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Primordial: The Gathering Wilderness

Alles, was diese Musik einzigartig macht...
Wertung: 10/10
Genre: Pagan Metal
Spielzeit: 59:34
Release: 07.02.2005
Label: Metal Blade

Primordial waren schon immer eine ungewöhnliche Band. Ihr Stil ist unverwechselbar und schwer zu beschreiben. Sie bringen ihr irisches Erbe in jedem einzelnen ihrer Songs zum Tragen, ihre Alben waren immer Garantien für Gänsehautattacken und dennoch sind sie stets ein Insider-Tip geblieben. Dafür sind ihre Fans dann aber auch umso fanatischer, wofür sich die Band auch stets mit ausgezeichneten Liveshows bedankt.

Wie kann man nun also die Musik dieser Band beschreiben? Kurz gesagt: Sie ist irisch. Aber das bedeutet nicht, dass man bei Primordial fröhliche Rythmen im Stil von Bands wie Fiddler's Green, Schandmaul oder den Dubliners erwarten kann. Abgesehen davon, dass besagte Bands, mit Ausnahme der Dubliners natürlich, nicht wirklich irisch sind, verkörpern Primordial die mystische und manchmal auch melancholische Seite der grünen Insel.

Hinter dem Cover von "The Gathering Wilderness" verbirgt sich, ohne zu übertreiben, das Meisterwerk der Band. Jenes Bild "beschreibt" in Verbindung mit dem ja eigentlich widersprüchlichen Albumtitel das, was dieses Album ausmacht. Im Vergleich zur vorherigen Alben wie "Storm Before Calm" fällt auf, dass die Band hier (noch) mehr Wert auf einfühlsame, epische Hymnen gelegt hat. Das bedeutet gleichzeitig, dass man es hier auf keinen Fall mit einem "Easy Listening"-Album zu tun hat. Wenn man sich nicht mit der Musik beschäftigt, bleibt einem viel verschlossen. Ich kann mich hier nur eindringlich wiederholen: Stellt euch Musik vor, die zu dem Cover passt. Stürmisch, episch und eindringlich.

Der Opener "The Golden Spiral" zeigt mit seinen 8 Minuten gleich, wohin die Reise geht. Schwere Riffs treiben den Song voran, Sänger Alan hat hörbar an sich gearbeitet und singt anklagend "And ( I ) called to the gods...where are you?" Es fällt auf, dass er seine halb gegrowlte, halb gekreischte Stimme nur an sehr passenden Stellen der Lyrics einsetzt, was den Song noch intensiver wirken lässt.

Mit einem ruhigen Geigenklang startet danach der Titeltrack und baut sich durch den sich langsam steigernden Gitarreneinsatz und die rhythmischen Drums auf. Der Track bleibt über seine 9-minütige Distanz stets in diesem Tempo und auch der Grundaufbau des Songs ändert sich nicht großartig. Und dennoch wird man gefangen genommen, während Sänger Alan einem die Augen öffnet und man erkennt, dass wir die Natur nicht so einfach unterdrücken können. Es ist eigentlich müßig, überhaupt aus dieser Götterscheibe Songs herauszupicken, um sie einzeln zu zerpflücken. Dieses Album funktioniert einfach am besten als Gesamtkunstwerk!

Aber es gibt da einen Song, der aus allem heraussticht, der alles definiert, wofür Primordial stehen. Dieser Song trägt den Titel "The Coffin Ships". Inhaltlich geht es um die große Hungersnot, die Irland in den Jahren 1845-1849 heimsuchte und die viele Iren dazu veranlasste, auf den titelgebenden "Sargschiffen" nach Amerika zu fliehen. Leider überlebten viele die Strapazen der Überfahrt nicht und gaben den Schiffen so unfreiwillig ihren Namen. Die Idee zu diesem Text geisterte schon lange in Nemtheangas Kopf herum, aber erst als er in der kleinen irischen Stadt Skibereen einen Gedenkstein für die Tragödie entdeckte, vollendete er den Text. Die Inschrift der Gedenktafel befindet sich nun auch im Mittelteil der Lyrics, welche von Alan gefühlvoll intoniert werden. Musikalisch gibt man in den nahezu 10 Minuten die wohl eindruckvollste Visitenkarte ab, die in Primordials nicht gerade schwacher Songauswahl zu finden ist. Abermals steigert sich der instrumentale Aufbau parallel zu den Vocals und wird schlussendlich von einem traurigen Geigenthema abgeschlossen. "Lost to Ireland, lost in vain"

Das wirklich schön gemachte Digipack rundet dieses Album perfekt ab, da es natürlich in ähnlichen Tönen, wie das Cover gehalten ist. Im Booklet sind neben sehr gelungenen Fotos der Bandmitglieder auch noch kurze Erklärungen unter jedem Song enthalten. Herzstück der Limited Edition ist natürlich die beigelegte Bonus DVD, die Primordial im Studio zeigt. Hier sieht man auch, dass die Band keinesfalls ständig in so einer düsteren und melancholischen Stimmung ist, wie die Musik und die Bandfotos vielleicht vermuten lassen. Sänger Alan kündigt das ganze als "Rock-umentary or Cock-umentary" an und als er zu sehen ist, wie er einen Schrei ins Mikro loslässt, heißt es nur trocken: "Somebody needs a hug!" ("Jemand braucht ne Umarmung!"). Wenn man allerdings kein Interesse daran hat, wie eine Band im Studio arbeitet, ist die DVD natürlich dennoch nicht essentiell.

"The Gathering Wilderness" ist genau das geworden, was man erwarten durfte. Ein weiterer Meilenstein in Primordials Geschichte, meiner Meinung nach sogar ihr größter. "Die Welt ist ein dunklerer und vor allem gefährlicherer Platz geworden. Das reflektieren auch Musik und Texte.", sagte Alan Nemtheanga in einem Interview. Und wie recht er damit hat! Primordial sind nicht freundlich und lieb, wie viele der Alan verhassten "skandinavischen Shampoo-Metal Bands".

Von der Atmosphäre her könnte man das ganze vielleicht ein wenig mit Bathorys "Hammerheart" vergleichen (dem verstorbenen Quorthon wurde auch "The song of the tomb" gewidmet), auch wenn musikalisch deutliche Unterschiede bestehen. Die fast schon poetischen Texte und die Instrumentalarbeit, bei der es keiner nötig hat, sich durch übertriebene Sologeschichten in Szene zu setzen, machen dieses Album einzigartig. Wer nur einen Funken für Pagan Metal übrig hat und auch mal auf die so angesagten Humpaa-Klischees verzichten kann, kann sich hiermit ein Meisterwerk ins Haus holen. Denn mittlerweile drüfte es offensichtlich sein: Ich bin restlos begeistert und deswegen ist die Höchstnote absolut gerechtfertigt. "The wilderness is gathering all its children in..."

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