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Proghma-C: Bar-Do Travel

Vertrackt, verworren, verwirrend
Wertung: 7.5/10
Genre: Progressive Metal
Spielzeit: 56:13
Release: 25.01.2010
Label: Mystic Production

Dafür, dass „Bar-Do Travel“ ihr erstes echtes Album darstellt, haben Proghma-C schon einiges an Erfahrungen vorzuweisen: 2002 gegründet machten sich die vier Polen langsam aber sicher einen Namen, nahmen 2005 eine EP auf, die allerdings nicht veröffentlicht wurde und haben darüber hinaus schon einige Zeit "on the road" an der Seite von Schwergewichten wie Meshuggah, Anathema und Apocalyptica absolviert. Jetzt erscheint also besagtes erstes Album und schon vor dem ersten Hören frage ich mich skeptisch, wie die Band die von der Plattenfirma großspurig angekündigte Fusion von Trance, Ambient, Rock, Pop, New Age, Death Metal und progressiven Elementen zu vollziehen gedenkt. „Kana“ zeigt: was seltsam anmutet funktioniert tatsächlich.

Einige sphärische Klänge leiten den Song ein, ehe Gitarren und Drums in wirrem 7/4-Groove die Macht übernehmen. Gesang setzt ein, zunächst klar, dann zunehmend aggressiver bis hin zum Geschrei. Im Hintergrund sorgt ein ab und an eingestreuter Synthie für zusätzliche rhythmische Verwirrung. Ein kurzer Überleitungsteil – und man durchblättert verwundert das Booklet auf der Suche nach einem Hinweis auf eine Kollaboration mit Tool-Fronter Maynard James Keenan. Stimmfärbung, Betonung und Artikulation kommen eben jenem plötzlich verblüffend nahe, selbst Melodieführung und das Zusammenspiel von Bass und Gitarre erinnern an die Progmetaller aus Kalifornien. Bald darauf reißen Proghma-C das Ruder herum, wieder und wieder; der Sound vollzieht eine 180°-Wende nach der anderen. Minimalistisches Heavy-Riffing trifft sphärische Klavierakkorde trifft jazzige Harmonien trifft Lounge-Atmosphäre? Das Ganze auf völlig vertrackten Rhythmen und in einem einzigen Song? Kein Problem für das polnische Quartett. Das Herzstück des neunminütigen Openers bildet ein langer Instrumentalteil, der in seiner eigenartigen Taktstruktur eine fast schon meditative Wirkung entfaltet und Gegensätze vereint, als wären es eigentlich keine.

„FO“ setzt genau da an, wo „Kana“ aufhörte, allerdings wird hier zunächst gar nicht gesungen sondern gesprochen, während sich im Hintergrund die Instrumentalfraktion immer weiter aufschaukelt, ehe das Gebilde in aggressives Riffing und Shouting gipfelt. Selbstverständlich bleibt es nicht dabei; am Ende findet man sich wieder in den psychedelischen Weiten eines ausladenden, ruhigen Instrumentalteils wieder.

Die irrsinnigsten Momente der ganzen Platte bietet wohl „Spiralling To Another“, zusammen mit den direkt daran anknüpfenden Songs „Spitted Out“ und „Spitted Out [Out]“. Schon allein der Gesang nimmt von Flüstern über Sprechen und Singen bis hin zum Schreien alle erdenklichen Formen an, während auf instrumentaler Ebene der bereits in den ersten beiden Songs zelebrierte Cocktail aus allem, was Musik- und Effektlandschaft so hergeben, zugrunde gelegt wird. Alles wie zuvor also, nur noch eine Stufe wahnwitziger. Gleichzeitig stellt man aber auch fest, dass Sänger Piotr Gibner deutlich besser singen als schreien kann. Zwar sind seine Shoutings nicht schlecht, sie erreichen aber nicht die Instensität, die sich in den klar gesungenen Passagen entfaltet – und auch wenn er darin an besagten Maynard erinnert; als reines Plagiat sollte man Proghma-C auf keinen Fall betrachten.

Erstaunlicherweise hatte man bisher noch nicht das Gefühl, hier würde Songdienlichkeit purem Muckertum geopfert; selbst die überlang erscheinenden Instrumentalpassagen erscheinen ob ihrer meditativen Wirkung äußerst sinnvoll. Erst bei „Spitted Out [Out]“ stellt sich langsam ein Sättigungsgefühl ein; hier wirkt die Progressivität als Selbstzweck und macht damit nicht halb soviel Spaß.

Zwei Highlights gegen Ende der Platte sind „Naan“, das durch seine schamanenartigen, teils mehrstimmigen Gesänge zu gefallen weiß, sowie das abschließende Björk-Cover „Army Of Me“, das als melodischer Song mit einigermaßen festen Strukturen einen willkommenen Ruhepunkt unter ein ansonsten extrem unruhiges Album setzt.

Sollte man „Bar-Do Travel“ kurz charakterisieren; das Adjektiv „anstrengend“ träfe es wohl am besten. Eingängigkeit sucht man fast, rhythmischen Halt und konventionelle Strukturen völlig vergebens. Nimmt man sich keine Zeit für die Platte, rauscht sie ungehört an einem vorbei. Lässt man sich von der Sperrigkeit aber nicht abschrecken, wird man dafür mit einem Machwerk randvoll mit musikalischen Ideen, Kniffen und Winkelzügen belohnt. Fans der vertrackteren Auswüchse des Prog sollten Proghma-C eine Chance geben.

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