann fast nahtlos der zweite Song „Flying Thoughts“. Aufgrund des sehr gelungenen weiblichen Gesangs kommt irgendwie auch ein wenig unterschwellig arabischer Charme auf. Ja, auch wenn es sich jetzt etwas befremdlich lesen mag, aber durch diese sehr vielschichtig angelegte Instrumentierung mit den 4 Sängerinnen /Sänger ist ein absolut zum Thema passendes Klangbild entstanden. Wie in der neuen, aufregend zu entdeckenden Welt mit ihren ganzen unterschiedlichen Gegenden wirkt auch dieser Song auf vielerlei Art und Weise. Als wäre man in einem Segelflugzeug auf der Reise um die Erde und überfliegt Dschungel, Wüste, Meer und so weiter. Auch wenn mir die Drums anfangs ein wenig zu, nennen wir es mal lieblos klangen, so fügt sich das Ganze doch in dieses Gesamtkunstwerk nach mehrmaligen Hören eigentlich nur absolut folgerichtig ein.

„I Am (The Restless One)” beginnt fast schon wie Beschwörungsformeln, welche von einem Eingeborenenstamm dahingesummt werden. Dann erklingt eine Frauenstimme und man wird positiv gestimmt. Es gerät zu einem Chor, zu dem sich die Gitarren gesellen, um dann kurze Zeit später in ein progressives, eher spärlich instrumentiertes kleines Chaos abzudriften. Dabei aber immer diese Gesangslinien, die den Hörer einfach gefangen nehmen. Und break, die Flöte trällert daher und ein leichter Gesang erklingt. Jawohl, Multi-Instrumentalist Hugo Flores weiß genau, was er tut, auch wenn mir hier dann zum ersten mal ein Part unterkommt, den ich nicht mag. Wirklich tragisch ist dies aber nicht, da er nicht lange läuft und vom nächsten positiven verdrängt wird.

Dann geht`s ab in den „Dragonfly Garden“. Sanft wird das Saiteninstrument gezupft, um mit Flötentönen und Wassergeplätscher endgültig ins Paradiesische abzudriften. Wow, da ist nichts Böses oder Hartes, einfach nur ein relaxter Bereich, in dem man wie auf Wolken dahinschweben kann. Ruhe und Ausgeglichenheit sprüht hier aus jedem Ton, bis dann das Klavier einsetzt und gekonnt mit Gitarren und Schlagzeug für mehr Dynamik sorgt. Toll, diese Diskrepanz aus den böse grollend wirkenden Gitarren und dem liebevollen Klavier, bevor sich alles ein wenig an einander anpasst und gemeinsam den Mittelweg bestreitet. Wie im wahren Leben, nur halt deutlich positiver und schöner ausgemalt.

Mit tollen Gesangslinien beginnt dann das sich langsam entwickelnde „The Voice Of Cheops“. Langsam, aber stetig steigt der Spannungsbogen, ohne dass man den Eindruck hat, dass man wie wild darauf hinarbeitet. Es geschieht einfach so, als ob es eigentlich auch ohne jegliches Dazutun gar keine andere Möglichkeit gäbe. Irgendwie ist man auch immer wieder mal an die guten alten Yes erinnert.

„Intermission“ ist dann eher eine Art Intro mit leichtem Weltraumbeigeschmack, den man aus älteren Science Fiction Filmen kennt und lieb gewonnen hat. Natürlich weniger die Actionfilme als denn diejenigen, welche mit imposanten Bildern die unendlichen Weiten zeigen.

„Sons Of The Stars“ gerät zu einem weiteren Höhepunkt, welcher den Hörer unweigerlich in den Bann schlägt und mit auf eine weite ferne Reise nimmt. Unglaublich, wie auch im 14. Durchlauf immer wieder bisher verborgene Klangstücke auftauchen und für weitere Eindrücke sorgen.

„Growing Feelings“ beginnt, wie der Titel schon verheißt, als ganz kleines zaghaftes Gefühl, welches immer größer wird und wächst. Man fühlt sich fast wie auf einem Meeresgrund, wo langsam das allererste Leben erwacht und aus Mikroorganismen Kreaturen erstehen, welche dann auch beginnen, eine Intelligenz zu entwickeln und die Neugierde auf das, was da draußen ist, erwacht. Toll, wie Musik es schaffen kann, derartige Bilder in den Kopf zu zaubern.

Dann beginnt das Stück „Voyage Of The Dragonfly“, welches in drei Akte unterteilt ist. Mit ordentlich Kraft beginnt die Suche nach dem Unbekannten („Seeking The Unknown“). Es geht dann über in das recht fragende „Visions Of A Past Future“, bevor man dann endgültig beim dritten Part „Sardax – The Ocean`s Flying Freckles“ darin versinkt.

Leider entstand so der typisch menschliche Gedanke, dass es noch etwas besseres, schöneres geben könnte und so wird man von der „The Dusk Of Pyther“ gefangen genommen und kehrt dem Planeten den Rücken zu, denn da draußen muss es noch etwas besseres geben. So geht die Reise weiter und man darf sich schon auf den dritten Silberling aus dem Hause Project Creation freuen. Leider ist gerade dieser letzte Song auch der Song, der mich am wenigsten zu erfreuen mag, trotz seiner Magie.

Fazit: Ein echtes Progressive Highlight, welches unheimlich viel Charme zu versprühen weiß. Vor allem, wenn man bedenkt, dass man hier trotz aller Musikalität nie in technisches Gefrickel ausufert, welches nur dazu dient, den eigenen Egotrip zu befriedigen. Mastermind Hugo Flores ist es gelungen, ein extrem entspanntes, sehr positives Feeling zu kreieren, in das man richtig schön eintauchen kann. Durch die Komplexität wird dieses Album auch nach diversen Durchgängen nicht langweilig, nein, eher das Gegenteil scheint der Fall zu sein, da man immer wieder neue Soundfragmente entdeckt, die ihren eigenen Reiz im Gesamtkunstwerk entfalten. Wer leichte Kost serviert haben will, um ein wenig zu dösen, wird hier nicht wirklich richtig bedient, aber auch der beinharte Rocker oder der Death Metal-Fan ist hier nicht der richtige Ansprechpartner. Wer aber offen ist für viele in der Rockmusik eher untypische Instrumente und Melodien und auch mal für fast 77 Minuten dem Alltag entfliehen will und einfach nur mal träumen möchte, der ist hier gut aufgehoben.

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